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Aktuell Afrika

Verhüllt statt unverhüllt

Ägyptens Fernsehzuschauer müssen sich an einen neuen Anblick im Staats-TV gewöhnen: an Nachrichtensprecherinnen mit Kopftuch. Manche fürchten, es könnte der Auftakt zu einer durchgreifenden Islamisierung des Landes sein.

Premiere im ägyptischen Staatsfernsehen: In einem cremefarbenen Kopftuch und einem dunklen Gewand präsentierte Fatma Nabil am Sonntag eine Nachrichtensendung. Bislang war Nachrichtensprecherinnen im Staatsfernsehen das Tragen eines Kopftuchs untersagt - sie zeigten ihr Haar stets unverhüllt.

Nabils Auftritt werde viele andere Frauen ermutigen, die ihren Schleier tragen wollten, aber Angst hätten, deshalb ihren Job zu verlieren, sagte ein Sprecher des Senders. Neben Nabil sollen nun drei weitere Kopftuchträgerinnen in Nachrichtensendungen als Sprecherinnen auftreten. Alle vier hatten bislang hinter der Kamera gearbeitet und waren nach Eignungstests für ihre neue Aufgabe ausgewählt worden, wie die Fernsehleitung auf Nachfrage mitteilte.

Deutlicher Gegenentwurf

Unter den säkularen Regierungen Ägyptens galt die Kopftuch-Tradition als rückständig und die Staatsführung versuchte zumindest im Fernsehen, ein moderneres und westlicheres Bild Ägyptens zu zeichnen. Seit dem Amtsantritt von Präsident Mohammed Mursi aus den Reihen der islamistischen Muslimbruderschaft hat sich das Blatt allerdings gewendet. Die First Lady Naglaa Mahmud beispielsweise zeigt sich in der Öffentlichkeit bis auf das Gesicht verhüllt und stellt damit einen deutlichen Gegenentwurf zur stets elegant frisierten und westlich gekleideten Suzanne Mubarak dar, der Ehefrau des langjährigen, 2011 gestürzten Präsidenten Hosni Mubarak.

In Ägypten löste der erstmalige Auftritt der verhüllten Sprecherin gemischte Reaktionen aus. Viele Zuseher erblickten darin lediglich die Anpassung an eine seit längerem zu beobachtende gesellschaftliche Entwicklung. In deren Verlauf sind in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen dazu übergegangen, ein Kopftuch zu tragen. Andere glauben hingegen, dass die kopftuchtragenden Sprecherinnen die Vorbotinnen einer durchgreifenden Islamisierung des Landes sein könnten. Sie verweisen darauf, dass die Muslimbruderschaft langfristig ein Programm des Umbaus der Gesellschaft auf der Grundlage des islamischen Rechts (Scharia) verfolge. "Ich befürchte nur", meinte etwa die Fernseh-Journalistin Mona Salman, "dass sich das Blatt wendet und irgendwann unverhüllte Frauen im Fernsehen verboten sein werden".

wa/det (dpa, dapd)