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Welt

Verfahren gegen Strauss-Kahn eingestellt

Das Verfahren gegen den ehemaligen IWF-Chef ist eingestellt worden. Der Richter folgte dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Diese hatte beanstandet, dass das Zimmermädchen durch Lügen ihre Glaubwürdigkeit verloren habe.

Dominique Strauss-Kahn (Foto: picture-alliance/abaca)

Klage gegen Strauss-Kahn fallengelassen

Dominique Strauss-Kahn kann aufatmen: Ein New Yorker Strafgericht hat das Verfahren gegen den ehemaligen Chef des Internationalen Währungsfonds wegen versuchter Vergewaltigung am Dienstag (23.08.2011) beendet. Der Richter gab bei der letzten Anhörung einem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft statt. Anschließend lehnte auch ein Berufungsgericht den Antrag des angeblichen Opfers ab, die Klage unter einem anderen Staatsanwalt noch einmal aufzurollen. Strauss-Kahn war Mitte Mai festgenommen worden, nachdem ein Zimmermädchen ihn beschuldigte hatte, sie in einem New Yorker Hotel unter anderem zum Oralsex gezwungen zu haben.

Strauss-Kahn dankte seinen Anhängern nach dem Gerichtstermin in New York für deren Unterstützung. Die vergangenen Monate seien für ihn und seine Familie "ein Albtraum" gewesen, sagte er. Nun freue er sich darauf, nach Hause zurückzukehren.

Zimmermädchen hat Glaubwürdigkeit verloren

Dominique Strauss-Kahn und seine Ehefrau Anne Sinclair (Foto: dapd)

Erleichterung bei Dominique Strauss-Kahn und seiner Ehefrau Anne Sinclair

US-Staatsanwalt Cyrus Vance hatte am Montag beantragt, alle Anklagepunkte gegen Strauss-Kahn fallenzulassen. Er begründete diese Entscheidung mit den mehrfachen Widersprüchen und Lügen der 33-jährigen Hauptzeugin, dem Zimmermädchen. Sie habe damit ihre Glaubwürdigkeit verloren. Der 62-jährige Franzose hatte die Vorwürfe stets bestritten und sich in allen Anklagepunkten für "nicht schuldig" erklärt.

Die Staatsanwaltschaft gebe die Empfehlung "nicht leichtfertig ab", aber es gebe keine andere Wahl, hieß es in einer Erklärung. Vance hatte angegeben, das Zimmermädchen habe "in fast allen Gesprächen" mit der Staatsanwaltschaft die Unwahrheit gesagt. Diese Lügen hätten bei einem Prozess "verheerende Wirkung" gehabt. Auf die Frage, was unmittelbar nach dem Zusammentreffen mit Strauss-Kahn passiert sei, habe sie mehrere Versionen geliefert. Das Zimmermädchen habe mit ihrer ersten Schilderung des angeblichen Tat-Hergangs zunächst keinen Verdacht erregt, verteidigte sich die Staatsanwaltschaft.

Staatsanwaltschaft: zu viele Lügen

Das Zimmermädchen soll mitunter bei ihrem Asylantrag gelogen haben; sie stammt aus Guinea. Zudem soll sie am Tag nach der angeblichen Vergewaltigung mit einem inhaftierten Freund über das Vermögen des damaligen IWF-Chefs gesprochen haben. Am schwersten wog offensichtlich eine erfundene Geschichte einer früheren Vergewaltigung in ihrem Heimatland.

Die Anklage bestätigte dennoch, dass es in dem New Yorker Hotel zwischen Strauss-Kahn und dem Zimmermädchen einen "kurzen sexuellen Kontakt" gegeben habe. Es gebe auch einige Indizien, die dafür sprächen, dass dieser Kontakt "nicht-einvernehmlich" gewesen sein könnte. Doch eindeutige Beweise dafür gebe es nicht.

Anwalt der Hauptzeugin: Gerechtigkeit ist verhindert worden

Die Anwälte des Zimmermädchens hatten gegen den Antrag des Staatsanwalts protestiert. Anwalt Kenneth Thompson sagte, Vance habe einer Frau das Recht verweigert, in einem Vergewaltigungsfall Gerechtigkeit zu erlangen. Strauss-Kahns Anwälte erklärten, ihr Mandant sei "dankbar", dass die Staatsanwaltschaft zu dem Schluss gekommen sei, den Fall nicht weiter verfolgen zu können.

Auch wenn es nun zu keinem Strafverfahren kommt, steht noch ein Zivilprozess an. Denn das Zimmermädchen verlangt Schadenersatz. Dann könnte Strauss-Kahn auch in Abwesenheit zu einer Geldstrafe verurteilt werden. Im Unterschied zum Strafprozess muss der Zweifel an der Schuld des Angeklagten für eine Verurteilung nicht vollständig ausgeräumt sein.

In Frankreich wartet eine weitere Anklage wegen angeblicher sexueller Gewalt auf Strauss-Kahn. Eine junge Autorin wirft ihm vor, 2003 in einer Pariser Wohnung über sie hergefallen zu sein. Nach Ansicht von Experten könnte das Verfahren wegen fehlender Beweise allerdings ebenfalls eingestellt werden.

Französische Sozialisten erfreut

Die sozialistische Präsidentschaftsbewerberin Martine Aubry (Foto: dpa)

Freude und Erleichterung bei den französischen Sozialisten

Die französischen Sozialisten hatten sich über die Entscheidung von Gericht und Staatsanwaltschaft erleichtert gezeigt. "Das ist eine glückliche Entwicklung, die alle seine Freunde erwarteten", sagte Harlem Désir, der Chef der sozialistischen Partei. Auch die sozialistische Präsidentschaftsbewerberin Martine Aubry und ihr Mitbewerber François Hollande nahmen die Neuigkeit erfreut auf. Und auch die konservative Regierungspartei UMP von Präsident Nicolas Sarkozy begrüßte die Entscheidung.

Offen ist, ob Strauss-Kahn in seiner Heimat Frankreich noch eine politische Zukunft hat. Bis zu seiner Festnahme galt er als aussichtsreicher sozialistischer Kandidat für die Präsidentschaftswahl. Nach den Vergewaltigungsvorwürfen bewarb er sich aber nicht mehr für das Amt.

Autorin: Naima El Moussaoui (afp, dpa, dapd)

Redaktion: Ursula Kissel