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Deutschland

Verhinderte Terroranschläge in Deutschland

Am Dienstag (29.09.2009) wird der Prozess gegen die Sauerland-Terroristen fortgesetzt. Der von ihnen geplante Terroranschlag war nicht der einzige, der in Deutschland rechtzeitig verhindert werden konnte.

Symbolbild Terrorismus

In diesem Ferienhaus in Oberschledorn im Sauerland planten die Terroristen. (Foto: AP)

In diesem Ferienhaus in Oberschledorn im Sauerland planten die Terroristen.


Das, was in Oberschledorn im Sauerland geplant und vorbereitet wurde, hätte die bislang schwerste Anschlagserie in Deutschland werden sollen: Zwölf Fässer Wasserstoffperoxid hatten sich die so genannten Sauerland-Terroristen beschafft, um Bomben herzustellen. Geplant waren mehrere Attentate auf Amerikaner und US-Einrichtungen in Deutschland. Die Polizei hatte die Gruppe bereits im Visier, und so gelang es, den Stoff in den Fässern durch eine verdünnte Lösung zu ersetzen. Im September 2007 konnten dann drei Mitglieder einer deutschen Zelle des internationalen Terrornetzwerkes “Dschihad-Union“ festgenommen werden. Eine weitere Festnahme folgte. Seit April 2009 wird dem Quartett in Düsseldorf vor dem Oberlandesgericht der Prozess gemacht.

Behälter mit Chemikalien für den Bombenbau (Foto: AP)

Chemikalien für den Bombenbau


Anschlagsziel: Jüdische Einrichtungen

Im November 2006 gelang es den deutschen Sicherheitsbehörden, einen geplanten Anschlag islamistischer Terroristen auf ein israelisches Verkehrsflugzeug zu verhindern. Eine Kofferbombe sollte in eine in Frankfurt am Main startende Maschine der Fluggesellschaft “El Al“ geschmuggelt werden.

Zwei der vier Verurteilten im Al-Tawhid-Prozeß (Foto: AP)

Zwei der vier Verurteilten im "Al-Tawhid"-Prozeß

Zwei Jahre zuvor, im April 2004, konnten mehrere mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Organisation "Al-Tawhid" gefasst werden. Drei Palästinenser und ein Algerier wurden im Oktober 2005 zu Haftstrafen zwischen fünf und acht Jahren verurteilt. Geplant war ein Sprengstoffattentat in der Nähe einer jüdischen Einrichtung in Berlin. Außerdem sollten mehrere Handgranaten in Düsseldorfer Gaststätten gezündet werden, vornehmlich in solchen die von jüdischen Gästen besucht oder von jüdischen Eigentümern geführt werden.

Die Überwachungskamera zeigt einen der Kofferbomber auf dem Kölner Hauptbahnhof (Foto: AP/BKA)

Die Überwachungskamera zeigt einen der Kofferbomber auf dem Kölner Hauptbahnhof


Die "Kofferbomber von Köln"

Handwerkliche Fehler der Bombenleger hatten im Juli 2006 verhindert, dass die Passagiere in den Regionalzügen auf den Strecken von Mönchengladbach nach Koblenz und von Aachen nach Hamm nicht in eine Katastrophe fuhren. Denn in beiden Zügen hatten die Libanesen Youssef el-Hajdib und Jihad Hamad am 31. Juli 2006 im Kölner Hauptbahnhof Koffer mit Sprengsätzen deponiert. Die Verbrecher waren von Überwachungskameras erfasst worden, die Bomben richteten nicht die geplanten Verheerungen an. El-Hajdib konnte drei Wochen später in Kiel gefasst werden, Hamad stellte sich wenige Tage später im Libanon. Nach Erkenntnissen der Ermittler hatten sie geplant, die Bomben zeitgleich um 14:30 Uhr vor Erreichen der Bahnhöfe Dortmund und Bonn zu zünden."Letztlich kann aber nicht darauf gebaut werden, dass handwerklich Fehler in Zukunft weiter begangen werden. Das Know-How, das aus dem Internet bezogen werden kann, ist immens, und da müssen einige Bremsen eingebaut werden", so der Terrorismusexperte Berndt-Georg Thamm.

Ajad Allawi (li.) und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (Foto: AP)

Ajad Allawi (li.) und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder


Im Visier: Iraks Ministerpräsident in Berlin

Im Dezember 2004 besuchte der damalige irakische Ministerpräsident Ijad Hashim Allawi Berlin und entging dabei nur knapp einem Terroranschlag. Das Verbrechen konnte vereitelt werden. Drei mutmaßliche Mitglieder der islamistischen Terrorgruppe Ansar el Islam sollen geplant haben, Allawi bei einer Veranstaltung in einer Berliner Deutsche-Bank-Filiale zu töten. Die deutschen Sicherheitsbehören hatten die Telefongespräche der Terroristen abgehört und rechtzeitig verhaftet.

Im März 2003 wurde in Berlin ein Tunesier festgenommen, der unter Terrorismusverdacht stand. Er soll als Ausbilder in Camps von Osama bin Laden tätig gewesen sein. Gemeinsam mit anderen Islamisten, unter anderem aus der Berliner Al-Nur-Moschee, soll er während des Irak-Krieges einen Anschlag in Deutschland geplant haben.

Terroristen-Ausbildung im afghanisch-Pakistanischen Grenzgebiet (Foto: dpa)

Terroristen-Ausbildung im afghanisch-Pakistanischen Grenzgebiet


Anschlag auf Weihnachtsmarkt

In der Wohnung eines 25-Jährigen Türken und seiner 23-jährigen Verlobten, einer Amerikanerin türkischer Herkunft, wurden im September 2002 in Heidelberg mehrere Sprengsätze sichergestellt. Die Polizei verhaftete beide. Das Paar plante vermutlich Anschläge auf US-Militäreinrichtungen.

Nur knapp verhindert wurde im Dezember 2000 ein Terroranschlag auf den Weihnachtsmarkt in Straßburg unmittelbar hinter der deutsch-französischen Grenze. Geplant und vorbereitet wurde das Verbrechen von Baden-Baden aus. Mehrere Mitglieder und Unterstützer einer so genannten Frankfurter Zelle wollten einen zum Sprengsatz umgebauten Schnellkochtopf auf dem Straßburger Weihnachtsmarkt explodieren lassen. Die Bombe war bereits fertig. Im März 2003 wurden vier Täter wegen Verabredung zum Mord in Frankfurt zu Haftstrafen von zehn bis zwölf Jahren verurteilt. Gegen zehn weitere Mittäter verhängte später das Pariser Strafgericht Haftstrafen.

"Auf lange Sicht müssen wir uns damit auseinandersetzen, dass diejenigen, die uns terroristisch bedrohen, für die Idee kämpfen, ein islamistisches Gottesreich zu errichten. Und diese Idee ist nicht mit Mitteln der Polizei und Nachrichtendienste und des Militärs zu bekämpfen, sondern nur durch eine Gegenidee. Und die muss vor allem große Teile der muslimischen Welt überzeugen", resümiert der Terrorismusexperte Berndt-Georg Thamm.

Autorin: Sabine Schröder (mit dpa/afp)
Redaktion: Hartmut Lüning