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Aktuell Amerika

Venezuelas Präsident Maduro verstaatlicht Supermarktkette

Lange Schlangen vor den Geschäften, wachsender Unmut in der Bevölkerung: Inmitten der schweren Wirtschaftskrise greift die sozialistische Regierung nun zu drastischen Maßnahmen. Mit Erfolg?

Soldaten vor der Supermarktkette Dia a Dia (Foto: rtr)

Soldaten kontrollieren den Verkauf in einer Filiale der Supermarktkette

Venezuelas sozialistischer Präsident Nicolas Maduro hat einer privaten Supermarktkette das Horten von Lebensmitteln vorgeworfen und ihre Übernahme durch die Behörden angeordnet. Die staatliche Lebenmittel-Verteilungsbehörde PDVAL übernehme den Betrieb der Kette, teilte Maduro in einer Fernsehansprache mit. Den Namen der betroffenen Kette nannte er nicht. Es soll sich jedoch um die Firma Dia a Dia handeln.

"Krieg gegen das Volk"

In seiner Rede beschuldigte Maduro die Unternehmer, "einen Wirtschaftskrieg gegen das Volk" zu betreiben. In den vergangenen Wochen hatte Maduro dem Privatsektor und der Opposition wiederholt mit markigen Worten vorgeworfen, "Krieg zur zur Destabilisierung Venezuelas" zu führen.

In den vergangenen Tagen besetzten Soldaten und Polizeibeamte etliche Filialen von Dia a Dia, um den Verkauf zu kontrollieren. Dia-a-Dia-Chef Manuel Morales wurde am Freitag unter dem Vorwurf des "Boykotts und der Destabilisierung" verhaftet. Zuvor waren die Eigentümer einer Drogeriemarktkette festgenommen worden. Den Einzelhändlern wird vorgeworfen, Waren zu horten und an den Preiskontrollen vorbei zu Schwarzmarktpreisen zu verkaufen.

Inflation auf Rekordhoch

Die Lage in dem südamerikanischen Land ist dramatisch. Dazu beigetragen hat der Absturz des Ölpreises auf dem Weltmarkt, der stark sinkende Einnahmen für das Land zur Folge hat. Venezuela erwirtschaftet fast alle seine Devisen mit dem Export seines "schwarzen Goldes". Jetzt droht dem Erdölland der endgültige Bankrott. Die Inflation ist mit mehr als 60 Prozent auf einem Rekordhoch.

Lange Schlangen vor den Kassen eines Drogeriemarktes (Foto: rtr)

Stundenlanges Anstehen - in diesem Fall vor den Kassen eines Drogeriemarktes in Caracas

Präsident Maduro kommt in Umfragen nur noch auf eine Zustimmung von 22 Prozent. Vor genau einem Jahr startete die Opposition eine Protestwelle, die in Gewalt umschlug. Mehr als 40 Menschen wurden getötet. Es wird befürchtet, dass die Lage jetzt wieder eskalieren könnte, mit noch schlimmeren Folgen.

Besonders Grundnahrungsmittel wie Reis und Milch oder Medikamente sind knapp. Hygieneartikel wie Flüssigseife, Deos oder Windeln fehlen of ganz in den Regalen. Um an Güter des täglichen Bedarfs zu gelangen, nehmen die Venezolaner inzwischen lange Schlangen in Kauf, oder bezahlen andere dafür, stundenlang anzustehen.

se/cw (afp, ape)