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Nahost

Verbietet Ägypten die Burka?

Die islamische Welt schreit auf, wenn in Europa Burkas verboten werden. Doch auch in einigen arabischen Ländern wird vehement über Nikab und Burka gestritten. Und auch da sind sie nicht überall erlaubt.

Frau mit Burka (Foto: dpa)

Nicht nur in Europa umstritten

Die Syrer waren in punkto Gesichtsschleier sogar schneller als die Franzosen: Zwei Wochen vor der ersten Verabschiedung des Schleier-Verbots in der Öffentlichkeit durch die französische Nationalversammlung im vergangenen Juli erließ das Regime in Damaskus bereits handfeste Maßnahmen: 1200 Nikab-tragende Lehrerinnen wurden kurzerhand auf Stellen versetzt, in denen sie keinen Kontakt zu Kindern mehr haben. Kurz darauf verbannte das Erziehungsministerium zudem voll verschleierte Studentinnen aus den Hörsälen der syrischen Universitäten.

Kommunikationsproblem dank Burka

Syriens Präsident Assad (Foto: AP)

Das Regime Assad ist sekulär - und nicht besonders Burka-freundlich

"In den Grundschulen gab es Probleme mit voll verschleierten Lehrerinnen", erklärt die in Damaskus tätige Anwältin und Frauenrechtlerin Da’d Moussa die Maßnahmen der Regierung. Es habe "Kommunikationsschwierigkeiten" zwischen den Lehrerinnen und den Schülern gegeben. "Deshalb gab es seitens des Erziehungsministeriums erst einmal die Entscheidung, voll verschleierte Lehrerinnen komplett aus dem aktiven Schuldienst zu entfernen." Ähnliche Kommunikationsprobleme hat die Regierung dann auch an den Unis ausgemacht, denn auch da studieren viele Frauen mit Gesichtsschleier.

Eine bemerkenswerte Maßnahme. Denn in Syrien – wie in den meisten Ländern der arabischen Welt – hat der Anteil verschleierter Frauen im öffentlichen Straßenbild in den letzten Jahren stark zugenommen, wenngleich die meisten Syrerinnen keine Vollverschleierung tragen. Das Regime unter Bashar Al-Assad selbst ist jedoch – trotz seiner engen Beziehungen zu Hamas, Hisbollah und dem Iran – säkular und unterdrückt neben demokratischen auch islamistische Oppositionsgruppen.

Vollschleier als Bedrohung?

Was Moussa als "Kommunikationsproblem" bezeichnet, werten andere Experten als Maßnahme gegen eine zu starke politische Islamisierung der Gesellschaft. Einen direkten Zusammenhang zwischen dem Verbot in Frankreich und den Maßnahmen der syrischen Regierung sieht aber auch Da’d Moussa nicht. Ein komplettes Schleier-Verbot in der Öffentlichkeit sei in Syrien bestimmt nicht zu erwarten, sagt sie. "Der Gesichtsschleier ist ja kein so großes Problem wie die globalen Probleme, also wie etwa der Terrorismus oder das organisierte Verbrechen. Er ist eher ein Randphänomen."

Für Ägypten könnte man dies nur schwerlich behaupten – auch hier ist der Streit um den Gesichtsschleier bereits im vollen Gange, sogar aus offiziellen religiösen Kreisen kommt Kritik an zuviel Verhüllung. Abd al-Muti' al-Bayyumi, Mitglied des Hohen Rates der Geistlichkeit an der Azhar-Universität, hat Mitte September sogar öffentlich das französische Schleier-Verbot unterstützt. In einem Interview mit der Deutschen Welle legte er jetzt noch einmal nach und erklärte, der Gesichtsschleier habe keinerlei Grundlage im Islam: Weder im Koran noch in der prophetischen Tradition gebe es Textstellen, die ihn zur Pflicht erklärten. "Manchmal stellt ein Vollschleier sogar eine Bedrohung für die Umwelt dar. Man weiß ja nicht, ob darunter ein Mann oder eine Frau steckt, ob jemand darunter Waffen versteckt oder andere bedrohliche Gegenstände", so al-Bayyumi. "Deshalb gefällt mir das französische Gesetz - weil es den Vollschleier aus Sicherheitsgründen verbietet."

Verschleierte Frauen in Ägypten (Foto: AP)

In Ägypten sind Ganzkörperschleier sehr verbreitet

Es sei jeder Gesellschaft überlassen, diese Gefahren selbst einzuschätzen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen. "Wir befürworten ein Verbot des Gesichtsschleiers in der Öffentlichkeit auch in Ägypten, wenn es der Sicherheit dient." Denn es gibt in Ägypten tatsächlich laufende Gerichtsprozesse, weil Männer den Gesichtsschleier benutzt haben, um unter dessen Schutz Verbrechen zu begehen, erzählt al-Bayyumi. "Die meisten von uns an der Azhar-Universität sind deshalb für ein Verbot des Gesichtsschleiers in der Öffentlichkeit."

Muslimbruderschaft gegen Verbote

Issam al-'Iryan, Chef des Politbüros der oppositionellen und in Ägypten sehr einflussreichen Muslimbruderschaft, ist strikt gegen ein solches Verbot. "Ich glaube, das würde das allgemeine religiöse Empfinden in Ägypten verletzen", erklärt er im DW-Interview. Irgendjemand werde letztendlich wohl die Weisheit haben, ein solches Vorhaben zu verhindern.

Al-'Iryan wirft der ägyptischen Regierung vor, unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes den islamischen Einfluss in der Gesellschaft begrenzen zu wollen. Dabei verteidigt der Muslimbruder die Verhüllung von Frauen mit einem Argument, das auch die Gegner von Verschleierungs-Verboten in Europa häufig vorbringen: Muslime verdienten Respekt - und dürften nicht per se als Sicherheitsrisiko behandelt werden.

Autor: Bachir Amroune

Redaktion: Manfred Götzke