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Afrika

Verübten die MEND-Rebellen einen Angriff im Nigerdelta?

In Nigeria wurden bei einem Angriff zwölf Polizisten getötet. Die Identität der Angreifer ist unklar, einiges deutet auf die Rebellen-Gruppe MEND hin. Wird durch den Anschlag der alte Konflikt im Nigerdelta aufflammen?

Rund 24.000 km² groß und 200 km breit: So weit reicht das Gebiet des Nigerdelta im Süden von Nigeria. Entführungen und Anschläge bringen der Region, die reich an Erdöl ist, immer wieder negative Schlagzeilen. Der jüngste Anschlag ereignete sich vergangenen Freitag (05.04.2013) im Bundesstaat Bayelsa. Bewaffnete Männer griffen ein Boot mit zwölf Polizisten an und versenkten es. Henry Dickson, der Gouverneur von Bayelsa bestätigte einen Tag später, dass alle zwölf Polizisten dabei umgekommen seien.

"Hier wird viel Geld in Projekte gesteckt, die die Sicherheitslage verbessern sollen. Und hier ist viel Polizei und Militär, aber wie effektiv sind diese Sicherheitsmaßnahmen überhaupt, wenn Polizisten einfach so umgebracht werden können?", fragt Anyakawe Nfirinowu, stellvertretender Direktor der Niger Delta Civil Society Coalition. Er selber hat keine Antwort darauf.

Immer wieder Anschläge

Ein Tag nach dem Angriff in Bayelsa tauchte ein Schreiben auf, das angeblich von der Rebellengruppe MEND (Bewegung für die Emanzipation des Niger-Deltas) stammt. Darin übernimmt sie die Verantwortung für den Anschlag. Aber ob das Schreiben von den Rebellen kommt und sie wirklich hinter dem Angriff stecken, sei unklar, so Anyakawe Nfirinowu. "Die Probleme im Nigerdelta wurden einfach nicht effektiv gelöst, und wenn man so eine Wunde wie das Nigerdelta nicht richtig heilt, bietet man jedem, der eine Krise hervorrufen möchte, die Möglichkeit dazu."

Bereits 1967 versuchten Rebellen im Südosten Nigerias, einen eigenen Staat zu gründen. Zu der Republik Biafra, die sie damals ausriefen, gehörte auch das Nigerdelta. Aber die Zentralregierung von Nigeria gliederte die Region nach dem mehr als zwei Jahre andauernden Biafra-Krieg wieder in die Republik ein. Seither kommt es im Nigerdelta immer wieder zu Sicherheitsproblemen, die durch ethnische Konflikte und Gruppierungen wie der Bewegung für das Volk des Niger-Deltas (MONDP) ausgelöst werden. Die MEND-Rebellen sind nur ein Teil des Gesamtproblems.

Wer sind die MEND-Rebellen?

Vier bewaffnette und vermumte Männer in Tarnklamotten (Foto: AP Photo/George Osodi)

Kämpfer der Rebellengruppe MEND

Die Rebellengruppe MEND gründete sich 2005. Ihr vorrangiges Ziel ist eine Abspaltung der Nigerdelta-Region vom Rest des Landes. Sie setzt sich aus Nigerianern zusammen, die eine Abspaltung der Nigerdelta-Region vom Rest des Landes und eine stärkere Beteiligung an den Einnahmen aus der Ölförderung wollen. Außerdem verlangen sie Entschädigungszahlungen für die Umweltverschmutzungen, die durch Öl- und Gasförderung entstanden sind. Jahrelang machten sie mit Überfällen auf Förderanlagen und mit Entführungen zahlreicher Mitarbeiter von internationalen Ölfirmen auf sich aufmerksam.

Ein See, der mit Öl verseucht ist (Foto: Katrin Gänsler)

Lecks und Öldiebstähle führen immer wieder zu Naturkatastrophen

Im Laufe der Jahre habe sich MEND aber verändert, erklärt Elizabeth Donnelly, Nigeria-Expertin der "Denkfabrik" Chatham House: "Die Gruppe hat sich in viele Untergruppen zersplittert, die unterschiedliche Interessen und Motivationen für ihre Angriffe haben." 2009 unterschrieben wichtige MEND-Mitglieder dann eine Amnestie und wurden von der nigerianischen Regierung entwaffnet, so Donnelly. Diese Amnestie habe mehr Frieden für das Nigerdelta gebracht.

Ein Racheakt der Rebellen?

Die Aufmerksamkeit wurde wieder auf MEND gelenkt, als im März ihr ehemaliger Anführer Henry Okah zu 24 Jahren Haft verurteilt wurde. Das Gericht sah in ihm den Schuldigen an zwei blutigen Bombenanschlägen im Dezember 2010 in Nigerias Hauptstadt Abuja. Seiner Verurteilung folgte ein Schreiben, das Racheakte der MEND ankündigte. Trotzdem sei nicht sicher, ob die Rebellengruppe für den Angriff gegen die zwölf Polizisten verantwortlich sei, erklärt Anyakawe Nfirinowu. "Wenn MEND wirklich hinter dem Anschlag steckt, ist es ein Beweis dafür, dass die Amnestie nicht erfolgreich war."

Auch Elizabeth Donolly sieht es nicht als erwiesen an, dass MEND sich für Henry Okahs Verurteilung gerächt hat: "Es gibt verschiedene Gruppen, die behaupten von der MEND zu sein, es aber eigentlich gar nicht sind." Daher müsse man auf der Suche nach Schuldigen behutsam vorgehen. Eines ist aber klar: Ein Aufflammen der Kämpfe im Nigerdelta würde die krisenerschütterte Region nur noch weiter destabilisieren.

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