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Wirtschaft

Verfahren gegen früheren EADS-Chef eingeleitet

Die französische Justiz hat gegen den früheren Airbus- und EADS-Manager Noël Forgeard ein Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandels eingeleitet. Auch Airbus-Chef Thomas Enders soll offenbar vernommen werden.

Noël Forgeard vor seinem Absturz, Quelle: AP

Noël Forgeard vor seinem Absturz

In der Affäre um möglichen Insiderhandel beim europäischen Luftfahrtkonzern EADS ist in der Nacht zum Freitag (30.05.2008) ein förmliches Ermittlungsverfahren gegen dessen früheren Chef Noël Forgeard eröffnet worden. Nach 35 Stunden im Polizeigewahrsam sei der langjährige Airbus-Chef unter Auflagen wieder auf freien Fuß gesetzt worden, berichtete der Radiosender France Info unter Berufung auf Forgeards Anwalt. Bedingung sei auch die Zahlung einer Kaution, die Justizkreisen zufolge bei einer Million Euro liegt.

17 Manager unter Verdacht

"Gegen Herrn Forgeard wurde von den beiden Untersuchungsrichterinnen nach einer sehr langen Anhörung ein Ermittlungsverfahren wegen Insiderhandels eingeleitet", sagte der Anwalt des einstigen Top-Managers, Jean-Alain Michel. Einzelheiten über die Justizaufsicht, der sein Mandant sich unterwerfen muss, nannte er nicht. Insiderhandel kann mit bis zu zwei Jahren Gefängnis und einer Geldstrafe geahndet werden, die die zehnfache Höhe des erzielten Gewinns erreichen kann. Der frühere Top-Manager hat bislang öffentlich stets jeden Verdacht eines Insiderdeliktes von sich gewiesen.

Airbus-Chef Thomas Enders, Quelle: AP

Airbus-Chef Thomas Enders

Die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, die Ermittler wollten in Kürze auch Forgeards damaligen Co-Chef, den heutigen Airbus-Chef Thomas Enders vernehmen. Forgeard wird verdächtigt, interne Informationen aus dem Konzern zu seinem privaten Vorteil genutzt zu haben. Neben Forgeard und Enders sollen 15 weitere aktuelle und frühere Topmanager des Airbus-Mutterkonzerns sowie die EADS-Großaktionäre Daimler und Lagardére im Wissen um Schwierigkeiten beim Superjumbo A380 Ende 2005 und Anfang 2006 Aktien verkauft oder ihre Anteile reduziert haben. Gegen sie hat die Börsenaufsicht AMF bereits ein Sanktionsverfahren eingeleitet.

Entlassung mit Millionenabfindung

Der Problem-Flieger A380, Quelle: AP

Der Problem-Flieger A380

Forgeard hatte EADS-Aktien mit Millionengewinn verkauft, bevor im Juni 2006 die Probleme bei der Fertigung der Airbus A380 bekannt gegeben wurden und der Aktienkurs einbrach. Dabei erzielte er im November 2005 sowie im März 2006 einen Gewinn von 2,5 Millionen Euro. Auch Enders verkaufte damals Aktien. Kurz darauf wurden negative Nachrichten aus der EADS-Tochter Airbus bekannt: Die Lieferverzögerungen beim A380 und hohe Kosten für eine Neukonzeption des Langstreckenfliegers A350 hatten den Konzern im Jahr 2006 in eine tiefe Krise gestürzt. In der Folge wurde ein Spar- und Umstrukturierungsplan unter dem Namen "Power8" entworfen, der auch zahlreiche Stellenkürzungen vorsieht. Forgeard musste Ende 2006 seinen Hut nehmen; eine Millionenabfindung für den Manager löste aber gerade angesichts der Sparmaßnahmen großen Unmut bei der Belegschaft aus.

Der Konzern lehnte eine Stellungnahme zu dem Thema ab. "Es gibt eine absolute Regel: die Unschuldsvermutung", sagte Konzernchef Louis Gallois dem Magazin "Point". Die Betroffenen hätten sein "volles Vertrauen". Gallois bezeichnete es als eine seiner Aufgaben, "dafür zu sorgen, dass die betroffenen Führungskräfte ihre ganze Autorität" behielten. (stu)

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