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Lateinamerika

Verhaftungswelle in Venezuelas Militär

Die Streitkräfte gelten als Schlüsselfaktor im blutigen Konflikt zwischen dem sozialistischen Präsidenten Maduro und der Opposition. Bislang stärkten sie ihm den Rücken. Doch die Loyalität bröckelt.

Venezuela Militärparade Unabhängigkeitstag Nicolas Maduro (Reuters/C.G. Rawlins)

Staatschef Maduro inmitten hochrangiger Militärs - noch unterstützen sie seinen Kurs, zumindest nach außen hin (Archivbild)

85 Offiziere in Venezuela sind nach Angaben von Oppositionsführer Henrique Capriles wegen Kritik am Vorgehen der Regierung gegen das Volk festgenommen worden. "In den Streitkräften gibt es Unzufriedenheit", sagte Capriles in der Hauptstadt Caracas. Das sei noch nicht die Mehrheit. Man müsse erreichen, dass sich auch die Spitze vom sozialistischen Präsidenten Nicolás Maduro abwende.

Vor allem junge Offiziere in Polizeigewahrsam

Der 44-jährige Gouverneur des Bundesstaates Miranda, der als einer der Anführer der Straßenproteste gilt, betonte, er habe die Information direkt aus dem Militär erhalten, mit der Bitte, sie öffentlich zu machen. "Ich bin informiert worden, dass es noch mehr Festnahmen gibt, die meisten im Heer, vor allem junge Offiziere sind festgenommen worden", erklärte Capriles, der 2013 bei der Präsidentschaftswahl nur knapp gegen Maduro verloren hatte.

Unruhen in Venezuela (Reuters/M. Bello)

Gepanzerte Fahrzeuge und Tränengas gegen Demonstranten in Caracas

Weiteres Todeopfer bei Protesten

Bei den blutigen Ausschreitungen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in dem südamerikanischen Land sind seit Anfang April insgesamt 38 Menschen getötet worden. Am Freitag erlag ein 22-Jähriger seinen schweren Kopfverletzungen, nachdem er in der nordwestlich gelegenen Stadt Valencia von einem Projektil getroffen worden war. Mehr als 800 Menschen wurden bislang bei den Unruhen verletzt.

Die Opposition macht die sozialistische Führung unter Maduro für die schwere politische und ökonomische Krise in dem Land mit den größten bekannten Ölreserven verantwortlich. Nach der vorübergehenden Entmachtung des von Regierungsgegnern dominierten Parlaments gibt es beinahe täglich Demonstrationen und Kundgebungen, die zumeist gewaltsam von der Armee und Sondereinheiten der Polizei niedergeschlagen werden. Die Opposition kämpft für Neuwahlen und wirft Maduro vor, Venezuela in eine Diktatur zu verwandeln. Für diesen Samstag hat sie zu einem landesweiten Marsch der Frauen aufgerufen.

Korruption und Verwicklung in Drogengeschäfte

In dem Konflikt gelten die Streitkräfte als Schlüsselfaktor. Maduro hat gezielt versucht, seine Macht dort auszubauen. Zum einen durch finanzielle Zuwendungen, zum anderen sind von den 32 Ministern elf Militärangehörige, auch das schafft Loyalität. Das Militär verdient außerdem mit diversen staatlichen Unternehmen gutes Geld. Bisher ist unklar, wie sich die Streitkräfte verhalten würden, wenn die Lage weiter eskaliert.

Die venezolanische Politologin Francine Jácome sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Gerade in den mittleren Rängen herrscht schon seit Langem eine große Unzufriedenheit. Dazu tragen auch mutmaßliche Korruption bei ranghohen Militärs und deren mutmaßliche Verwicklung in den Drogenhandel bei."

se/qu (afp, ap, rtr, dpa)

 

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