1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Verkehrte Welten

Nach jahrzehntelangem Gezerre um die Wiedervereinigung Zyperns steht an diesem Samstag ein Referendum beider Volksgruppen zu dieser Frage an - aber unter völlig neuen Vorzeichen.

default

Griechen-Zyprer: 'Nein' zur Wiedervereinigung

Fast eine Stunde dauerte die flammende Rede des griechisch-zypriotischen Präsidenten Tassos Papadopoulos, in der er alle aus seiner Sicht nachteiligen Punkte des Wiedervereinigungs-Plans von UN-Generalsekretär Kofi Annan aufzählte und schließlich zu einem "lauten Nein" für die Volksabstimmung über die Zukunft der seit 1974 geteilten Insel aufrief.

Karte Zypern - EU-Erweiterungsländer

Zypern - die geteilte Insel

Tatsächlich scheint in diesen Tagen die öffentliche Meinung zunehmend umzuschlagen: Während in den letzten Jahrzehnten vor allem die Blockadehaltung der Zypern-Türken für die andauernde Teilung der Mittelmeerinsel verantwortlich gemacht werden konnte, stehen nun die Zypern-Griechen der Wiedervereinigung kritisch gegenüber. Laut Papadopoulos benachteilige der Annan-Plan die griechischen Zyprer, während die Türkei ihre Position voll durchgesetzt habe.

"Keine Lösung sondern ein Ausverkauf!"

Seinem Aufruf will laut Umfragen die Mehrheit der griechischen Zyprer am Samstag folgen, obwohl laut Plan unter anderem Gebiete und Besitz teilweise an die griechischen Zyprer zurückgegeben werden und das türkische Militär nach und nach auf 650 Mann reduziert werden soll.

Zu den Kritikern zählt auch die 21-jährige Effi, die seit Tagen auf dem zentral gelegenen Freiheitsplatz in Nikosia mit anderen Gleichaltrigen versucht, die Passanten von den Nachteilen der Wiedervereinigung zu überzeugung. Doch immer öfter schüren die zahlreichen Zypern-Kampagnen Gerüchte, die mit der Realität nur noch wenig zu tun haben: So heißt es etwa, dass der Süden den Norden komplett finanzieren müsse, oder die Türkei, wann immer es ihr beliebe, in Zypern einmarschieren könne.

Effi selbst ist überzeugt davon, dass der Annan-Plan die Republik auflösen werde: "Das ist keine Lösung, sondern es ist eine Auflösung, ein Abtreten, ein Ausverkauf, ja - eine Selbstaufgabe der Republik Zypern."

Unsicherheit aus Unkenntnis

Volksabstimmung Zypern Stimzettel Türkisch

Stimmzettel für die Zukunft der geteilten Insel

Tatsächlich ist diese Haltung vor allem auf Unsicherheit und Unkenntnis zurück zu führen, wie der griechisch-zyprische Innenminister Antreas Christou erklärt: "Den Gegnern des Plans ist es gelungen, in der öffentlichen Meinung vor allem Botschaften über die Gefahren zu vermitteln. Das schürt Ängste in der Bevölkerung, man hört vieles, das ungenau ist und nicht den Tatsachen entspricht. Das eine wesentliche Ursache für Zweifel und Angst darüber, was ein "Ja" Neues mit sich bringen wird."

Im türkischen Inselnorden haben derweil die Befürworter des Annan-Plans die Oberhand gewonnen, obwohl ihr Führer Rauf Denktasch nach wie vor auf seinem "Nein" beharrt, doch seine Unterstützung schwindet zunehmend. Dies ist vor allem auf die offizielle Informationspolitik zurück zu führen, wie der Präsident der türkisch-zyprischen Industrie- und Handelskammer, Ali Erel, erklärt: "Im Gegesatz zum griechischen Teil hat die türkisch-zyprische Seite Tausende und abertausende Stunden darüber diskutiert - im Fernsehen, im Radio, in Live-Sendungen. Deshalb befindet sie sich jetzt in einer psychologisch besseren Ausgangssituation."

Zypern

türkische Zyprer unterstützen UN-Plan

Wenn am Samstag die türkischen Zyprer mehrheitlich für und die griechischen Zyprer gegen den UN-Plan stimmen, dann müssten trotz ihrer Zustimmung vor allem die Zypern-Türken unter diesem Ergebnis leiden. Und am 1. Mai würde faktisch dann auch nur der südliche Inselteil Mitglied der Europäischen Union werden, während die Zunkunft des Nordteils ungewiss bleibt. "Das wäre ungefähr so, wie wenn in einem Volksentscheid die Deutschen 'Nein' gesagt hätten zu ihrer eigenen Deutschen Wiedervereinigung", urteilte EU-Erweiterungskommissar Günter Verheugen.

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links