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Globale Zusammenarbeit

Verbot von Quecksilber greift zu kurz

Vier Jahre Verhandlungen und endlich ein Vertrag: 140 Staaten wollen den Gebrauch des giftigen Schwermetalls einschränken. Ein richtiger Schritt, sagen Umweltaktivisten. Und fordern: Es muss mehr passieren.

Nach vierjährigen Verhandlungen haben sich Vertreter von 140 Ländern auf ein Abkommen zur Eindämmung der Herstellung und des Gebrauchs von Quecksilber geeinigt. Das Regelwerk muss von 50 Staaten ratifiziert werden, bevor es in Kraft treten kann. Das kann weitere drei bis vier Jahre dauern.

Das Abkommen sieht vor, sowohl verbindliche als auch freiwillige Regeln und Empfehlungen mit dem Ziel, den Handel mit Quecksilber zu reduzieren, den Quecksilberbergbau zu verbieten sowie das giftige Metall in der Industrieproduktion schrittweise zu ersetzen. Darüber hinaus regelt die Konvention die Lagerung und Behandlung von quecksilberhaltigen Abfällen.

Kohlekraftwerk in China Foto: Oded Balilty (AP)

Bei der Verbrennung von Kohle wird Quecksilber freigesetzt

"Manche dieser Schritte wären vor einigen Jahren noch undenkbar gewesen", sagt Elena Lymberidi-Settimo vom Europäischen Umweltbüro, einem Zusammenschluss von 140 europäischen Umweltorganisationen und -verbänden. "Heute gibt es für fast alle quecksilberhaltigen Produkte Alternativen." Enthalten ist das flüssige Element beispielsweise in Thermometern, Schaltern, Batterien und Glühlampen.

Stromerzeugung und Goldbergbau

Die größten Mengen an Quecksilber gelangen durch die Kohleverbrennung, die Zementherstellung und den Goldbergbau in die Umwelt - insgesamt zweitausend Tonnen jährlich. "Die Verabschiedung eines globalen rechtlichen Rahmens für die Quecksilbernutzung ist ein bedeutende Errungenschaft", bewertet Michael Bender von der Null-Quecksilber-Kampagne ZMWG das Abkommen. Dennoch kritisiert er, das neue Regelwerk werde "geschwächt durch zu laxe Grenzwerte für Quecksilber-Emissionen beispielsweise aus Kohlekraftwerken."

Vor allem Indien und China hatten gegen strengere Regeln gestimmt. Jetzt sieht die Konvention lediglich vor, dass Betreiber neuer Kohlekraftwerke die "bestmögliche Technik" zur Vermeidung von Quecksilber-Emissionen installieren sollen. Alte Kohlekraftwerke brauchen nicht nachgerüstet zu werden. Konkrete Reduktionsziele wurden nicht formuliert.

Den Gefahren des Quecksilbers sind laut UNEP in den Kleinbergwerken im Goldbergbau bis zu 15 Millionen Menschen ausgesetzt - vor allem in Entwicklungsländern. Besonders Kinder seien extrem anfällig für die schädlichen Auswirkungen des Schwermetalls. Laut einem UNEP-Bericht haben sich die Quecksilber-Emissionen im Goldbergbau seit 2005 verdoppelt. Wegen der immer weiter steigenden Goldpreise rechnen die UNEP-Experten in den kommenden Jahren auch mit einem steigenden Verbrauch von Quecksilber.

Ein Mann wäscht Gestein und Geröll in einer Goldmine im Kongo Foto: Lionel Healing (Getty Images)

Mine im Kongo: Im Goldbergbau sind Schürfer oft ungeschützt dem Quecksilber ausgesetzt

Staaten, in denen Quecksilber zum Goldabbau eingesetzt wird, sollen drei Jahre nach Inkrafttreten der Konvention nationale Pläne zur Verringerung der gefährlichen Substanz vorlegen. Die Konvention macht jedoch nur vage Angaben über die Finanzierung der nationalen Pläne. "Die Industrienationen müssen den Entwicklungsländern unter die Arme greifen, um alternative Produktionsprozesse und Technologien zu entwickeln", fordert auch Sarah Häuser von der deutschen Umweltorganisation BUND. Bislang haben nur die Schweiz, Norwegen und Japan finanzielle Unterstützung für arme Länder zugesagt.

Forderung nach Gesundheitsschutz

Das hochgiftige Schwermetall ist nicht abbaubar und gelangt über das Wasser in die Nahrungskette, wo es sich vor allem in Fischen stark anreichert. Nach UNEP-Angaben hat sich der Quecksilber-Anteil in den oberen hundert Metern der Ozeane in den vergangenen hundert Jahren durch menschlich verursachte Emissionen verdoppelt. Viele Menschen nehmen das schädliche Metall beim Verzehr von Fisch auf. Quecksilber greift das Herz-Kreislauf-System an, es kann bei ständiger Belastung zu Nierenversagen, Atemstillstand und zum Tod führen.

Human Rights Watch (HRW) hatte daher auch einen eigenen Paragraphen über Gesundheitsschutz in dem Quecksilberabkommen gefordert. "Es müsste eine viel bessere Aufklärung über die Konsequenzen des Quecksilbereinsatzes für Kinder und Erwachsene geben - und darüber, wie man sich schützen kann", fordert Juliane Kippenberg von HRW. Diese Aufklärung könnte durch lokale Gesundheitsbehörden und Gesundheitszentren geleistet werden, so Kippenberg im DW-Interview.

Einige Ausnahmeregelegungen des Quecksilberabkommens betreffen ausgerechnet den Gesundheitsbereich. So soll Quecksilber in bestimmten Impfstoffen und in Amalgam-Füllungen zur Behandlung von Karies nicht verboten werden. Das UN-Umweltprogramm UNEP begründet dies damit, dass die Impfungen und Zahnfüllungen in Entwicklungsländern andernfalls zu teuer würden.

Minamata-Konvention

Von dem Quecksilberabkommen könnten wichtige Impulse für weitere Verträge über andere Chemikalien ausgehen, hofft Elena Lymberidi-Settimo: "Ein wichtiger Fortschritt im Vergleich zu früheren Abkommen ist, dass die verbindliche Einhaltung des Vertrags mit finanziellen Anreizen verbunden werden soll."

Unterzeichnet werden soll der Vertrag im Oktober aus symbolischen Gründen im japanischen Minamata. In der Region um die japanische Stadt Minamata traten ab den 1950er Jahren schwere gesundheitliche Schäden bei Tausenden von Menschen auf, nachdem über Jahrzehnte Methylquecksilber ins Meer geleitet worden war.

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