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Aktuell Nahost

Verdacht auf erneute Brandstiftung in Palästinenserdorf

Im palästinensischen Duma hat eine mutmaßliche Brandstiftung Erinnerungen an den tödlichen Anschlag vom Juli 2015 geweckt. Damals starben drei Palästinenser. Nun brannte das Haus eines wichtigen Zeugen.

Ein Palästinenser inspiziert am 20.03.2016 die verkohlten Reste der Wohnung in Duma (Foto: Reuters)

Ein Palästinenser inspiziert die verkohlten Reste der Wohnung in Duma

Acht Monate nach einem tödlichen Brandanschlag auf eine Palästinenserfamilie im Westjordanland ist das naheliegende Haus eines Augenzeugen in Flammen aufgegangen. Das betroffene Haus von Ibrahim Dawabscha liegt nur wenige Meter von dem Gebäude entfernt, in dem am 31. Juli ein Kleinkind und seine Eltern getötet worden waren. Dawabscha und seine Frau erlitten bei dem Feuer am Sonntag Rauchvergiftungen. Er war damals als Erster am brennenden Haus seiner Verwandten eingetroffen und hatte ausgesagt, er habe mehrere Täter bei der Flucht beobachtet.

Palästinensische und israelische Polizisten sowie Brandsachverständige eilten nach Duma, einem von israelischen Siedlungen umgebenen Dorf im besetzten Westjordanland. Sie sollen die Ursache des Feuers untersuchen. Dabei werde keine Hypothese ausgeschlossen, teilte die israelische Polizei mit.

Offenbar Fenster eingeschlagen

Eine AFP-Reporterin berichtete, dass das Schlafzimmerfenster von Ibrahim Dawabscha offensichtlich von außen eingeschlagen worden sei, obwohl es im Obergeschoss liegt. Innen lagen Scherben auf dem Teppich verstreut. Durch das Feuer wurde das Zimmer komplett zerstört, die Flammen griffen dann auf weitere Räume über. Bevor sie in ein Krankenhaus eingeliefert wurden, hatten die dort lebenden Eheleute den Nachbarn berichtet, sei seien vom Brandgeruch aufgewacht.

Als das 18 Monate alte Opfer des Brandanschlags vom Juli beigesetzt wurde, gaben viele Palästinenser dem Kleinkind das letzte Geleit. (Foto: Reuters)

Viele Palästinenser hatten dem 18 Monate alten Opfer des Brandanschlags vom Juli das letzte Geleit gegeben.

Bei dem Anschlag im Juli war der 18 Monate alte Ali Dawabscha verbrannt, seine Eltern erlagen kurz darauf ihren schweren Brandverletzungen. Nur der heute fünfjährige Ahmed überlebte den Anschlag schwer verletzt. Er wurde vergangene Woche als tröstliche Geste von den Spitzenspielern des Fußballklubs Real Madrid empfangen und beschenkt.

Prozess wegen Anschlags vom Juli

Für den Angriff vom vergangenen Juli hatte die israelische Staatsanwaltschaft Anklage gegen zwei jüdische Rechtsextremisten erhoben. Sie hatten den Brandanschlag im Verhör gestanden. Der 21-jährige Hauptangeklagte ist ein Angehöriger der sogenannten Hügeljugend, die Siedler-Außenposten im Westjordanland errichten. Er will die Tat allein verübt haben. Sein 17-jähriger Mitangeklagter hatte den Anschlag demnach mit vorbereitet, war aber in der Tatnacht nicht am verabredeten Treffpunkt erschienen. Der ehemalige palästinensische Chefunterhändler Saeb Erekat sagte nun, die Palästinenser machten Israel für "die Verbrechen von Duma" verantwortlich.

ago/sti (dpa, afp, kna)

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