Vergewaltigungsvorwürfe: Strafverfahren gegen Islamgelehrten Ramadan | Aktuell Welt | DW | 02.02.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Justiz

Vergewaltigungsvorwürfe: Strafverfahren gegen Islamgelehrten Ramadan

Tariq Ramadan zählt zu den bekanntesten Islamwissenschaftlern in Europa. Jetzt ermitteln die französischen Behörden gegen ihn. Zwei Frauen werfen dem Oxford-Professor vor, er habe sie vergewaltigt.

Ramadan (Artikelbild) ist Schweizer Staatsbürger. Er war vor zwei Tagen in Paris festgenommen und in Polizeigewahrsam genommen worden. Ermittler hatten bereits voriges Jahr eine Untersuchung gegen den Theologen eingeleitet. Zu den Vergewaltigungen, die ihm vorgeworfen werden, soll es in den Jahren 2009 beziehungsweise 2012 gekommen sein.

In Oxford beurlaubt

Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war Ramadan im November von seiner Professur an der britischen Universität Oxford beurlaubt worden. Neben den Vergewaltigungsvorwürfen aus Frankreich gaben mehrere schweizerische Frauen an, in den 80er und 90er Jahren von Ramadan sexuell bedrängt worden zu sein. Manche von ihnen waren damals noch minderjährig.

Der mediengewandte und streitbare Autor und Wissenschaftler zählt zu den bekanntesten Professoren in Oxford, wo er den Lehrstuhl für Zeitgenössische Islamstudien innehat. Ramadan ist auch publizistisch tätig, regelmäßig tritt er im Fernsehen auf.

Ramadan spricht von Verleumdung

Die Vorwürfe gegen ihn bestreitet er rundweg. In den Beschuldigungen sieht er ein Komplott seiner Gegner. Er hat im Gegenzug Anzeige wegen falscher Anschuldigung gestellt und von einer "Verleumdungskampagne" gesprochen, die von seinen "langjährigen Gegnern" orchestriert werde.

Ramadan ist in der Schweiz geboren, seine Vorfahren stammen aus Ägypten. Sein Großvater war Hassan al-Banna, der Gründer der konservativen Muslimbruderschaft. Kritiker werfen Ramadan vor, für eine besonders konservative und politische Auslegung des Islam einzutreten. Er selbst weist aber jede Nähe zu extremistischen Strömungen im Islam zurück. Die USA hatten ihm zwischen 2004 und 2010 aus politischen Gründen ein Einreiseverbot erteilt.

haz/jj (dpa, afp, ap)