Veranstalter räumt Fehler bei diesjähriger Echo-Preisvergabe ein | Musik | DW | 17.04.2018
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Musik

Veranstalter räumt Fehler bei diesjähriger Echo-Preisvergabe ein

Die Protestwelle gegen die Echo-Verleihung hat erste Konsequenzen. Veranstalter Drücke entschuldigte sich offiziell bei der früheren Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch.

Florian Drücke, der Vorstandsvorsitzende des Bundesverbandes der Musikindustrie, richtete seine Entschuldigung an Charlotte Knobloch, die langjährige Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er räumte ein, dass die Echo-Verleihung an die beiden Rapper Kollegah und Farid Bang ein Fehler gewesen sei. Deren Rap-Album enthält als antisemitisch und frauenfeindlich kritisierte Texte und hatte schon während und kurz nach der Echo-Gala für massive Kritik von Seiten einzelner Musiker gesorgt, u.a. von Campino von den Toten Hosen und Peter Maffay.

Die Veranstalter des Echo Musikpreises stehen mittlerweile vor einem Scherbenhaufen. Immer mehr Musiker äußern scharfe Kritik an der diesjährigen Verleihung an die Rapper Kollegah und Farid Bang, die für ihr aktuelles Album "Jung, Brutal, Gutaussehend 3" ausgezeichnet wurden.

Deutschland Echo 2017 - Sänger Marius Müller-Westernhagen (picture alliance/dpa/J. Kalaene)

Westernhagen ist sauer auf die Echo-Veranstalter

Marius Müller-Westernhagen, der 2017 mit einem Echo für sein Lebenswerk geehrt wurde, gab seine acht Trophäen aus Protest zurück. Er schließe sich damit ausdrücklich dem Musiker und Grafiker Klaus Voormann an, sagte Westernhagen: "Das schafft Platz bei mir zu Hause und in meinem Herzen."

Falsches Signal zur falschen Zeit

"Wir entschuldigen uns ausdrücklich dafür, bei Ihnen und allen anderen Menschen, deren Gefühle wir verletzt haben", schrieb Drücke in einem Brief an Knobloch. Charlotte Knobloch hatte die umstrittene Auszeichnung als "verheerendes Zeichen" für Deutschland bezeichnet und zeigte sich schockiert über die mangelnde Sensibilität der Echo-Veranstalter. Gerade jetzt entstehe in Deutschland die "ersehnte Sensibilität für den erstarkten Antisemitismus in unserer Gesellschaft und an unseren Schulen", betonte Knobloch in einem aktuellen Interview zu dem gesellschaftspolitischen Zusammenhang.

Deutschland Aktion «We Remember» - Charlotte Knobloch (picture alliance/dpa/WJC)

Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde

Die frühere Zentralrats-Präsidentin habe mit ihrer Kritik vollkommen recht, betonte Drücke. "Wir als Vorstand haben das falsch bewertet und wollten uns an der falschen Stelle für die künstlerische Freiheit einsetzen." Das Geschehene sei nicht mehr rückgängig zu machen, aber man könne  vermeiden "dass solche Fehler in Zukunft wieder geschehen", so der Echo-Veranstalter.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat ebenfalls die Verleihung des Echo Musikpreises an die beiden Rapper scharf kritisiert. "Dass Songs mit Texten, die menschenverachtende und herabwürdigende Passagen enthalten, von der Musikindustrie ausgezeichnet werden, offenbart die Fragwürdigkeit eines Preises, der nur auf Erfolg an der Kasse setzt", sagte sie in einem Interview mit der Funke-Mediengruppe.

hm/pj (dpa/kna)

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