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Kultur

Vergangenheitsbewältigung im deutschen Kino

Das deutsche Kino hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg gescheut zurückzublicken. Die Regisseure flüchteten lieber in heimatliche Idyllen. Nur selten beschäftigten sie sich mit dem Trauma der Schuld.

Cover der DVD des Films Der Verlorene von und mit Peter Lorre

DVD mit vielen Extras: Der Verlorene

Der einzige Spielfilm des Schauspielers Peter Lorre "Der Verlorene" aus dem Jahre 1951 ist ein singuläres Beispiel für einen sowohl künstlerisch als auch thematisch herausragenden Film zum Thema Schuld. Lorre ist dabei auch sein eigener Hauptdarsteller. Der Film beginnt nach dem Krieg: Lorre spielt Dr. Rothe, einen Arzt in einem Flüchtlingslager. Als er den früheren Kollegen Hoesch wieder trifft, bricht die Vergangenheit über ihn herein.

Sog des Verbrechens

Während die Nazis an der Macht waren, arbeitete Rothe als Biologe in einem Forschungslabor. Seine wissenschaftlichen Erkenntnisse werden von den braunen Machthabern verwertet. Auch Rothes Privatleben gerät in einen Sog aus Verdächtigungen und Verbrechen. Am Ende steht der Mord an seiner Frau. An dieser Erinnerung zerbricht Rothe schließlich: Die eigene Schuld treibt ihn in den Selbstmord.

Psychogramm eines Leidenden

Peter Lorre

Der 'Bösewicht': Peter Lorre

Lorre beschäftigt sich in seinem düsteren Meisterstück in den Rückblenden zwar mit den Nationalsozialisten und greift das Thema auch in der Nachkriegszeit auf, doch ist der Film vor allem das Psychogramm eines an seiner Schuld zu Grunde gehenden Wissenschaftlers. Lorre spielt diesen "Verlorenen" in der Tradition seiner früheren Rollen (etwa "M - eine Stadt sucht einen Mörder" von Fritz Lang). Kein Mitläufer des NS-Regimes, aber einer, der auch Schuld auf sich geladen hat. Der Film ist eine Hommage an den 'film noir' Hollywoods, packend und in kaum zu überbietender Düsternis inszeniert. Eine dunkel-funkelnde Perle im sonst so verlogen hell scheinenden Umfeld des Heimatfilms der 1950er.

Berlin Alexanderplaz von Phil Jutzi (1931)

DVD-Cover des Films Berlin Alexanderplatz mit Heinrich George auf dem Titel

Große Rolle für Heinrich George

Auch Heinrich George als Franz Biberkopf in der ersten Verfilmung des berühmten Romans von Alexander Döblin ist ein "Verlorener". Auch er scheitert letztendlich an seiner Vergangenheit, die er - so beginnt der Film - im Knast verbracht hat. Die Vergangenheit lässt ihn nicht los, vermeintliche Freunde ziehen ihn in den Abgrund: einmal Verbrecher, immer Verbrecher - so könnte man das Motto des Films deuten. Dabei ist Franz Biberkopf im Grunde ein anständiger Kerl, nur eben einer, der zu gutgläubig und naiv ist. Im hektischen Großstadt-Berlin der 1920er Jahre wird er damit zum Verlierer.

Verlorene im deutschen Kino

Peter Lorres "Der Verlorene" war nach dem Zweiten Weltkrieg eines der seltenen Beispiele für künstlerische Kraft im bundesrepublikanischen Kino nach 13 Jahren Schreckensherrschaft. So wie Phil Jutzis "Berlin Alexanderplatz" einer der letzten Filme der Weimarer Republik war, bevor der große Aderlass Richtung Hollywood einsetzte. Beide Filme sind jetzt auf DVD beim Anbieter Kinowelt/Arthaus wieder zu entdecken.

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