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Welt

Verloren im Datendschungel

Rund 4000 Hochschulen gibt es in Europa, die Zahl der Studiengänge liegt weit über der Hunderttausender-Grenze. Welcher Student soll sich da noch auskennen? Die EU-Kommission will mit einem Ranking für Abhilfe sorgen.

Logo des CHE-Rankings (Quelle: CHE)

Das Centrum für Hochschulentwicklung erstellt das Ranking

Seit zehn Jahren ist der europäische Hochschulraum in aller Munde. Denn mit dem Bologna-Prozess haben sich 46 Staaten zu dem Ziel bekannt, die studentische Mobilität über Ländergrenzen hinweg zu erleichtern. "Die Ansprüche, die da formuliert wurden, sind hoch, und wir müssen da noch ein ganzes Stück arbeiten, damit der europäische Hochschulraum auch im Alltag erlebbar wird", sagt Jan-Henrik Olbertz, der zuständige Kultusminister in Sachsen-Anhalt.

Das setzt aber voraus, vielfältige Informationen aus den europäischen Hochschulen zu sammeln, zu filtern und für Studenten und Studieninteressierte aufzubereiten. Genau das will die EU-Kommission jetzt mit einem neuen Hochschulranking erreichen: Seit Sommer 2009 basteln Experten des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) in Gütersloh an einer solchen internationalen Rangliste. Zwar gibt es mit dem Shanghai-Ranking und dem Times-Higher-Education-Ranking bereits weltweite Hochschul-Ranglisten, "aber beide beziehen sich in erster Linie auf Forschungsleistungen der Hochschulen und enthalten deshalb nur wenig Informationen aus studentischer Sicht", sagt CHE-Experte Gero Federkeil.

Forschung zählt, Lehre nicht

Gero Federkeil, Mitarbeiter des Centrums für Hochschulentwicklung (Foto: Armin Himmelrath)

Gero Federkeil hofft, dass die Unis durch das Ranking ihre Qualität verbessern.

So wird etwa beim Shanghai-Ranking gewertet, wie viele Absolventen der jeweiligen Hochschule seit 1901 einen Nobelpreis gewonnen haben, wie viele Nobelpreisträger noch an der Uni unterrichten und wie viele Fachartikel die Professoren in den vergangenen Jahren veröffentlicht haben. Potenzielle Studenten interessieren sich jedoch eher für die Ausstattung der Bibliotheken, das Unterrichtsklima und das Betreuungsverhältnis. Diese Zahlen werden bisher jedoch nicht erhoben. Federkeil betont zudem, dass die globale Ausrichtung der Rankings dafür sorgt, "dass in erster Linie US-Hochschulen vorne landen." Europäische oder gar deutsche Universitäten schaffen es allenfalls als Exoten unter die Top 100.

Genau hier setzen die Pläne der EU-Kommission an: 1,1 Millionen Euro lässt sie sich das neue Ranking kosten. "Diese Rangliste wird über Europa hinausgehen, denn die EU-Kommission will auch wissen: Wie stehen denn die europäischen Universitäten im Vergleich zum Rest der Welt da?", sagt Federkeil. Die studentische Perspektive werde man dabei jedoch nicht vernachlässigen. Sie ist gleichzeitig die größte Herausforderung für die Ranking-Macher. "Da muss man kulturelle, sprachliche und systemische Besonderheiten berücksichtigen", erklärt Federkeil, "wir wissen zum Beispiel nicht, ob etwa chinesische Studenten ihre Hochschulen aus kulturellen Gründen weniger kritisieren als Kommilitonen in anderen Ländern".

Ergebnisse schon in zwei Jahren

Doch Federkeil ist zuversichtlich, dass man diese Probleme in den Griff bekommen kann. Denn erste Erfahrungen mit internationalen Rankings hat das CHE bereits gemacht. In diesem Jahr fasste es Universitäten in Deutschland, Österreich, der Schweiz und den Niederlanden in einer Rangliste zusammen. Und auch Kultusminister Olbertz setzt darauf, dass das Europäische Hochschulranking ein Erfolg wird: "Ich hoffe vor allem, dass dadurch die Qualität der Lehre spürbar besser wird." Im Sommer 2011 sollen die Ergebnisse vorliegen und den Datendschungel im europäischen Hochschulraum zumindest teilweise lichten.

Autor: Armin Himmelrath
Redaktion: Pouyeh Ansari

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