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Kultur

Verehrt und instrumentalisiert: Rumäniens zwiespältige Beziehung zu Herta Müller

Weltweit herrscht Jubel über die Vergabe des Nobelpreises an Herta Müller - und in Rumänien? Ein Gespräch mit der Literaturexpertin Rodica Binder aus dem Rumänischen Programm der Deutschen Welle.

Nitzkydorf, der Heimatort von Herta Müller (Foto:AP)

Nitzkydorf, der Heimatort von Herta Müller

Deutsche Welle: Frau Binder, wie ist denn der Nobelpreis für Herta Müller in Rumänien aufgenommen worden?

Rodica Binder: Mit fast genau so großer Begeisterung wie hier in Deutschland. Allerdings war in den rumänischen Medien auch spürbar, den Preis für Herta Müller zu vereinnahmen. Man versucht, sie als Rumänin zu betrachten. Aber die Autorin lässt sich überhaupt nicht gerne vereinnahmen! Sie ist dafür zu individuell.

Sie ist eine einmalige literarische Stimme.

Herta Müller gehörte zur deutschsprachigen Minderheit in Rumänien. Genauer gesagt zu den Banater Schwaben. Deshalb mutete es etwas merkwürdig an, dass sie als rumänische Schriftstellerin vereinnahmt wird, wie Sie sagen. Aber mittlerweile liegen ihre Romane auch auf Rumänisch vor. Wie ist sie denn bisher in Rumänien rezipiert worden?

Ein paar von ihren Romanen sind in rumänischer Sprache erschienen, übersetzt von Nora Ioga, einer ganz großen Schriftstellerin und Dichterin. Und Herta Müller hat immer gesagt, das die rumänische Sprache sie sehr beeinflusst hat in ihrer dichterischen Tätigkeit. Sie spricht Deutsch. Sie ist eine Deutschstämmige. Aber der Klang der rumänischen Sprache, die ein wenig frivol und sinnlich ist, beeinflusst ihre Art und Weise zu schreiben.

Und wie bekannt war sie in Rumänien?

Also sie war bekannt, besonders durch ihre Tätigkeit früher und natürlich die Übersetzung ihrer Romane. Nach der Wende konnte sie nach Rumänien zurückkehren, zu Lesungen und auch ein paar Interviews. Sie ist sehr medienscheu Aber sie wird verehrt.

Bis 1987 hat Herta Müller ja in Rumänien gelebt. Sie ist dort verfolgt worden vom Geheimdienst Securitate. Sie war in einer Aktionsgruppe namens 'Banat'. Was war das für eine Gruppe?

Das war eine Gruppe von jungen Schriftstellern aus dem Banat. Am Anfang waren sie vor allem künstlerisch-ästhetisch tätig. Natürlich war das eine innovative Bewegung und das hat die Securitate gestört. Die jungen Schriftsteller waren dem Geheimdienst suspekt.

Hat man sich jemals bei ihr entschuldigt nach der Wende?

Ich weiß das nicht genau. Aber selbst wenn: Was Herta Müller erlebt hat das bleibt.

Interview: Gabriela Schaaf

Redaktion: Cornelia Rabitz