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Wirtschaft

Verbrauchertäuschung bei Lebensmitteln

Frühstücks-Schinken aus dem Schwarzwald, dazu original Mozarella-Käse: Ein durchaus leckeres Frühstück. Doch ist das, was auf dem Teller liegt, wirklich das, wofür wir es halten?

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Nicht überall wo "Parma" draufsteht, ist auch "Parma" drin

Die Deutschen sparen - auch bei Lebensmitteln. Rund 38 Prozent der Nahrung geht mittlerweile bei Discountern über die Kasse. Und warum auch nicht? Schließlich stimmt die Auswahl - Mozarella, Aceto Balsamico oder Schwarzwälder Schinken - es ist alles da, was der Kunde sich wünscht.

Gute Qualität zu guten Preisen, so scheint es. Doch das stimmt leider nicht immer, sagt Edda Müller, Vorstand des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. "Bezeichnungen wie Aceto Balsamico, Rohmilchkäse oder Wildlachs halten nicht das, was sie versprechen. Produktnamen sind oft missverständlich und Herstellungsangaben sind häufig leere Versprechungen."

Mogelpackung im Kühlschrank

So wachsen eben Wildlachse nicht notwendigerweise in der freien Wildbahn auf. Die meisten Rohmilchkäse werden längst nicht mehr aus unbehandelter auf höchstens 40 Grad erwärmter Milch hergestellt. Und natürlicher Aceto Balsamico ist eher eine Seltenheit. Auch der Mozarella auf dem Frühstückstisch ist nur noch in 15 Prozent aller Fälle traditionell hergestellt, auch wenn die Verpackung schön italienisch aussieht.

Lebensmitteleinkauf

Verbraucher können durch Verpackung und Namen getäuscht werden

Das Problem ist, dass die Begriffe nicht oder nur unzureichend geschützt sind. Das gilt auch für viele Produkte, die damit werben, wie sie hergestellt wurden. Die Bezeichnung "aus eigener Herstellung" suggeriert, dass der Konditor den Teig selbst mit Liebe geknetet hat. Eine Illusion. Laut Lebensmittelgesetz bedeutet Herstellung zubereiten, be- und verarbeiten. "Bereits die Verzierung einer Tiefkühltorte mit Sahnetupfern ist somit ein Akt des Bearbeitens und der eigenen Herstellung", erklärt Edda Müller. Auch die Angabe "kontrollierter Anbau" mit denen Lebensmittel oder Agrarprodukte oftmals ausgezeichnet sind ist bedeutungslos und verpflichtet den Produzenten zu nichts. Jeder der eine Pflanze bewusst anbaut, kontrolliert diese in irgendeiner Form.

Dänemark statt Schwarzwald

Auch wer Schwarzwälder Schinken kauft, sollte nicht unbedingt erwarten, dass die Keule vom Bauernhof aus der Region kommt. Und Nürnberger Lebkuchen müssen zwar in Nürnberg hergestellt sein – die Zutaten können aber von überall kommen. Das liegt am EU-Siegel "geschützte geographische Angabe", das die Produkte tragen. Die Produkte müssen lediglich eine Verbindung zu der Region haben - fährt man dänische Schweine zur Schlachtung in den Schwarzwald, werden sie zu Schwarzwälder Schinken. Zum Schaden der ehrlichen Anbieter von Qualitätsware und Verbraucher. Denn wer bereit ist, einen höheren Preis für Lebensmittel mit einem besonderen Güteversprechen zu bezahlen, muss sich auf die Angaben auch verlassen können. „Nur so hält man Kunden an der Stange und auch nur so kann der Kreis der Konsumenten erweitert werden“, erklärt Müller.

Die Regierung muss sich in der EU für einheitliche und unmissverständliche Bezeichnungen einsetzen, fordert die Verbraucherschützerin. Und sie muss stärker kontrollieren und verhindern, dass Verbraucher nicht bewusst getäuscht werden. Damit die Deutschen auch wirklich wissen, was da auf den Tisch kommt.

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