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Bücher

Verkauf der deutschen Ausgabe gestartet: "Harry Potter und das verwunschene Kind"

Neun Jahre nach dem letzten Roman hat um Mitternacht der Verkauf des Fortsetzungsbandes "Harry Potter und das verwunschene Kind" begonnen. Wird das Theaterstück - genau wie das englische Original - ein Verkaufshit?

Es klingt alles sehr vertraut: Gleis 9 ¾, junge Zauberer und Hexen auf ihrem Weg zum Hogwarts Express, der Sprechende Hut - und ein kleiner Junge, der Ärger anzuziehen scheint.

Die deutsche Buchversion des zweiteiligen Theaterstücks von Jack Thorne, J.K. Rowling und John Tiffany, das am 30. Juli 2016 erstmals in seiner Endfassung aufgeführt wurde, ist keine Romanumsetzung des Stückes, sondern ein Bühnen-Skript. Die achte Geschichte des Harry-Potter-Universums liest man ausschließlich in Form von Dialogen zwischen den Figuren, dazu gibt es einige Regieanweisungen. Was zu Beginn verwirren mag, wird schnell ein interessantes Gedächtnisspiel: Beim Lesen stellt man sich vor, wie die Figuren miteinander sprechen - ohne dabei eine hochentwickelte Szenerie zu haben.

19 Jahre später

"Harry Potter und das verwunschene Kind" bringt den Leser zurück nach Hogwarts. Rowling belässt es bei den bekannten magischen Requisiten und fügt nur wenig Neues hinzu. Sie verlässt sich darauf, dass der Leser mit den sieben Vorgänger-Büchern bestens vertraut ist und baut ihre neue Geschichte auf den dort erzählten Ereignissen auf.

Harry Potter und das verwunschene Kind Harry Potter and the cursed child

Noma Dumezweni als Hermione Granger, Jamie Parker als Harry Potter und Paul Thornley als Ron Weasley auf der Bühne

Das Theaterstück fängt dort an, wo die sieben Romane endeten: 19 Jahre nach der Schlacht um Hogwarts sind Harry Potter und Ginny Weasley, die Schwester seines besten Freundes, verheiratet. Sie habe drei Kinder, die alle, wie schon ihre Eltern, die Hogwarts-Schule für Hexerei und Zauberei besuchen. Harrys beste Freunde - Zaubereiministerin Hermine Granger und ihr Ehemann Ron Weasley - sind auch wieder an seiner Seite.

Die Geschichte beginnt mit einer Unterhaltung der Hauptcharaktere: Harrys jüngster Sohn, Albus Severus, darf zum ersten Mal nach Hogwarts fahren. Er ist aufgeregt und nervös, welchem Haus er wohl zugeteilt wird. Er macht sich Sorgen, nach "Slytherin" zu kommen, also zu dem Haus, dem die meisten bösen Zauberer entstammen. Harry beruhigt seinen Sohn und erklärt ihm, man könne den Sprechenden Hut überzeugen, den eigenen Wunsch zu berücksichtigen.

Für Potter-Laien muss das verwirrend klingen. Zur Erklärung: Der "sprechende Hut" wird den Erstklässlern in Hogwarts bei der Eröffnungszeremonie auf den Kopf gesetzt. Er teilt die Schüler dann einem "Haus" zu, in dem sie bis zum Ende ihrer Schullaufbahn bleiben. Häuser sind wie erweiterte Familien, in denen die Schüler gemeinsam Unterricht haben, Schlafräume teilen und Punkte sammeln, um am Ende eines Schuljahrs den Hauspokal zu gewinnen. Vier Häuser gibt es: Hufflepuff, Gryffindor, Slytherin, und Ravenclaw. Harry und seine Freunde waren Gryffindors – seine Kinder wünschen sich natürlich, diese Tradition fortzuführen.

