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Wirtschaft

Verbale Wirtschaftsinitiative

Der 63-jährige Eisenbahnunternehmer John Snow wird neuer Finanzminister der USA. Gleichzeitig kündigt Präsident George W. Bush ein neues Konjunkturpaket an. Snows erste Aufgabe wird es sein, das Paket gut zu verkaufen.

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John Snow - der "Kommunikator"

Der scheidende US-Finanzminister Paul O'Neill hatte sich mit seinem Hang zu flapsigen und unbedachten Bemerkungen bei Regierungskollegen, Abgeordneten, Managern und Brokern unbeliebt gemacht. Sein designierter Nachfolger John Snow gilt als geschmeidiger Kommunikator, der sich ebenso souverän in Manager- wie Politikerzirkeln zu bewegen weiß. In den vergangenen elf Jahren leitete der 63-jährige Anwalt und Ökonom CSX Corp., eines der größten Bahnunternehmen der USA. Jetzt wird er zu einer Schlüsselfigur im Finanz- und Wirtschaftsteam von Präsident George W. Bush.

Kommunikation ist das Entscheidende

Regierungsmitarbeiter kolportierten in den Medien, dass der Bahn-Manager nicht zuletzt wegen seiner kommunikativen Fähigkeiten ausgewählt worden sei. Ihm werde zugetraut, die Regierungspolitik im Fernsehen und im Kongress zu vermitteln - eine Fähigkeit, die bei O'Neill schmerzlich vermisst wurde. Als weitere Qualifikationen Snows für den heiklen Job werden seine Vertrautheit mit den politischen Entscheidungsträgern und Mechanismen in Washington gesehen.

Verkaufen statt Entwickeln

Snow werde ein "Schlüsselberater für die Wirtschaft" sein, sagte Bush am Montag (9.12.2002) bei der Nominierung des neuen Finanzministers. Doch ganz offensichtlich soll der bisherige Bahnmanager die Finanz- und Wirtschaftspolitik der Regierung weniger gestalten, als vor allem verkaufen. Zu seinen ersten Aufgaben wird es gehören, ein neues Konjunkturprogramm zu propagieren und durchzusetzen, das in seinen Kernelementen bereits feststeht. Bush will nach Informationen der "New York Times" die Steuern auf Aktiendividenden reduzieren, den Unternehmen die Abschreibung von Ausrüstungsinvestitionen erleichtern und wahrscheinlich die große Steuerreform des vergangenen Jahres beschleunigen.

Hört, hört!

Der Präsident wird von der Sorge getrieben, dass die anhaltend flaue Konjunktur und schlechte Lage am Arbeitsmarkt ihm letztlich zum politischen Verhängnis werden könnten. Noch zehrt Bush von seinem Bonus als Anti-Terror Kämpfer, doch zur Mitte seiner Amtszeit muss er befürchten, dass die wirtschaftlichen Themen sich immer stärker in den Vordergrund drängen. Auch sein Vater segelte nach dem Golfkrieg 1991 auf hohen Popularitätsraten, verlor aber nur eineinhalb Jahre danach in einer Phase relativ milder Rezession die Wahl gegen Bill Clinton.

Mit einem neuen Team will Bush deshalb jetzt auch wirtschaftspolitisch in die Offensive kommen. Neben O'Neill muss auch der Chef-Wirtschaftsberater im Weißen Haus, Lawrence Lindsey, gehen. Er soll laut US-Medien durch den früheren Chef der Investmentbank Goldman Sachs, Stephen Friedman, ersetzt werden. John Snow lenkte den wohlwollenden Blick des Präsidenten bereits im vergangenen Sommer auf sich, als er im Fernsehen Bushs Rede zu den Bilanzskandalen lautstark pries und sich bereit erklärte, für die Durchsetzung hoher ethischer Standards in der Wirtschaft zu fechten.

Netzwerk von Kontakten

Snow, Sohn eines Anwalts und einer Lehrerin, stammt aus Toledo im US-Bundesstaat Ohio. In den Anfangsjahren seiner Laufbahn arbeitete er als Professor und Anwalt, bevor er 1972 unter Präsident Richard Nixon in das Verkehrsministerium wechselte. In seiner späteren Tätigkeit als Bahnmanager erwarb er sich in der gesamten Wirtschaftswelt eine solide Reputation. Zeitweise war Snow Leiter des "Business Roundtable", einer mächtigen Managervereinigung, die Einfluss auf die Politik in Washington zu nehmen sucht. Außerdem gilt er als Vertrauter von Notenbank-Chef Alan Greenspan. Sein Netz von Kontakten in die Wirtschaft und Politik wird Snow für seinen neuen Job als wirtschaftspolitischer Kommunikator des Präsidenten gut gebrauchen können. (afp/arn)

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