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Aktuell Amerika

Venezuela wertet kräftig ab

Venezuela will seine Staatsfinanzen sanieren. Die Regierung hat deshalb eine deutliche Abwertung der Landeswährung Bolívar um fast ein Drittel beschlossen.

Der Planungs- und Finanzminister der sozialistischen Regierung, Jorge Giordani, sagte bei einer Pressekonferenz in Caracas, es sei beschlossen worden, dass von kommendem Mittwoch an der festgelegte Kurs zum US-Dollar gesenkt werde. Statt bisher 4,30 Bolívar müssten dann 6,30 Bolívar für einen US-Dollar gezahlt werden. Das entspricht einer Abwertung um 31,75 Prozent. Laut Giordani hatte Staatschef Hugo Chávez den Schritt angeordnet, um "die Ausgaben zu minimieren und die Ergebnisse zu maximieren". Die Abwertung war von Analysten erwartet worden; es ist die erste von der Regierung Chávez beschlossene seit 2010.

Für Venezuelas Regierung geht es dabei um den inländischen Schuldenabbau, im Klartext um die Sanierung der Staatsfinanzen, nachdem sie im vergangenen Jahr große Ausgaben getätigt hatte. Die Abwertung hat für den Staat den Vorteil, dass er seine Schulden bei heimischen Gläubigern leichter zurückzahlen kann. Schließlich werden die Öl-Exporte - Haupt-Einnahmequelle des Landes - in US-Dollar abgerechnet.

Maßnahme birgt Gefahren

Gleichzeitig droht bei der Abwertung eine Verschärfung der Inflation, die mit deutlich über 20 Prozent bereits jetzt die höchste in ganz Südamerika ist. In den vergangenen zwölf Monaten lag die Inflationsrate bei 22,2 Prozent.

Minister Giordani (links) und Zentralbankchef Merentes erklären die Abwertung (Foto: reuters)

Minister Giordani (links) und Zentralbankchef Merentes erklären die Abwertung

Zentralbank-Präsident Nelson Merentes teilte mit, dass die Regierung auch das Wechselkurssystem SITME einstelle. Seit 2003 gibt es in Venezuela einen festen, von der Regierung festgesetzten Wechselkurs. Wenn Unternehmen oder Privatleute Dollar haben möchten, um Güter zu importieren oder Reisen zu bezahlen, müssen sie ihr Geld bei einer staatlichen Agentur umtauschen. Weil die Dollarmenge jedoch stark beschränkt ist, gibt es in Venezuela einen illegalen Devisenhandel: Hier mussten Bürger zuletzt mehr als das Vierfache des offiziellen Preises von 4,30 Bolívar für einen Dollar bezahlen. Planungs- und Finanzminister Giordani gab zudem bekannt, dass eine eigene Behörde zur Optimierung des Währungssystems geschaffen werde, an der sich die Zentralbank sowie die Ministerien für Finanzen sowie Bergbau und Öl beteiligten. Die Behörde solle zur Verringerung der Inflation und zu einem ausgeglichenen Devisenfluss beitragen, hieß es.

Der venezolanische Präsident Chávez wird derzeit in einem Krankenhaus auf Kuba behandelt. Wegen seiner Krebserkrankung konnte er noch nicht für eine dritte Amtszeit vereidigt werden, zu der er im Oktober 2012 gewählt worden war.

qu/as (ap, afpd+e, rtr)

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