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Politik

Verkehr und Globalisierung

Rund um Heiligendamm liefern sich Polizei und Globalisierungskritiker einen Wettkampf um die Sperrung von Verkehrswegen. Wer während des G8-Gipfels von A nach B will, muss sich erst einen Weg suchen.

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Straßensperren - auch im Wald

Kühlungsborn, Dienstagabend um 22 Uhr. "Die Ortseinfahrt ist gesperrt“, sagt ein Polizist, "da ist eine Demonstration.“ Zu Fuß könne man auch nicht weiter, "das wäre eine große Gefahr, in die ich Sie ungern lassen würde“. Vor dem inneren Auge erscheinen Bilder von schwarz vermummten Steineschmeißern. Der Polizist empfiehlt, Kühlungsborn zu umrunden und von der anderen Seite rein zu fahren. Dort angekommen, laufen die Demonstranten gerade einen Steinwurf entfernt die Straße herunter. Weiß geschminkt, tragen sie Clownsnasen und bunte Kleidung. Sie singen und tanzen, winken Autofahrern, die aus dem Dorf heraus fahren, mit Blumen. Rein darf man aber nicht. "Nicht gucken, fahren!“, bellt ein Polizist.

Viel Lärm um nichts?

G8-Gipfel

... und wo Polizei ist, wird auch kontrolliert.

Mittwochmorgen scheint es, als wäre die ganze Region um Heiligendamm, wo sich die Führer der acht mächtigsten Industrienationen treffen, gesperrt. Polizei und Demonstranten überbieten sich gegenseitig mit Straßensperren. Die einen, um den Ablauf des G8-Gipfels zu stören; die anderen, um gewalttätigen Ausschreitungen vorzubeugen. Das trifft vor allem die Bewohner der Region, die ihrem Tagesgeschäft nachgehen wollen. "Ich habe schon zwei Stunden verloren“, sagt ein Gärtner, der auf dem Weg zur Arbeit im Stau steht. "Jetzt muss ich die Mittagspause durcharbeiten.“ Weiter vorn auf der Straße zwischen Rostock und Bad Doberan ist eine Sicherheitskontrolle. Der Verkehr staut sich, soweit man gucken kann. Die Motoren sind aus, die Menschen warten zwischen ihren Autos. "Das ist alles eine große Lachnummer“, sagt einer, der zum Arzt muss. "Auf dem Gipfel wird doch eh nichts entschieden“.

Am Flughafen Rostock-Laage stehen die Demonstranten auf verlorenem Posten. Fünfzig von ihnen sitzen in der Sonne, bewacht von einem Dutzend Polizeiautos, gefilmt von sechs Fernsehteams. Ein Lautsprecherwagen macht Stimmung gegen die ungerechte Globalisierung: "Schaut euch an, wie Millionen an Steuergeldern für den Gipfel ausgegeben werden“, ruft eine Frauenstimme, "und das ausgerechnet in Mecklenburg-Vorpommern, wo das Geld für soziale Zwecke gebraucht würde.“ Dann Jubel unter den Demonstranten. "Laut unbestätigten Gerüchten ist es mehreren tausend Demonstranten gelungen, die Straße nach Heiligendamm zu blockieren“. Die großen grünen Autos mit den Wasserwerfern auf dem Dach düsen ab - Richtung Bad Doberan.

Versteckspiel im Wald

Die Staatsoberhäupter der Großen Acht wird die Blockade nicht abhalten, sie werden mit dem Hubschrauber zum Gipfel geflogen. Die Delegationen müssen Auto fahren. Damit auch sie ans Ziel kommen, sind viele Hauptverkehrsstraßen gesperrt. Am Rand der Autobahn A19 stehen die Polizeiwagen in Abständen von wenigen hundert Metern. Alle Brücken sind besetzt, damit niemand etwas herunter werfen kann. Keiner fährt zu schnell. Die Zufahrten von Bad Doberan nach Heiligendamm sind geschlossen, der Tagungsort weiträumig umzäunt. Eine Sperrzone erweitert den nicht zu betretenden Bereich um weitere fünf Kilometer. Globalisierungskritiker versuchen, sich dutzendweise durch den Wald zum Zaun durchzuschlagen.

G8-Gipfel

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg ...

Zwischen den Bäumen patrouillieren Polizisten mit Hunden und auf Pferden, über den Wipfeln kreisen Hubschrauber. Immer wieder wechselt die Demonstrantengruppe die Richtung, weil zwischen den Bäumen Polizeifahrzeuge oder Uniformen hervorschimmern, stößt sie mit anderen zusammen oder teilt sich auf. "Wir sind so viele, dass sie uns unmöglich alle aufhalten können“, sagt ein bayerischer Demonstrant und zieht sich ein Tuch übers Gesicht. Als die Gruppe einen Waldweg mit Baumstämmen sperren will, stürmen maskierte Polizisten aus dem Gebüsch. Mehr als die Hälfte der Demonstranten entkommt. Wer zum ersten Mal in der Sperrzone erwischt wird, bekommt einen Verweis, beim zweiten Mal wird man verhaftet. Einen Engländer, der sich nicht ausweisen will, nimmt die Polizei mit. "Was jetzt“, fragt einer der Verwiesenen. "Ich weiß auch nicht - lass uns doch zum Meer gehen.“