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Aktuell Amerika

Venezuela: Stromsparen mit neuer Zeitzone

Mit ungewöhnlichen Maßnahmen kämpft Venezuelas Präsident Maduro gegen Strommangel. Er will eine neue Zeitzone einführen und lässt die Bürger weniger arbeiten. Die Sozialisten kämpfen um die Macht und fürchten Unruhen.

Zur Bekämpfung des notorischen Strommangels ergreift Venezuelas Präsident Nicolas Maduro weitere ungewöhnliche Maßnahmen. Am 1. Mai werde das Land seine Zeitzone ändern, um mehr natürliches Tageslicht nutzen zu können, kündigte der Sozialist an.

Maduro will in den nächsten Tagen erklären, wie er sich die neue Zeitzone genau vorstellt, derzeit liegt das Land 6,5 Stunden hinter der mitteleuropäischen Sommerzeit (MESZ) zurück. Unter dem verstorbenen Begründer des "Sozialismus des 21. Jahrhunderts", Hugo Chávez, war 2007 die Zeit um eine halbe Stunde zurückgestellt worden, angeblich auch, damit Venezuela nicht mehr in der gleichen Zeitzone wie Teile der USA liegt.

Das Licht geht aus

Weil das größte Wasserkraftwerk nach einer langen Dürreperiode viel zu wenig Wasser hat, muss drastisch Strom gespart werden. In Caracas und anderen Städten gehen dieser Tage sprichwörtlich die Lichter aus. 15 glitzernde Einkaufszentren sollen mit drastischen Maßnahmen zum Energiesparen gezwungen werden. Der kommende Montag wurde von Maduro kurzerhand zum Arbeits- und schulfreien Tag erklärt. Der Dienstag ist bereits Feiertag. Bis Juni soll zudem jeder Freitag arbeitsfrei sein, vor allem im öffentlichen Sektor, aber auch viele Privatunternehmen sollen die Produktion stark drosseln: Eine Vier-Tage-Woche aus blanker Not. Und

Venezuela Präsident Nicolas Maduro (Foto: Reuters/C.G. Rawlins)

Wie länge hält noch der Atem von Venezuelas Präsident Maduro?

Sogar Föhnfrisuren sind Maduro als Stromverschwender ein Dorn im Auge. "Die Frauen sollten den elektrischen Föhn nur noch zu besonderen Anlässen nutzen", appelliert Venezuelas sozialistischer Präsident. Er wisse, dass Frauen gern föhnen würden, aber man müsse dringend Strom sparen.

Klimaphänomen oder Misswirtschaft?

Venezuelas Bevölkerung leidet unter täglichen unvorhersehbaren Wasser- und Stromausfällen. Die Stromversorgung in dem südamerikanischen Ölförderland mit 29 Millionen Einwohnern hängt zu 60 Prozent von Wasserkraftwerken ab. Am El-Guri-Stausee produziert das Wasserkraftwerk "Simon Bolívar" normalerweise mit einer Kapazität von über 10 000 Megawatt - das entspricht der Leistung von rund sieben Atomkraftwerken. Dort liegt die Temperatur um drei Grad höher als in früheren Jahren. Der Wasserpegel fällt dramatisch - bisher auf 242 Meter. Ab einem Wasserstand von 240 Metern kommt es zum Kollaps, die Turbinen können dann nicht mehr arbeiten. Laut Energieminister Luis Motta Domínguez, verliert der Stausee täglich 354 Milliarden Liter Wasser, was den Pegel um 15 bis 16 Zentimeter sinken lässt.

Schuld habe das Klimaphänomen "El Niño", meint Präsident Maduro. "Das ist eine ökologische Tragödie und wir müssen unsere Lebensgewohnheiten daran anpassen", erklärt Maduro bei einer Ansprache im Regierungspalast. Der Regierung wird vorgeworfen, zu wenig in den Ausbau und die Wartung der Energie-Infrastruktur zu investieren. Die Opposition, die den Sozialisten bei den Parlamentswahlen im Dezember eine dramatische Niederlage zugefügt hat, will Maduro bis Herbst in einem Referendum des Amtes entheben lassen. Die jahrelange Misswirtschaft, der niedrige Ölpreis und kaum noch zu finanzierende Sozialprogramme für die ärmeren Schichten haben das Land dem Ruin sehr nahe gebracht.

Die Lage ist äußerst gespannt, nicht wenige warnen vor dem Ausbruch von Unruhen. Weniger Strom bedeutet auch weniger Produktion, so bleiben Stahlöfen seit Wochen kalt. Zehntausende Arbeitsplätze sind bedroht.

pab/kle (AFP, dpa, rtr)

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