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Politik

Verheerender Anschlag auf Bus in Nepal

Am Montag (6.6.2005) starben in Nepal mindestens 38 Insassen eines Busses bei einem Anschlag. Die Armee verdächtigt maoistische Rebellen - ein neuer Schritt zur Eskalation des Bürgerkrieges?

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Der Bus war vollbesetzt als er auf eine Mine fuhr

Der vollbesetzte Bus sei am Montag (6.6.2005) nahe der Ortschaft Badarmude, südwestlich der Hauptstadt Kathmandu, auf eine Landmine gefahren, sagte ein Armeesprecher. In dem Bus sollen rund 110 Menschen gewesen sein, darunter auch ein Dutzend Sicherheitskräfte. Mindestens 38 Passagiere wurden bei dem Anschlag getötet, weitere 70 Personen zum Teil schwer verletzt.

Mehr als 11.500 Tote seit Beginn des Konflikts

Die Armee von Nepal patrouilliert in Katmandu

Die Armee geht hart gegen die maoistischen Rebellen vor

Die Regierung verdächtigt maoistische Rebellen, den Sprengkörper im Bezirk Chitwan gelegt zu haben. Der Bezirk Chitwan gilt als Rebellen-Hochburg. Sollten tatsächlich Rebellen den Anschlag verübt haben, so wäre dies einer der folgenschwersten Anschläge gegen Zivilisten seit Beginn des bewaffneten Kampfes der Rebellen vor über neun Jahren.

Die maoistischen Rebellen wollen die nepalesische Monarchie stürzen und eine kommunistische Republik errichten. Der zunehmende Einsatz von Landminen durch beide Bürgerkriegsparteien hat in den vergangenen Jahren bereits Hunderte von Toten gefordert. Der seit über neun Jahren währende Konflikt kostete bisher mehr als 11.500 Menschen das Leben.

Vorgehen des Königs "nicht verfassungsgemäß"

Der Anschlag ereignete sich nur einen Tag, nachdem am Sonntag (5.6.2005) die nepalesische Anwaltskammer die Regierungsübernahme durch König Gyanendra als "nicht verfassungsgemäß" bezeichnet hatte. König Gyanendra hatte am 1. Februar 2005 die amtierende Regierung unter Premierminister Bahadur Deuba entlassen, ein neues königstreues Kabinett einberufen und sich selbst zum Ministerpräsident ernannt. Er verhängte den Ausnahmezustand über das gesamte Land und kündigte an, innerhalb der folgenden drei Jahre als Ministerpräsident zu amtieren und als solcher den Bürgerkrieg zu beenden.

Hintergrund für diesen Schritt, der eine weitere Verschärfung der innenpolitischen Lage bedeutete, waren grundlegende Meinungsverschiedenheiten über die richtige Strategie im Umgang mit den im Land operierenden maoistischen Rebellen.

Neue Phase im "Volkskrieg"

König Gyanendra wurde am 4. Juni 2001 zum König gekrönt, nachdem sein älterer Bruder König Birenda zusammen mit acht weiteren Mitgliedern der Königsfamilie einem Massaker zum Opfer gefallen war. Birenda hatte einen Einsatz des Militärs immer abgelehnt, um zu verhindern, dass der Kampf gegen die Maoisten in einen Bürgerkrieg umschlägt. Im Gegensatz dazu leitete König Gyanendra direkt eine breite Offensive gegen die Aufständischen ein mit dem Ziel ihrer totalen Niederschlagung. Die Maoisten kündigten daraufhin ebenfalls eine neue Phase im "Volkskrieg" an, in der sie auch begannen, gegen Zivilisten vorzugehen.

Kalkül von Gyanendra bisher nicht aufgegangen

Die maoistischen Rebellen, die ihr Vorbild in der peruanischen Guerillaorganisation "Leuchtender Pfad" sehen, stellen einen entscheidenden Machtfaktor im Land dar und verfügen über große Unterstützung bei der Landbevölkerung. Schließlich wollen sie eine Landreform zugunsten der verarmten Landbevölkerung und letzten Endes einen kommunistischen Bauernstaat erzwingen.

Vor allem im Westen und Süden des Landes konnten die Maoisten im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Provinzen unter ihre Kontrolle bringen. Anfang 2003 kontrollierten sie bereits die Hälfte des Landes, als sie sich gemeinsam mit der nepalesischen Regierung auf einen Waffenstillstand und die Einleitung vertrauensbildender Maßnahmen einigten. Doch schon die erste Gesprächsrunde scheiterte, und der Kampf wurde mit verschärften Mitteln fortgeführt. Der größte Teil der insgesamt über 11.500 Toten, die der Konflikt bereits forderte, sind seit der Krönung Gyanendras ums Leben gekommen. (ana)

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