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Kultur

Verfreundete Nachbarn: Deutschland und Österreich

Eine Nachbarschaft zwischen Gemeinsamkeit und Differenz, Verwandtschaft und Abgrenzung. Das Haus der Geschichte in Bonn zeigt noch bis 23. Oktober eine Ausstellung zum deutsch-österreichischen Verhältnis.

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Der Deutsche ist tüchtig, strebsam, selbstgerecht und schulmeisterlich; der Österreicher hingegen selbstironisch, witzig, lässig und genusssüchtig. Das wusste schon der österreichische Schriftsteller Hugo von Hofmannsthal im Jahre 1917 zu berichten. Mit dem ambivalenten Verhältnis zwischen Deutschland und Österreich beschäftigt sich die Wanderausstellung "Verfreundete Nachbarn: Deutschland – Österreich", die noch bis 23. Oktober 2005 im Haus der Geschichte in Bonn zu besichtigen ist. Im kommenden Jahr wird die Ausstellung nach Leipzig und Wien weiterziehen.

Zwischen gemeinsamer Tradition und Konkurrenz

Die Ausstellung verbindet eine chronologische Behandlung der deutsch-österreichischen Beziehungen seit Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 mit inhaltlichen Schwerpunktsetzungen. Im Mittelpunkt steht dabei immer die Frage nach der deutschen und österreichischen Identität im Wandel der Zeit. Zahlreiche originale Schriftdokumente, Plakate, Audio- und Videosequenzen ergeben einen interessanten Einblick in die deutsch-österreichische Vergangenheit.

Jahrhundertelang stellte das österreichische Herrschergeschlecht der Habsburger die Kaiser des Heiligen Römischen Reiches deutscher Nation. Nach dem Zerfall des Vielvölkerstaats wurde das Deutsche Reich im Jahr 1871 unter Ausschluss Österreichs gebildet, die "kleindeutsche" Lösung hatte sich durchgesetzt. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges kam es erneut zu Anschlussverhandlungen, die großen Rückhalt sowohl in der Bevölkerung, als auch in Politik, Kirche und Kultur hatten. Der Anschluss wurde jedoch von den Siegermächten verboten.

Trauma Nationalsozialismus

Seit 1933 standen sich der deutsche Nationalsozialismus und der österreichische Austrofaschismus gegenüber. Die österreichischen Versuche, einen Anschluss an das nationalsozialistische Deutschland zu verhindern, blieben erfolglos, im März 1938 marschierte die deutsche Wehrmacht ein. Große Teile der österreichischen Bevölkerung jubelten den Nationalsozialisten zu, während gleichzeitig landesweit Festnahmen durchgeführt wurden. Über 100.000 Österreicher flohen ins Exil.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges betonten die Österreicher ihre Rolle als Opfer der deutschen Diktatur und sahen in der Abgrenzung von Deutschland die Grundlage ihres neuen Selbstverständnisses. Bis heute zeigt das österreichische Bundeswappen einen Adler mit gesprengten Ketten an den Füßen, als Symbol der Befreiung von der nationalsozialistischen Diktatur. Während die Bundesrepublik 1955 der NATO beitrat, verpflichtete Österreich sich im Staatsvertrag von 1955 zur Neutralität im Ost-West-Konflikt.

Ausstellung: Verfreundete Nachbarn: Deutschland - Österreich im Haus der Geschichte, Bild 3

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Zunehmende wirtschaftliche Verflechtungen, der anwachsende deutsche Massentourismus nach Österreich und die gute Zusammenarbeit der Kanzler Willy Brandt und Bruno Kreisky verbesserten das nachbarschaftliche Verhältnis in den 1960er- und 1970er-Jahren.

Keine Normalisierung in Sicht

Doch immer wieder überschattete die nationalsozialistische Vergangenheit die Beziehungen. So die Diskussion um Regelungen zum "deutschen Eigentum" in Österreich. Bundeskanzler Adenauer forderte Entschädigungen, da Deutschland ansonsten indirekt Reparationen an Österreich leisten würde. Auch das österreichische Selbstverständnis als Opfer der nationalsozialistischen Herrschaft führte zu Kontroversen und dem Vorwurf, Österreich leugne seine eigene Verantwortung.

Mit dem Ende des Ost-West-Konflikts Anfang der 1990er-Jahre und dem österreichischen Beitritt zur Europäischen Union (EU) im Jahr 1995 wurde ein neues Kapitel in den deutsch-österreichischen Beziehungen aufgeschlagen. Doch das Verhältnis ist immer noch weit von der Normalisierung entfernt. Die Regierungsbeteiligung Jörg Haiders führte im Jahr 2000 zu EU-Sanktionen gegen Österreich und schuf neue Konflikte. Ein prominenter Streitfall war auch die Aufnahme Wolfgang Mozarts in die Liste der "größten Deutschen" in der ZDF-Sendung "Unsere Besten" im Jahr 2003. Trotz zahlreicher historischer, wirtschaftlicher, sozialer und kultureller Berührungspunkte bleibt das Verhältnis zwischen dem besserwisserischen "Piefke" und dem unzuverlässigen, aber lebensfrohen Österreicher also nicht spannungsfrei.

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