1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Politik

Verfeindete Nachbarn am Persischen Golf

Die Beziehungen zwischen dem Irak und seinem Nachbarn Iran sind angespannt. Der irakische Verteidigungsminister Hazem al-Shalaan bezeichnet den Iran sogar als "Feind Nummer Eins". Eine Zusammenfassung.

default

Noch immer sind einige Grenzübergänge geschlossen

Die derzeit besorgniserregende Lage zwischen den beiden Ländern ist nicht nur mit historischem Unbehagen zu erklären. Jetzt wird die alte Last durch neue Umstände wieder schwerer. Der Irak und der Iran wollen sich gegenseitig ins Handwerk pfuschen, sich in die internen Angelegenheiten des Nachbarn einmischen - so lautet zumindest der Vorwurf von beiden Seiten. Der Iran zettele Schiiten-Aufstände im Irak an, heißt es aus dem Irak. Der Iran hingegen behauptet, der Irak sei ein Handlanger US-amerikanischer Außenpolitik und wolle den Nachbar als Teil einer "Achse des Bösen" isolieren.

Kein Besuch

Als der irakische Übergangs-Premier, Ijad Allawi, kürzlich eine "Good-Will"-Tour durch den Nahen Osten unternahm, fehlte demonstrativ der größte und wichtigste Nachbar auf seinem Fahrplan: Der Iran. Allawi ließ zwar erklären, ein Besuch in Teheran sei durchaus geplant, und auch in der iranischen Hauptstadt versichert Hamid Resa Asefi, der Sprecher des Außenministeriums, man habe den Besuch nicht abgesagt. Die Voraussetzungen hierfür werden jedoch von Tag zu Tag ungünstiger, denn die iranisch-irakischen Beziehungen verschlechtern sich rasant.

Abrechnung

Hazem Shaalan

Iraks Verteidigungsminister Hazem al-Shaalan

Ganz besonders deutlich formulierte das kürzlich der irakische Verteidigungsminister Shaalan, als er in einem Interview sagte, der Iran sei und bleibe der "Feind Nummer Eins" des Irak. Shaalan tat sich wenig später damit hervor, vom Iran die Herausgabe von über 100 Kampffugzeugen zu fordern, die der Irak während des Kuwaitkrieges vor dreizehn Jahren im Nachbarland in Sicherheit gebracht haben soll. In Teheran weiß man nur von 23 Flugzeugen. Auch dort will man alte Rechnungen begleichen: Teheran fordert eine Entschädigung für die Opfer der irakischen Giftgas-Angriffe während des langen ersten Golfkrieges. Und Teheran ist verärgert darüber, dass der Iran bisher nicht als Nebenkläger in Sachen Giftgas zum geplanten Saddam-Prozess zugelassen wurde.

In Bagdad legt man indes nach: So setzte eine breite Kampagne ein, in der die irakische Übergangsregierung dem Iran massive Einmischung in die internen Angelegenheiten vorwirft. Der Irak behauptet, Teheran beeinflusse die irakische Öffentlichkeit über spezielle Radio- und Fernsehprogramme, es unterstütze radikale Elemente unter den Schiiten - darunter selbst den aufsässigen Moqtada al-Sadr - und der Iran arbeite eng mit Achmed Chalabi zusammen - einst Liebling der CIA, heute im Irak steckbrieflich wegen Betruges gesucht.

Reisewarnungen

"Passend" zu diesen Vorwürfen wurden dann drei angebliche iranische Spione festgenommen und es entstand ein handfester diplomatischer Streit. In Teheran ist man inzwischen bemüht, die Gefahr für Iraner im Irak zu reduzieren, indem man eine Reisewarnung erließ: Abertausende von Pilgern, die seit dem offiziellen Ende der Kampftätigkeit im Irak wieder begonnen hatten, die schiitischen Heiligen Stätten in Kerbala und Najaf zu besuchen, sollen vorerst besser zu Hause bleiben. Eine Warnung, die nicht von ungefähr kam, wie man an der Entführung des neu ernannten iranischen Konsuls für Kerbala, Fereidoun Jahani, ablesen kann.

Bereits vor Monaten war ein anderer iranischer Diplomat in Bagdad von Unbekannten erschossen worden. Teheran bleibt aber in Bagdad vertreten - wie auch während des langen gegenseitigen Krieges.

Die Redaktion empfiehlt