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Nahost

Verheerende Anschlagserie erschüttert Bagdad

In der irakischen Hauptstadt sind bei einer Reihe von Autobombenexplosionen mehr als 120 Menschen getötet worden. Die Anschlagserie zählt zu den blutigsten der vergangenen drei Jahre.

Zerstörte Autos (Foto: AP)

Ein Bild der Zerstörung: Anschlagsort in Bagdad

Dicke schwarze Rauchwolken waren über der irakischen Hauptstadt zu sehen, als am Dienstag (08.12.2009) kurz hintereinander mehrere Autobomben detonierten. Bei den Anschlägen starben mindestens 127 Menschen, mehrere hundert wurden verletzt, wie das irakische Innenministerium mitteilte. Die insgesamt fünf Explosionen waren offenbar koordiniert und erfolgten im Abstand von wenigen Minuten in verschiedenen Vierteln Bagdads.

Zielgerichtete Attentate

Verzweifelte Frau (Foto: AP)

Die Verzweiflung ist dieser Frau ins Gesicht geschrieben

Die Anschläge seien gegen das Arbeitsministerium, das Gerichtsgebäude, die Universität, das Geschäftsviertel sowie einen Vorort im Süden der irakischen Hauptstadt gerichtet gewesen, hieß es in Polizeikreisen. Auch mehrere Kinder, die sich zum Zeitpunkt der Explosionen in einem Kinderkulturhaus nahe einer Explosionsstelle aufgehalten hatten, wurden von durch die Luft fliegenden Glassplittern getroffen und verletzt.

Zerstörtes Haus nach Bombenanschlag in Bagdad (Foto: AP)

Rettungskräfte bergen Überlebende aus einem zerstörten Haus

Die Explosionen verwüsteten einen Markt und brachten mindestens ein Haus in der Innenstadt zum Einsturz, mehrere Fahrzeuge gerieten in Brand. "Sekunden vor der Explosion waren wir in einen Laden gegangen. Die Decke stürzte ein und begrub uns. Wir wurden bewusstlos. Dann hörte ich überall Schreie und Sirenen", berichtete einer der Verletzten. Mit Kränen versuchten die herbeieilenden Rettungskräfte, die Trümmer beiseite zu schaffen, um Überlebende bergen zu können. Auch US-Soldaten beteiligten sich an der Rettungsaktion und halfen dabei für Sicherheit zu sorgen.

Nicht abreißende Serie

Es ist nun schon das dritte Mal in diesem Jahr, dass Terroristen in der Innenstadt von Bagdad ein verheerendes Blutbad angerichtet haben. Zuletzt waren Ende Oktober zwei Lastwagen explodiert, in denen sich Sprengsätze befanden. Bei dem Doppelanschlag kamen damals mindestens 155 Menschen ums Leben. Einen Monat zuvor, im vergangenen August, erschütterte eine fürchterliche Bombenserie im Regierungsviertel von Bagdad das Land. Dem Angriff fielen über 100 Menschen zum Opfer.

Eingestürztes Haus in Bagdad (Foto: AP)

Wieviele Menschen sich noch unter dem Schutt befinden ist unklar

Obwohl sich die Lage in der irakischen Hauptstadt in der letzten Zeit wieder relativ beruhigt hatte, zeigen die Anschläge jetzt, dass es Extremisten auch weiterhin möglich ist, zentrale staatliche Einrichtungen gezielt anzugreifen. Für die Anschläge im Oktober wurden Anhänger des gestürzten und hingerichteten früheren Präsidenten Saddam Hussein verantwortlich gemacht. Drei Verdächtige bekannten sich sogar vor laufenden Kameras zu den Attentaten und legten ein Geständnis ab.

Parlamentswahlen im März 2010

Ungeachtet der jüngsten Bombenanschläge traf sich Vizepräsident Tarik al-Haschimi mit Vertretern der unabhängigen Wahlkommission, um Vorbereitungen für die Parlamentswahlen zu treffen. Sie sollen Anfang März stattfinden. Die Abstimmung gilt als Meilenstein für das Land, das im Juni 2003 von US-geführten Truppen besetzt wurde. Die US-Soldaten sollen bis Ende 2011 abziehen.


Autoren: Michaela Paul / Hajo Felten (dpa/rtrd/ap/afp)

Redaktion: Katrin Ogunsade

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