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Lateinamerika

Venezuelas Ex-Chefanklägerin Luisa Ortega droht Maduro

Die geschasste Generalstaatsanwältin hat schwere Korruptionsvorwürfe gegen Präsident Nicolás Maduro erhoben. Er sei in den Skandal um den Konzern Odebrecht verwickelt, was sie auch beweisen werde, sagte Ortega.

Die abgesetzte venezolanische Generalstaatsanwältin Luisa Ortega (Artikelbild) hat nach eigenen Angaben "Beweise" für korruptes Verhalten von Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro. Er sei in den weitverzweigten Korruptionsskandal um den brasilianischen Baukonzern Odebrecht verstrickt, sagte Ortega bei einem Treffen mit Vertretern südamerikanischer Staatsanwaltschaften in Brasiliens Hauptstadt Brasilia. Es gehe um zahlreiche Fälle von Bereicherung, die auch Maduro "und sein direktes Umfeld" beträfen.

Ortega zufolge soll der Odebrecht-Konzern Schmiergeld in Höhe von 788 Millionen Dollar in zwölf Ländern - vor allem in Lateinamerika - gezahlt haben, um so an lukrative Aufträge heranzukommen. Das Geld soll laut Ortega zum Teil über US-Banken geflossen sein. Die internationale Gemeinschaft müsse diese Fälle untersuchen, forderte die 59-Jährige. Ortega legte zunächst keine Beweise für ihre Vorwürfe vor, kündigte aber an, Beweise an Behörden anderer Länder zu übergeben.

Ortega: Ich fürchte um mein Leben

Die Ex-Generalstaatsanwältin war vergangene Woche mit ihrem Mann, dem venezolanischen Abgeordneten Germán Ferrer, per Boot aus Venezuela nach Kolumbien geflohen. Von dort reiste sie nach Brasilien weiter. Sie sei verfolgt worden, damit keine Details über Korruption in den obersten Rängen der venezolanischen Politik ans Licht kommen, sagte Ortega. Die Juristin fürchtet nach eigener Aussage um ihr Leben. Sie habe Drohungen erhalten, und sie mache die venezolanische Regierung verantwortlich, falls ihr etwas geschehe.

Veneuelas Ex-Generalstaatsanwältin Luisa Ortega beim Mercosur Treffen in Brasilien (Getty Images/AFP/E. Sa)

Luisa Ortega beim Treffen mit Vertretern der Mercosur-Staaten in Brasilien

Ortega galt lange als linientreue Funktionärin, in den vergangenen Monaten brach sie aber mit Maduro und warf ihm autoritäre Tendenzen vor. Zuletzt hatte sie offen vor der Errichtung einer Diktatur in Venezuela gewarnt. Ende Juli wurde im Land mit den weltweit größten Ölreserven eine umstrittene Verfassungsgebende Versammlung gewählt. Die Abstimmung war von Betrugsvorwürfen überschattet. Als eine seiner ersten Handlungen entmachtete das neue Gremium das von der Opposition kontrollierte Parlament. Außerdem enthob es Ortega ihres Amtes.

Maduro will Interpol gegen Ortega einschalten

Eine Stellungnahme von Venezuelas Regierung zu Ortegas Vorwürfen gibt es bislang nicht. Präsident Maduro kündigte aber an, er werde bei Interpol einen Dringlichkeitsvermerk, eine sogenannte Red Notice, gegen Ortega hinterlegen lassen. Sie und ihr Mann würden in Venezuela wegen "schwerwiegender Verbrechen" gesucht, bekräftigte der Staatschef.

Venezuelas Staatschef Nicolas Maduro (picture-alliance/AP Photo/A. Cubillos)

Nicolas Maduro will nun per Interpol gegen seine geflohene Gegnerin, Ex-Generalstaatsanwältin Luisa Ortega vorgehen

In Venezuela tobt seit Monaten ein erbitterter Machtkampfzwischen dem linksnationalistischen Präsidenten Maduro und der Mitte-rechts-Opposition. Seit Anfang April wurden bei den politischen Unruhen mindestens 125 Menschen getötet. Sowohl Kolumbien als auch Brasilien grenzten sich in der Krise von Maduros Vorgehen ab. Venezuela wurde auf unbestimmte Zeit aus Südamerikas gemeinsamem Wirtschaftsraum Mercosur ausgeschlossen.

cw/djo (rtr, dpa, afp)

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