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Politik

Verheerende Anschlagsserie in Bagdad

Bei Anschlägen in Bagdad sind am Mittwoch fast 200 Menschen gestorben. Nur wenige Stunden vor der Anschlagsserie hatte die Regierung verkündet, bis zum Ende des Jahres selbst die Sicherheit gewährleisten zu wollen.

Rettungseinsatz nach den Anschlägen auf den Sadriyah-Markt, AP

Rettungseinsatz nach den Anschlägen auf den Sadriyah-Markt

Die Polizei hat die Zahl der Opfer nach der schweren Anschlagsserie im Irak am Mittwoch (18.4.) deutlich nach oben korrigiert. Bei der folgenreichsten Attacke an diesem Tag seien 140 Menschen im Schiiten-Viertel Sadrija im Zentrum Bagdads ums Leben gekommen, teilte die Polizei nun mit. Damit kamen am Mittwoch insgesamt fast 200 Menschen durch Bombenattentate im Irak ums Leben. Zuvor war von 170 Todesopfern die Rede gewesen. Es war die schlimmste Anschlagsserie in diesem Jahr.

Die insgesamt fünf mit Autobomben verübten Attentate ereigneten sich innerhalb kürzester Zeit in überwiegend von Schiiten bewohnten Stadtvierteln. Nur Stunden zuvor kündigte Ministerpräsident Nuri al-Maliki an, seine Regierung werde bis Jahresende die vollständige Verantwortung für die Sicherheit des Landes übernehmen. Im Februar wurden tausende zusätzliche US-amerikanische und irakische Soldaten in Bagdad stationiert, um für mehr Sicherheit zu sorgen und ein Abgleiten des Landes in einen Bürgerkrieg zu verhindern.

Anschläge in Schiitenvierteln

Der folgenschwerste der fünf Anschläge ereignete sich im Schiiten-Viertel Sadrija im Zentrum Bagdads. Dabei wurden nach Polizeiangaben mindestens 140 Menschen getötet und 150 verletzt. Ein Fotograf der Nachrichtenagentur Reuters berichtete, der Schauplatz des Anschlags - eine Kreuzung nahe eines belebten Marktes - sei mit Leichen übersät. Unter den Opfern waren auch viele Kinder. "Ich sah Dutzende von Toten", sagte der Fotograf. Einige Menschen seien bei lebendigem Leib in Minibussen verbrannt. Frauen weinten und riefen die Namen ihrer toten Angehörigen. Ein Mann schrie: "Wo ist Maliki? Holt ihn her und zeigt ihm, was hier passiert!"

Ausgebrannte Autos auf Bagdads Straßen, Löschfahrzeuge im Getümmel, AP

Entsetzen nach Autobombenanschlägen

Weitere Autobomben detonierten unter anderem im Stadtteil Sadr: An einem Kontrollpunkt sprengte sich ein Selbstmordattentäter in einem Auto in die Luft. Dabei kamen 35 Menschen ums Leben. Sadr-Stadt ist eine Hochburg des radikalen Schiiten-Predigers Moktada al-Sadr. Bei einem weiteren Anschlag wurden zehn Menschen getötet. Am 23. November 2006 waren bei der Explosion von sechs Autobomben in Sadr-Stadt insgesamt 202 Menschen getötet worden. Die von Sunniten dominierte Extremistenorganisation Al-Kaida wird für die meisten schweren Attentate auf Schiiten im Irak verantwortlich gemacht.

Racheakte befürchtet

Es wurde befürchtet, dass die Mehdi-Miliz Sadrs mit Racheakten auf die Anschläge reagieren könnte. Die Miliz besteht aus mehreren zehntausend Kämpfern. Sie hat sich während der jüngsten US-Offensive, die im Februar in der Hauptstadt begann, weitgehend zurückgehalten. Sadr zog jedoch am Montag seine Minister mit der Begründung aus der Regierung ab, Maliki müsse die USA zu einem Zeitplan für den Abzug ihrer 146.000 Soldaten im Irak drängen.

Britische Streitkräfte geben Kontrolle ab

Am Mittwoch übergaben britische Streitkräfte die Kontrolle der südlichen Provinz Maisan den irakischen Behörden. Damit sind diese jetzt für vier von 18 Provinzen zuständig. Bis zum Jahresende würden alle Provinzen übergeben sein, erklärte Regierungschef Maliki. Die irakischen Sicherheitskräfte würden aber nur dann in Regionen die Kontrolle von ausländischen Truppen übernehmen, wenn sie dazu auch in Lage seien.

Gates warnt Nahen Osten vor Scheitern der Irak-Politik

US-Verteidigungsminister Robert Gates mahnte derweil die Staaten im Nahen Osten, sie sollten sich stärker für eine Verbesserung der Sicherheitslage im Irak einsetzen. Ein Scheitern im Kampf gegen die dortigen Extremisten würde zuerst die arabischen Länder treffen, sagte Gates nach einem Treffen mit dem ägyptischen Präsidenten Husni Mubarak in Kairo. Aus Protest gegen den Krieg ein Scheitern der Irak-Politik zu begrüßen, sei "gefährlich kurzsichtig und selbstzerstörerisch", warnte Gates. Auch der Iran und Syrien müssten in eine Lösung des Irak-Konflikts einbezogen werden und sich darum bemühen, die Versöhnung im Irak voranzutreiben, forderte der Minister weiter. (vem)

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