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Adriaküste

Verheerende Brände in Kroatien und Montenegro: Feuerinferno vor Split gestoppt

Seit Tagen wüten Waldbrände entlang der kroatischen und montenegrinischen Adriaküste - begünstigt durch große Trockenheit und starke Winde. Aber auch strukturelle und politische Mängel haben dazu beigetragen.

Kroatien Waldbrände Feuer Split (Getty Images/AFP)

Flammenmeer bedrohte Split

An so katastrophale Brände kann sich in Split kaum jemand erinnern. "Feuer gibt es jedes Jahr, aber schon Jahrzehntelang war es nicht so schlimm. Und noch nie brannte es an so vielen Stellen gleichzeitig", sagt Nediljko Radilovic aus dem Dorf Tugare in der Nähe der Großstadt an der Adria. Diesmal kam das Feuer bis an den Rand der zweitgrößten Stadt Kroatiens. Nur mit äußerster Mühe gelang es der Feuerwehr und den Bewohnern, Split vor dem anrückenden Feuerinferno zu verteidigen.

Kroatien Brände Feuer (picture alliance/Pixsell/I.Cavka)

Schwere Verwüstungen auch in den Ortschaften Mravinci, Zrnovnica und Kucine in der Umgebung von Split

Allein in der Umgebung in Mitteldalmatien, einem der beliebtesten Ferienziele vieler Urlauber aus Deutschland, gab es zwischenzeitlich 19 Brandherde. Dazu kamen zahlreiche weitere etwas nördlicher in der Region um die Stadt Zadar. Seit Wochen hat es an der dalmatinischen Küste kaum geregnet und bei hohen Temperaturen herrscht große Trockenheit. Begünstigt durch starke Winde haben die Flammen bisher etwa 4500 Hektar Pinienwälder und Macchia vernichtet.

Zahlreiche Touristen mussten aus ihren Ferienorten evakuiert werden, mehrere Einwohner verloren ihre Häuser. Es gab mindestens 80 Verletzte. 

Rettungsaktionen in Montenegro 

Und auch im benachbarten Montenegro brennt es lichterloh. Auf der Halbinsel Lustica in der Nähe der Stadt Kotor mussten am Montag Touristen mit Booten in Sicherheit gebracht werden, da die Straßen unpassierbar waren. Mehrere Menschen sprangen tollkühn ins Wasser und warteten dort auf Hilfe. Augenzeugen sprachen von anfänglichem "Chaos", inzwischen sollen die Löscharbeiten aber besser koordiniert sein.

Montenegro - Waldbrand (Reuters/S. Vasiljevic)

Fortschritte bei den Löscharbeiten in Montenegro

Der starke Wind entfacht die Brände aber immer wieder neu, so dass die montenegrinische Regierung um internationale Unterstützung gebeten hat. Von den eigenen drei Löschflugzeugen ist eines defekt. Zurzeit ist eine ukrainische Maschine im Einsatz sowie ein Hubschrauber aus der Schweiz. Man wartete noch auf die Flugzeuge aus Bulgarien und aus Israel.

"Unsere wahre Helden"

In Kroatien sind inzwischen die Brandherde unter Kontrolle, die unmittelbare Gefahr für Menschen und Häuser scheint gebannt zu sein. Umso mehr aber flammt nun die Debatte über politische Schuldzuweisungen auf und es beginnt eine fieberhafte Suche nach den Verantwortlichen für die strukturellen Missstände im Land.

Kroatien Waldbrände bei Split (DW/N. Tomasovic-Bock)

Auch die Bewohner haben tatkräftig geholfen

Während in den Medien die Einsatzkräfte und an der Brandbekämpfung beteiligten Bürger als "unsere wahre Helden" gefeiert werden, bemängelt man gleichzeitig die "zu geringe Anzahl der Feuerwehrleute" sowie deren "unzureichende technische Ausstattung". Dafür werden pauschal "die Politik" und "die Regierung" an den Pranger gestellt.

"Schon seit Jahren wird in Kroatien in die Armee und die Polizei investiert, während der Zivilschutz völlig vernachlässigt wird", heißt es in einer Erklärung des Zentrums für Friedensstudien (CMS). So hätte die Feuerwehr nicht genug Löschwagen- und Flugzeuge gehabt, "während die Regierung in den USA über den Kauf neuer F16-Kampfflugzeuge verhandelt".

