Verdächtiger im Bengasi-Prozess ″kein Mörder″ | Aktuell Welt | DW | 29.11.2017
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Terrorismus

Verdächtiger im Bengasi-Prozess "kein Mörder"

Der Libyer sei nicht Drahtzieher des Angriffs, bei dem 2012 vier Menschen getötet wurden, befand ein US-Gericht überraschend. Dennoch droht dem Mann eine lange Haftstrafe.

Libyen US-amerikanische Konsulat in Bengasi (picture-alliance/AP Photo/M. Hannon)

Das ausgebrannte Gebäude des US-Konsulats in Bengasi im September 2012

Fünf Jahre nach der tödlichen Attacke auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi ist einer der Hauptverdächtigen vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Die Geschworenen eines US-Gerichts in Washington befanden, der Libyer Ahmed Abu Chattala sei nicht schuld an den Taten, die im September 2012 zum Tod des Botschafter Chris Stevens, eines seiner Mitarbeiter und zweier US-Sicherheitskräfte geführt hätten.

Insgesamt sprach das Gericht den Angeklagten in 15 Punkten frei, von denen mehrere mit einer lebenslangen Haftstrafe hätten geahndet werden können. Chattala wurde aber in vier weniger schwer wiegenden Punkten schuldig gesprochen, unter ihnen wegen "Vereinigung mit terroristischem Ziel" und Unterstützung von Terrorismus. Der Libyer gilt als Gründer der islamistischen Terrorgruppe Ansar al-Scharia. Chatalla war 2014 bei einer Kommandoaktion amerikanischer Streitkräfte in Libyen gefasst worden.

Schlappe für die Sicherheitsbehörden

Das Strafmaß für den 46-Jährigen soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden. Auch wenn Chattala theoretisch für die vier Vorwürfe zu insgesamt 60 Jahren Haft verurteilt werden könnte, ist der Richterspruch ein Rückschlag für die US-Sicherheitsbehörden. Ihnen gelang es während des Verfahrens nicht, die Geschworenen davon zu überzeugen, dass der Angeklagte der Drahtzieher des Anschlags gewesen sei.

Wegen des Angriffs in Libyeni hatten die Republikaner dem damaligen US-Präsidenten Barack Obama immer wieder Versagen vorgeworfen: Das Außenministerium habe im Vorfeld Hinweise auf Sicherheitslücken in Bengasi und die Bedrohung durch Extremisten ignoriert.

"Extremistischen Bezug verheimlicht"

Außerdem beschuldigte die damalige Opposition Obama, den extremistischen Hintergrund der Attacke zunächst verheimlicht zu haben. Später richtete Präsident Donald Trump die Vorwürfe auch an Hillary Clinton, Obamas mehrjährige Außenministerin und Trumps Gegnerin im Präsidentschaftswahlkampf.

Der nun ergangene Richterspruch ist das bisher einzige Urteil nach der Terrortat von 2012. Ende Oktober hatte das Weiße Haus die Festnahme eines weiteren Libyers bekanntgegeben, der an den Angriffen beteiligt gewesen sein soll. Auch er soll unter US-Recht angeklagt werden.

jj/fab (dpa, afp)