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Deutschland

Verkehrsrisiko Google Glass?

Noch ist sie nicht auf dem freien Markt: die Datenbrille Google Glass. Doch schon jetzt formiert sich Widerstand gegen den "Brillen-Computer": Einige Politiker meinen, er sei zu gefährlich für den Straßenverkehr.

In den USA wird

Google Glass

bereits in großem Stil getestet: Wer 1500 Dollar bezahlt, bekommt eine Brille und kann am Großversuch teilnehmen. Einige zehntausend Amerikaner tun das. Doch der Gedanke, dass Autos von Menschen gelenkt werden, die gleichzeitig auf einen Brillen-Monitor schauen, lässt viele Zeitgenossen, darunter auch Verkehrsexperten, erschauern. In den USA hat eine Autofahrerin wegen der Datenbrille auf ihrer Nase bereits einen Strafzettel bekommen.

Ein Bußgeld musste sie aber nicht bezahlen: Das Gericht hielt es nicht für erwiesen, dass sie den Monitor auch eingeschaltet hatte, als sie fuhr. Dennoch: In drei US-Bundesstaaten sind Gesetze geplant, um das Tragen von Google Glass beim Autofahren zu verbieten. Auch in Großbritannien wird ein solches Gesetz diskutiert. In Deutschland gibt es diese Debatte nicht - noch nicht: In diesem Jahr könnte nämlich die Testphase abgeschlossen sein und die Brille auf den freien US-Markt kommen - und einige Monaten später auch nach Deutschland.

Google Glass Brille Internet

So sieht sie aus, die Google Glass: leicht, modisch, unspektakulär. Kann so etwas gefährlich sein?

Ein Bild außerhalb der Welt

Jan-Keno Janssen ist einer der relativ wenigen Menschen in Deutschland, die schon durch eine

Google Glass

geschaut haben und das Gerät testen konnten. Der Redakteur bei der Computerzeitschrift c't Magazin fand das Erlebnis "unspektakulärer, als es sich anhört".

Er habe sich sehr schnell daran gewöhnt und finde es nur "ein bisschen irritierend, dass das Display relativ klein ist". Das Bild sei nicht nur klein, so Janssen, es liege "auch nicht direkt im Sichtfeld, sondern im peripheren Sichtfeld - so oben rechts. Das heißt: Ein bisschen außerhalb der normalen Welt hat man einen kleinen Monitor vor sich schweben."

"Das funktioniert extrem gut"

Den Wirtschaftswissenschaftler und Automobilexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen wundert es nicht, dass bei einer Erfindung wie der Datenbrille von Google sofort darüber nachgedacht wird, ob und wie man sie im Auto nutzen kann. Das liege im Trend, "in einer Welle, die 'connected car' heißt, vernetztes Auto, wo doch sehr viele Informationen auf den Fahrer einprasseln".

Jan-Keno Janssen kann sich dabei sehr gut vorstellen, dass es für Autofahrer hilfreich wäre, wenn die Brille zum Beispiel die Geschwindigkeit anzeigt. Und besonders für Navigationsgeräte sei die Brille sehr interessant, "weil das wirklich extrem gut funktioniert".

Die Bedenken, dass es für Ungeübte ein Problem sein könnte, das Auge kurzfristig auf die geringe Entfernung zum Display einzustellen und dann übergangslos wieder in die Ferne zu schauen, kann der Brillen-Tester zerstreuen: "Das klappt bei mir und bei allen Testpersonen, die ich kenne, sehr gut. Das fühlt sich nicht anstrengend an."

Deutschland Auto Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer

Ferdinand Dudenhöffer: "Dem Fortschritt ein Chance!"

Ein datenrechtliches Problem?

Autoexperte Dudenhöffer sieht die Probleme mit Google Glass darin, dass "darauf alles mögliche eingespielt werden oder alles mögliche genutzt werden kann und dass man dann eine hohe Ablenkung hat." Mit der Brille kann man eben auch E-Mails lesen oder den Twitter-Account checken - fast alles, was man mit einem Smartphone auch kann. Wer sich am Steuer so verhält, ist natürlich unkonzentriert und stellt ein Sicherheitsrisiko dar. Dabei ist es aber den Experten zufolge völlig egal, ob das nun mit der Brille oder mit einem Handy passiert.

Ein immer wieder geäußerter Vorbehalt gegen Produkte aus dem Hause Google ist die fehlende Datensicherheit. Ferdinand Dudenhöffer sieht zwar "ein datenrechtliches Problem", verweist aber darauf, dass viele Menschen sowieso "Profile ihrer Bewegung hinterlassen, die ausgewertet werden können". Computer-Experte Janssen ist der gleichen Meinung: "Das Problem hat ja schon, wer nur sein Smartphone benutzt."

"Dem Fortschritt eine Chance"

Soll man die Datenbrille im Straßenverkehr denn nun verbieten, wie es in Großbritannien und einigen US-Bundesstaaten diskutiert wird? Auch darin stimmen die beiden Experten überein: Nein, dazu bestehe vorläufig kein Grund. Jan-Keno Janssen, der nicht "das große Bedürfnis verspürt, beim Autofahren die Google Glass zu tragen", hält die Erfindung "nicht für ein großes Sicherheitsrisiko".

Automobilexperte Ferdinand Dudenhöffer weist darauf hin, dass es noch nicht genug Erfahrungswerte gibt, um Google Glass abschließend beurteilen zu können. Er plädiert dafür, "dem Fortschritt eine Chance zu lassen, aber gleichzeitig zu untersuchen, wo dieser Fortschritt gefährlich sein könnte".

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