"Alles war perfekt"

Dem widerspricht Zeljko Popovic, einer der Leiter der Kroatischen Feuerwehr. "Wir haben genug Feuerwehrleute in Kroatien, insgesamt mehr als 50.000. In der Region um Split hatten wir etwa 750 Menschen im Einsatz. Das ist genug", so Popovic. Und die Technik sei auch auf dem europäischen Niveau.

Kroatien Feuer Waldbrände (picture alliance/AA/A.Omeragic)

Weltuntergangsszenen in Montenegro

Seine so positive Einschätzung unterscheidet sich grundlegend von der allgemeinen Wahrnehmung. Während in den Medien sogar von einem "Ausfall des Systems" die Rede ist, zeigt sich Popovic zufrieden mit "funktionierenden" Löscharbeiten. "Alles war in Ordnung. Es gibt keine Menschenleben zu beklagen, die Schäden sind insgesamt eher gering. Im Vergleich mit anderen Ländern war alles perfekt." Ähnlich sieht das auch Premierminister Andrej Plankovic: "Das System hat sehr gut funktioniert."

Nach dem Feuer - politische Kämpfe

Widerspruch dazu kam auch von höchster Stelle: Präsidentin Kolinda Grabar-Kitarovic monierte, man hätte die Armee viel früher zu Hilfe rufen sollen. Zeitweise waren bis zu 200 Soldaten an der Bekämpfung des Feuers beteiligt. Bemerkenswert: Sowohl der Premier als auch die Präsidentin sind Mitglieder der gleichen konservativen Partei HDZ.

Laut Beobachtern versucht Grabar-Kitarovic jetzt, die Brand-Krise im Land zu nutzen, um die eigene Position zu stärken. Als vorläufiger Höhepunkt dieser innerparteilichen Machtkämpfe gilt der Wirrwarr um Verteidigungsminister Damir Krsticevic: Nach der Kritik der Präsidentin bot er seinen Rücktritt an, was aber sowohl sie selbst, als auch der Regierungschef prompt ablehnten. Begründung: Er habe seine Arbeit hervorragend gemacht. Zurzeit scheint der impulsive und sensible General beruhigt zu sein - sein Rücktritt ist vom Tisch.

Vom Volk entfremdet

Gleichzeitig versucht die kroatische politische Klasse ihr Image einer arroganten und vom Volk abgehobenen Elite zu korrigieren. Denn während um Split herum die Feuersbrunst tobte, weilten einige der ranghöchsten Politiker beim Tennisturnier in Wimbledon, um den diesjährigen kroatischen Finalisten Marin Cilic zu unterstützen.

Andrej Plenkovic (picture-alliance/PIXSELL)

Plenkovic: "Ein interessanter Brand"

Und Regierungschef Plenkovic brauchte zuerst einen ganzen Tag, um die 259 Kilometer Luftlinie von Zagreb nach Split zu bewältigen, um dann die Öffentlichkeit mit der Aussage zu schockieren, die Brände seien "interessant" und "attraktiv". Nun versuchen verschiedene Politiker bei Besuchen verbrannter Regionen möglichst gute Pressebilder zu liefern - von "Katastrophentourismus" ist die Rede.

Skurrile Suche nach den Schuldigen

Über die Brandursachen sprießen in der Öffentlichkeit verschiedenste Theorien. Meist werden Brandstifter genannt, wobei es sich da wahlweise um kranke Pyromanen, serbische Nationalisten oder Kriminelle handeln soll. Die Serben werden verdächtigt, dem kroatischen Tourismus schaden zu wollen. Verbrecher versuchten demnach, nach den Verwüstungen Naturschutzgebiete in Bauland zu verwandeln.

Zeljko Popovic von der Kroatischen Feuerwehr will sich an diesen Spekulationen nicht beteiligen. "Es war sehr heiß in den letzten Tagen, und der Wind war so stark, dass nicht mal die Löschflugzeuge fliegen konnten. Das alles hat die Löscharbeiten erheblich erschwert. Zurzeit kann man über die Ursachen noch nichts sagen".

Laut einem inoffiziellen Polizeibericht haben möglicherweise die Funken einer Hochspannungsleitung das Feuer entfacht.