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Aktuell Asien

Vergeltungsanschlag für Mohammed-Film

Aus Rache für den islamfeindlichen Film haben Extremisten in Afghanistan einen Selbstmordanschlag verübt und dabei zwölf Menschen getötet. Die Bundesregierung prüft derweil ein Verbot des Schmähvideos.

Afghanische Sicherheitskräfte am Ort des Anschlags auf der Kabuler Flughafenstrasse. (Foto Reuters)

Afghanistan Kabul Selbstmordattentat 18.09.2012

Unter den Opfern befinden sich nach Behördenangaben mindestens neun Ausländer und drei Afghanen. Der Täter steuerte seinen mit Sprengstoff beladenen Wagen in einen Minibus, der ausländische Arbeiter zum Flughafen in Kabul bringen sollte, wie die Polizei erklärte. Zwei Angehörige der Sicherheitskräfte seien verletzt worden. Über die Nationalität der getöteten Ausländer ist zunächst nichts bekannt.

Die radikal-islamische Hesb-i-Islami (HIG) des früheren Premierministers Gulbuddin Hekmatjar übernahm die Verantwortung für den Anschlag. HIG-Sprecher Subair Seddiki sagte, es habe sich um einen Vergeltungsanschlag für das islamfeindliche Mohammed-Video gehandelt. Die Attentäterin sei eine 20 Jahre alte Frau namens Fatima aus Kabul gewesen. Die HIG kämpft wie die Taliban und das Hakkani-Netzwerk gegen die ausländischen Truppen in Afghanistan. Hekmatjars Gruppe hat nach eigenen Angaben auch zahlreiche Anschläge auf die Bundeswehr in Nordafghanistan verübt.

Bundesregierung prüft Aufführungsverbot

Unterdessen will die Bundesregierung aus Angst vor einem Übergreifen der muslimischen Proteste auf Deutschland eine öffentliche Vorführung des islamfeindlichen Mohammed-Films verhindern. Dazu prüfen die Behörden nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Möglichkeit eines Aufführungsverbots. "Ich kann mir vorstellen, dass es gute Gründe für ein Verbot gibt", sagte Merkel. Ähnlich äußerten sich Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) und SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier.

Für Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) ist die Debatte ein guter Grund, gemeinsame internationale Standards für das Internet zu setzen, "wie mit solchen Extremen umzugehen ist". Rein nationale Entscheidungen könnten nur begrenzte Wirkungen haben, sagte die Ministerin der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Zuvor hatte die rechtspopulistische Partei "Pro Deutschland" angekündigt, den Anti-Islam-Film, der in zahlreichen muslimischen Ländern antiwestliche Massenproteste entfacht hat, im November in Berlin zeigen zu wollen.

Uneinigkeit bei den Muslim-Verbänden

Muslim-Verbände in der Bundesrepublik sind sich allerdings in der Frage uneins: Während sich der Koordinationsrat der Muslime in Deutschland und der Zentralrat der Muslime für ein Aufführungsverbot des Films aussprechen, lehnt der Liberal-Islamische Bund eine solche Maßnahme ab. Von freier Meinungsäußerung könne keine Rede mehr sein, sagte der Sprecher des Koordinationsrats der Muslime in Deutschland, Ali Kizilkaya, der Berliner Tageszeitung "taz". Das Video sei eine "tiefgreifende Beleidigung".

Die Vorsitzende des Liberal-Islamischen Bundes, Lamya Kaddor, sagte dagegen: "Je mehr man über ein Verbot redet und die Tabuisierung solcher Inhalte vorantreibt, desto mehr Schaden richtet man an". Diskussionen über Verbote und Sonderregelungen für Muslime würden Islamfeindlichkeit in Deutschland schüren.

GD/wel (afp, dpa, dapd, rtr)

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