Konflikte vorprogrammiert

Großbritannien London Harry Potter and the Cursed Child Theater Premiere

Bei der Premiere in London: Sonia Friedman (Producerin), Jack Thorne und J.K. Rowling (Autoren), John Tiffany (Regisseur) und Colin Callender (Producer)

Es kommt dann, wie es kommen muss: Der sprechende Hut erfüllt diesen Wunsch in Albus' Fall nicht und teilt ihn dem "falschen" Haus zu. Mehr verraten wir an dieser Stelle nicht - nur dass diese Entscheidung einer der wichtigsten Bestandteile der gesamten Handlung sein wird. Außerdem spielt Albus' angespannte Beziehung zu seinem Vater eine wichtige Rolle: Der Schüler möchte die ganze Aufmerksamkeit nicht, die ihm aufgrund der Berühmtheit seines Vaters zuteil wird. Er wird den Vorstellungen Harrys nicht gerecht – und auch die anderen Schüler verstehen nicht, wie ein Außenseiter wie Albus der Sohn des berühmten Harry Potter sein kann.

Als Albus sich mit Scorpius Malfoy anfreundet wird klar, dass Ärger ansteht. Denn Scorpius ist Draco Malfoys Sohn, ein ehemaliger Schulkamerad von Harry, der vor 19 Jahren auf der Seite des bösen Zauberers Voldemort gekämpft hat. Nicht nur Albus leidet unter dem Namen und Ruf seiner Familie, sondern auch Scorpius, von dem gesagt wird, er sei der Sohn des dunklen Magiers Voldemort. Ihr außergewöhnlicher Wille, normale Zauberer zu sein, schafft eine enge Freundschaft zwischen den beiden Außenseitern Albus und Scorpius – und das gegen den Willen vieler ihrer Mitschüler und Lehrer.

Großbritannien London Harry Potter and the Cursed Child Theater Premiere

Das Palace Theatre in London hatte sich in Schale geworfen für die große Potter-Show

Sehr schnell erzählt

Die Handlung der Geschichte verläuft unglaublich schnell – sie zieht den Leser im Hogwarts-Expressdurchlauf durch die ersten vier Schuljahre von Albus. Jede Szene erzählt mindestens ein Großereignis. Das kann man einerseits kritisieren, andererseits ist es auch ein bewusstes Stilmittel für das Theaterstück: Die Protagonisten müssen sich ständig einer neuen Herausforderung stellen.

Der Leser hat allerdings kaum genügend Zeit, um sich mit den Charakteren in Ruhe vertraut zu machen. Sie sind in fortlaufender Entwicklung – und ständig passiert etwas Neues. Das ist keine prinzipielle Kritik an der Handlung, sondern eher eine Schlussfolgerung, dass es sicherlich ein anderes Gefühl ist, das Theaterstück live auf der Bühne zu sehen: Dort können die Schauspieler ihren Figuren mehr Persönlichkeit einflößen.

Auch wenn es sich um eine Fortsetzung handelt, kann man das achte Buch daher nur schlecht mit den sieben Romanen vergleichen. Eine mitreißende Geschichte ist es allemal – und ein Schatz für alle Potter-Fans, die in den letzten neun Jahren sehnlichst auf ein neues Buch gewartet haben.

Harry Potter und das verwunschene Kind Harry Potter and the cursed child

Szene aus "Harry Potter und das verwunschene Kind"

Ende der Harry Potter-Ära

Autorin Joanne K. Rowling gab bei der Premiere des Theaterstücks bekannt, dass dies nun das Ende der Harry Potter Reihe sei und sie definitiv keine weiteren Harry Potter Bücher schreiben werde. "Während der zwei Theaterstücke geht er auf eine sehr große Reise und dann, ja, denke ich, wir sind fertig. Das ist die nächste Generation. Ich freue mich riesig zu sehen, wie schön es umgesetzt worden ist, aber nein, Harry ist jetzt vorbei," erklärte sie.

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