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Wirtschaft

Verdacht auf Insiderhandel in den USA

Die amerikanische Justiz nimmt Hedge-Fonds ins Visier. Der Verdacht: Sie treten über Beratungsfirmen an ehemalige Mitarbeiter von Konzernen heran, um an vertrauliche Informationen zu gelangen.

Ein Polizist bewacht die New Yorker Wall Street (Foto: dpa)

Die Wall Street - das Zentrum der US-Finanz

Hausdurchsuchungen kannten die Angestellten von Diamondback Capital Management bislang nur aus Kriminalfilmen. So lässt sich die Äußerung eines Mitarbeiters des US-Hedgefonds deuten. Die Bundespolizei FBI sei am Montag (22.11.2010) in den Büros wie in einem Hollywood-Drama aufgetreten, fand der Angestellte, der nicht genannt werden will. Die Ermittler beschlagnahmten in den Geschäftsräumen in Connecticut Computer, auf deren Festplatten sie Hinweise zu verbotenen Insider-Geschäften vermuten.

Männer gehen auf Büro-Hochhaus zu (Foto: AP)

New Yorker Finanz-Händler auf dem Weg zur Arbeit

Diamondback war am Montag nicht der einzige US-Hedgefonds, der Besuch von der Polizei bekam. Auch für eine der bekanntesten Firmen der Branche, Level Global Investors, interessierte sich die Staatsanwaltschaft. Beide Unternehmen verwalten zusammen ein Vermögen von rund neun Milliarden Dollar. Nach Angaben aus Finanzkreisen wurden auch die Büroräume von Loch Capital Management in Boston durchsucht.

Justiz rechnet mit Anklagen

Bharara hält eine Rede vor Fahne und Behörden-Logo (Foto: AP)

Fordert neue Befugnisse: US-Staatsanwalt Preet Bharara

In den kommenden Monaten könnten die Hedgefonds noch stärker in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Die US-Behörden bereiteten in großem Umfang Klagen gegen Finanzinvestoren vor, berichtet das "Wall Street Journal". Noch in diesem Jahr wolle die Staatsanwaltschaft mehrere Fälle von Insider-Geschäften öffentlich machen, hieß es in Justiz-Kreisen. Eines der durchsuchten Unternehmen hat dabei offenbar Verbindungen zu einem Händler, der in einem früheren Fall bei der Galleon Group Insiderhandel gestanden hat.

Wie bei den damaligen Ermittlungen geht offenbar auch bei den jüngsten Untersuchungen die Initiative vom New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara aus. Der Jurist hatte den Insiderhandel bei einem Vortrag im Oktober als um sich greifendes Problem geschildert und neue Befugnisse für die Ermittler verlangt. Das Wachstum der Branche und die Beschleunigung ihrer Geschäfte mache es schwer, kriminelle Machenschaften aufzudecken, erklärte Bharara. Ein weiteres Problem sei die Flut von Newslettern, Blogs und Twitter-Nachrichten, die es schwer mache, Kommunikationsprozesse zu überschauen.

Breit angelegte Untersuchung

Ein Sprecher von Level Global vermutete, die jüngsten Durchsuchungen seien Teil einer breit angelegten Untersuchung der Finanzindustrie. Er kündigte an, sein Unternehmen wolle mit der Justiz kooperieren. Diamondback erklärte, die Geschäfte des Fonds würden von den Ermittlungen nicht beeinträchtigt. Nach Informationen des "Wall Street Journals" interessieren sich die Behörden vor allem für die Rolle von Beratungsfirmen, die Fonds-Manager mit ehemaligen Mitarbeitern von börsennotierten Unternehmen zusammenbringen. Offenbar vermuten die Ermittler, dass es innerhalb dieser Netzwerke zur Weitergabe vertraulicher Informationen kommt.

Autor: Christian Fähndrich (rtr,afp)
Redaktion: Sabine Faber

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