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Lateinamerika

Venezuela steht laut Ratingagentur Fitch vor dem Staatsbankrott

Die Einschätzung, dass Venezuela in die Pleite schlittert, ist nicht neu. Jetzt legt die Ratingagentur Fitch nach und stuft die Kreditwürdigkeit des wichtigen staatlichen Ölkonzerns auf knapp über zahlungsunfähig herab.

Staatliche Öl-Raffinerie in Puerto La Cruz, Venezuela (picture-alliance/dpa/C. Landaeta)

Staatliche Öl-Raffinerie in Puerto La Cruz, Venezuela

Die Wirtschaft des südamerikanischen Staates liegt darnieder, das Land ist hochverschuldet und jetzt steht auch die für die venezolanische Wirtschaft systemwichtige staatliche Ölgesellschaft PDVSA vor dem Bankrott. Die US-Ratingagentur Fitch stufte PDVSA auf das Niveau C und damit nur noch eine Stufe über der Zahlungsunfähigkeit. Die Staatspleite Venezuelas sei "höchst wahrscheinlich", hieß es.

Venezuela will Staatsschulden neu verhandeln

Die Herabstufung folgt auf die Ankündigung der venezolanischen Regierung und des Öl-Konzerns, mit ihren Gläubigern über eine Umschuldung verhandeln zu wollen. Die Abwertung der Kreditwürdigkeit der PDVSA berücksichtige die engen Verflechtungen des Staatskonzerns mit der Regierung, die "absolute Kontrolle" über die Geschäftsstrategien und Ressourcen ausübe, teilte Fitch mit. Es dürfte für Caracas schwierig werden, den Konzern zu stützen, weil beide Partner in finanzieller Schieflage seien. 

Venezuela will mit seinen Gläubigern Mitte November über die Umschuldung verhandeln. Das lateinamerikanische Land ist mit geschätzten 155 Milliarden Dollar (fast 134 Milliarden Euro) bei ausländischen Gläubigern verschuldet. Viele Investoren sehen Venezuela schon länger am Rande des Staatsbankrotts. Zuletzt hatte auch US-Ratingagentur Standard & Poor's die Kreditwürdigkeit des Gesamtstaates weiter herabgestuft. Einen entsprechenden Schritt vollzog zuvor auch Fitch.

Venezuela Präsident Nicolas Maduro (Reuters/C. Garcia Rawlins)

Die Aussichten sind düster - Nicolás Maduro

Hyperinflation und Misswirtschaft

Das Opec-Land ist auf Gedeih und Verderb von der Ölproduktion abhängig, für die der Staatskonzern PDVSA verantwortlich ist. In den Jahren des Ölbooms legte Hugo Chavez, der Vorgänger des derzeitigen Präsidenten Nicolás Maduro, großzügige Sozialprogramme auf und lieh sich dafür Milliarden Dollar an der Wall Street, mit der er sich das Wohlwollen der Wähler erkaufte. Doch dann rauschten von 2014 an die Ölpreise in den Keller.

Die Misswirtschaft nahm zuletzt immer schlimmere Formen an und führte so zu einer breiten Knappheit bei Gütern des täglichen Bedarfs und extrem hoher Inflation. Erst vor wenigen Tagen hatte Staatschef Maduro im Kampf gegen die Inflation, die dieses Jahr bei über 1000 Prozent liegen dürfte, die Einführung des größten Geldscheins in der Geschichte des Landes verkündet: 100.000 Bolivar. Vor einem Jahr war der größte Schein in Venezuela noch der 100-Bolivar-Schein, aber der war da schon praktisch nichts mehr wert.

Seit Monaten tobt zudem ein erbitterter Machtkampf zwischen dem linksnationalistischen Staatspräsidenten Maduro und der Mitte-rechts-Opposition. Bei Protesten starben seit April mehr als 120 Menschen.

qu/uh (afp, rtr, dpa)

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