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Kultur

Verliebt in Berlin - Will McBride gestorben

Mit der Fotokamera streifte er durch das zerstörte Nachkriegs-Berlin. Will McBride, der als amerikanischer GI ins besiegte Deutschland gekommen war und bis zum Mauerfall blieb, ist jetzt 84-jährig gestorben.

Sein berühmtestes Bild kennt jeder, obwohl es gar nicht vom ihm stammt: Als Annie Leibovitz 1991 die schwangere Demi Moore für den Titel von Vanity Fair fotografierte, war das eine Sensation. Doch die Bildidee stammte von Will McBride. 1960 lichtete er seine schwangere Frau Barbara für die deutsche Zeitschrift "Twen" ab. In seiner Heimat - den damals prüden USA - wäre so etwas unmöglich gewesen.

Demi Moore 50. Gerburtstag

Die US-Fotografin Annie Leibovitz vor einem Bild der schwangeren Demi Moore. Die Bildidee stammte von Will McBride

In Chicago hatte McBride schon vor dem Wehrdienst Grafik und Malerei studiert. Nach der Entlassung blieb er in Deutschland und landete im zerstörten, viergeteilten Berlin. Hier bannte er zunächst den Nachkriegsalltag auf die Platte - Ruinen, einsame Menschen vor Brandmauern, Kriegsversehrte, Trümmerfrauen, Kinder in hochgezogenen Lederhosen. Aber auch herzzerreißende Bilder wie dieses: Westberliner halten ihre Babys hoch, um sie den Verwandten im Osten zu zeigen, die nicht zur Taufe kommen können.

Wurzeln in Berlin geschlagen

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Gerade ist die Ausstellung in Berlin mit Bildern von Will McBride zu Ende gegangen

Als 1957 das Amerikahaus in Berlin eingerichtet wurde, erlebten die Fotos von Will McBride ihre erste Ausstellung. Hier, in der C/O-Galerie, fand zuletzt im Herbst 2014 eine Schau mit McBrides Bildern aus der Nachkriegszeit statt. McBride hatte sich, wie er einmal zugab, in Berlin und seine Menschen "verliebt". Er schlug Wurzeln in der Stadt. Und so wandelte er sich vom Trümmer-Fotografen zum Menschenbeobachter. Manche Fotos zeigen das, etwa wenn es zum Sonntagnachmittag mit VW-Käfer und im Petticoat zum Wannsee hinausgeht. McBride begleitete Jugendliche auf einer Riverboat-Party, doch seine Fotos heben die Feier aus den Berliner Ruinen heraus. Die Szene könnte genauso gut im Mittleren Westen der USA spielen.

Foto vom Starfotografen Will McBride

US-Präsident Kennedy, Willy Brandt und Konrad Adenauer im offenen Wagen vor dem Brandenburger Tor. Will McBride fotografierte die Szene 1963

McBride fotografierte für große deutsche Magazine wie Stern und Quick. Wenn Kennedy, Willy Brandt und Konrad Adenauer 1963 im offenen Wagen am Brandenburger Tor vorfuhren - als Fotoreporter hielt Will McBride es mit der Kamera fest. In späteren Jahren arbeitete er überwiegend als Maler und Bildhauer.

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