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Fokus Osteuropa

Verlängerung der Laufzeiten des bulgarischen Kernkraftwerk Kosloduj?

Bulgarischen Presseberichten zufolge sollen sich Abgeordnete des Europaparlaments für mehr Flexibilität bei den Laufzeiten von veralteten Reaktoren im bulgarischen Atomkraftwerk Kosloduj ausgesprochen haben.

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Kontrollraum im AKW Kosloduj

Laut Berichten in bulgarischen Zeitungen schließen Abgeordnete im Europa-Parlament eine Verlängerung der Laufzeiten veralteter Reaktoren im Kernkraftwerk Kosloduj nicht aus. Den Presseberichten zufolge sollen bislang 103 Europa-Abgeordnete zugesagt haben, einen entsprechenden Fortschrittsbericht des EU-Parlaments für Bulgarien zu unterstützen. In einem Annex zu diesem Bericht des Bulgarien-Berichterstatters Geoffrey van Orden, der bald veröffentlicht wird, soll die EU-Kommission aufgefordert werden, die Frage der Laufzeiten des Atomkraftwerks Kosloduj flexibler zu behandeln.

Stilllegung als Bedingung für EU-Beitritt

Die EU hat den Beitritt des Balkanlandes an die Stilllegung veralteten Atommeilers geknüpft. Die Reaktorblöcke 1 und 2, die vom gleichen Typ wie die in Tschernobyl sind, waren bereits Ende 2002 abgeschaltet worden. Als Voraussetzung für den EU-Beitritt Bulgariens sollen zwei weitere Reaktoren („WWER-440“ aus der Sowjetzeit) Ende 2006 vom Netz genommen werden.

Die nach den Parlamentswahlen in Bulgarien an die Macht gekommenen Sozialisten haben sich in der Vergangenheit immer wieder gegen die vorzeitige Stilllegung veralteter Reaktoren in Kosloduj ausgesprochen. Als Oppositionspartei forderten sie Verhandlungen über eine Verschiebung der für Ende 2006 festgelegten Stilllegung der Blöcke 3 und 4 in dem Atomkraftwerk an der Donau. Inzwischen halten sich die Sozialisten in dieser Frage bedeckt. Ihre alte Forderung haben sie in der Regierung nicht bekräftigt.

Nationalisten wollen Neuverhandlungen

Bei den Wahlen hat aber eine neue Partei - die extremistische Koalition „Ataka“ des Rechtspopulisten Volen Siderov – mit fast neun Prozent der Stimmen den Einzug ins bulgarische Parlament geschafft. Die Nationalisten wollen Neuverhandlungen mit der Europäischen Union durchsetzen, um die vorzeitige Stilllegung der Blöcke 3 und 4 in Kosloduj zu verhindern. In der Öffentlichkeit machen sie Stimmung mit der Behauptung, in Bulgarien gingen die Lichter aus, wenn die Reaktoren stillgelegt würden.

In den 90er Jahren seien immerhin ca. 400 Millionen Euro in die Modernisierung der Reaktoren 3 und 4 investiert worden, meinte auch ehemalige Direktor des Kernkraftwerks in Kosloduj und heutige Parlamentsabgeordnete Jordan Kostadinow gegenüber der Deutschen Welle. Er sagte, die Unterstützung von Europageordneten für den Annex im Fortschrittsbericht des EU-Parlaments sei ein positives Zeichen für Bulgarien.

Der Ausgang dieser für Bulgarien sehr brisanten Debatte bleibt abzuwarten. Beobachter gehen allerdings davon aus, dass es beim Stilllegungszeitpunkt 2006 bleibt.

Emiliyan Lilov, Sofia

DW-RADIO/Bulgarisch, 8.12.05, Fokus Ost-Südost