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Kultur

Verhaftungen im chinesischen Babymilch-Skandal

Nach dem Tod von zwei Säuglingen durch verseuchtes Milchpulver sind in China 19 Verdächtige festgenommen worden. Gegen zwei Täter wurde Haftbefehl erlassen. Mehr als 1200 Babys sollen erkrankt sein.

Nach dem Konsum von Sanlu-Milchpulver an Nierensteinen erkranktes Baby (Quelle: AP)

Durch Milchpulver an Nierenstein erkranktes Baby

Bei den beiden verhafteten Männern handele es sich um zwei Brüder, die eine Milchsammelstation betrieben hätten, teilten amtliche Medien am Montag (15.09.2008) mit. Der Betrieb habe den Milchpulverhersteller Sanlu täglich mit drei Tonnen gepanschter Milch beliefert.

Einer der Täter gestand den Berichten zufolge, seit Ende vergangenen Jahres die verbotene Chemikalie Melamin in die Milch gemischt zu haben, um so deren Proteingehalt zu erhöhen. Zuvor habe er Verluste gemacht, weil Sanlu die Milch mehrmals wegen Qualitätsmängeln zurückgewiesen habe.

Rückruf-Forderungen wurden ignoriert

15 Monate alter erkrankter Säugling mit seinem Onkel, der eine Packung Milchpulver in die Kamera hält (Quelle: AP)

Der Onkel eines 15-monatigen Säuglings zeigt das Corpus delicti

Besonders tragisch ist die Tatsache, dass der führende chinesische Milchpulver-Produzent Sanlu offenbar schon seit Längerem von gesundheitsschädlichen Stoffen in seinen Produkten wusste, diese aber weder zurückgerufen noch die Öffentlichkeit informiert hat. Die Hintergründe hierfür sind unklar. Es gab jedoch Spekulationen, die Behörden hätten den Skandal wegen der Olympischen Spiele in Peking zunächst vertuschen wollen.

Der neuseeländische Milchkonzern Fonterra, der zu 43 Prozent an Sanlu beteiligt ist, will seine chinesischen Partner jedenfalls schon Anfang August zu einem Rückruf gedrängt haben. Laut Fonterra-Chef Andrew Ferrier wurde das Milchpulver daraufhin lediglich aus dem Vertrieb genommen. Eine umfassende Rückrufaktion wurde erst in der vergangenen Woche angeordnet. Davor wollen die chinesischen Behörden nichts von dem Skandal gewusst haben.

Säuglinge starben an Nierensteinen

Das chinesische Gesundheitsministerium gab die Zahl der bisher erkrankten Säuglinge am Montag mit 1253 an. Sie hätten zum Teil leichte Symptome einer Nierenerkrankung. Mehrere hundert Babys haben nach Medienberichten Nierensteine. Viele von ihnen befinden sich in kritischem Zustand. Zwei Kinder in der am stärksten betroffenen Provinz Gansu im Nordwesten des Landes sind nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Xinhua inzwischen an Nierensteinen gestorben.

Eltern mit betroffenen Kindern in der Provinz Gansu (Quelle: AP)

Eltern mit betroffenen Kindern in der Provinz Gansu

Melamin wird eigentlich zur Herstellung von Plastik und Klebstoffen verwendet. Wenn es der Milch beigefügt wird, verursacht diese Nierensteine, die bei Babys normalerweise höchst selten auftreten.

Suche nach Schuldigen geht weiter

Insgesamt wurden bisher 19 Menschen im Zusammenhang mit dem Skandal festgenommen. Sie arbeiten nach Medienberichten alle in Betrieben, die Milch von den Bauern abholen und an den Milchpulver-Hersteller liefern. Dass Bauern selbst gepanscht haben, sei "ziemlich unwahrscheinlich", sagte der Chef der Behörde für Qualitätssicherung.

Die chinesische Regierung lässt nun landesweit alle 175 Betriebe überprüfen, in denen Babymilch hergestellt wird, um möglicherweise weitere Verantwortliche für den Skandal ausfindig zu machen. Die Ergebnisse der Ermitlungen sollen innerhalb von zwei Tagen vorliegen. (gri)