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Venezuela

Venezuela lässt nach US-Drohungen Militär aufmarschieren

Nach den jüngsten Warnungen von US-Präsident Trump haben die Streitkräfte Venezuelas landesweite Übungen abgehalten. Die Zivilbevölkerung wurde aufgerufen, sich Reserveeinheiten anzuschließen.

Soldaten während der Übungen in der Hauptstadt Caracas (picture-alliance/AP/R. Mazalan)

Soldaten während der Übungen in der Hauptstadt Caracas

Als Geste der Stärke gegenüber den USA hat die venezolanische Führung für ein Großmanöver mehrere hunderttausend Soldaten aufmarschieren lassen. Armee und Bevölkerung sollten mit der Militärübung ihre Bereitschaft zur "Verteidigung des Territoriums und der Souveränität" demonstrieren, erklärte der linksnationalistische Präsident Nicolás Maduro zu Beginn des Manövers über den Kurzbotschaftendienst Twitter.

An der zweitägigen Übung sind rund 200.000 aktive Soldaten sowie 700.000 Reservisten und Angehörige von Zivilschutzeinheiten beteiligt. Die Übungen der Luftwaffe, der Marine und der Infanterie sollen am gesamten Wochenende stattfinden. Die Zivilbevölkerung wurde im staatlichen Fernsehen aufgerufen, sich Reserveeinheiten anzuschließen, um das Land gegen die "kriegerischen Drohungen der USA" zu verteidigen.

Verteidigungsminister Vladimir Padrino López erklärte, das Großmanöver richte sich gegen die "imperialistische Aggression". Am Samstag stünden Schießübungen im Mittelpunkt, am Sonntag solle es dann um Gefechtsübungen gehen.

Nicolás Maduro wird von Kritikern beschuldigt, eine Diktatur errichten zu wollen (picture-alliance/AP Photo/A. Cubillos)

Nicolás Maduro wird von Kritikern beschuldigt, eine Diktatur errichten zu wollen

Venezuelas bedrängte Führung hatte bereits zuvor klar gemacht, dass das Großmanöver eine direkte Reaktion auf die Drohung von US-Präsident Donald Trump mit einer militärischen Intervention sei. Der US-Präsident hatte vor zwei Wochen erklärt, dass er zur Lösung der Krise in Venezuela auch eine militärische Option für denkbar hält. Hochrangige Vertreter seiner Regierung waren danach aber um Beschwichtigung bemüht und beteuerten, dass es keine konkreten Pläne für eine militärische Intervention in Venezuela gibt.

Am Freitag hatte das Weiße Haus dann Finanzsanktionen angekündigt, die Venezuela empfindlich treffen könnten. So werden Geschäfte mit bestimmten Wertpapieren des venezolanischen Staates und der staatlichen Ölfirma PDVSA teilweise verboten. Die Sanktionen sollen Maduro erschweren, an frisches Geld zu kommen. Ein Importverbot für Erdöl ist allerdings zunächst nicht vorgesehen. 95 Prozent der venezolanischen Exporteinnahmen stammen aus dem Öl-Geschäft. Die USA sind der größte Abnehmer und überweisen jährlich rund zehn Milliarden Dollar nach Caracas. Zuvor hatten die USA bereits Sanktionen gegen Maduro und andere Regierungsmitglieder verhängt.

Milizionäre in der Nähe von Caracas (picture-alliance/Prensa Miraflores)

Milizionäre in der Nähe von Caracas

Nach Einschätzung des venezolanischen Militäranalysten Rocío San Miguel verfolgt das Manöver auch das Ziel, die Streitkräfte auf Loyalität zur Regierung einzuschwören. Mit der Betonung der "anti-imperialistischen Linie" sollten kritische Stimmen in den Streitkräften zum Verstummen gebracht werden, sagte San Miguel. Präsident Maduro selbst hatte die Streitkräfte am Donnerstag dazu aufgerufen, die Ränge zu schließen. "Diejenigen, die Zweifel hegen, sollen die Armee sofort verlassen", hatte er gesagt.

Schießübungen in Caracas (Getty Images/AFP/J. Barreto)

Schießübungen in Caracas

Das Land mit den größten Ölreserven versinkt seit Monaten im Chaos. Es tobt ein erbitterter Machtkampf zwischen der linksnationalistischen Regierung und der Mitte-rechts-Opposition. Ende Juli ließ Maduro eine umstrittene Verfassunggebende Versammlung wählen - diese entmachtete kurz darauf das von der Opposition kontrollierte Parlament. Kritiker im In- und Ausland werfen der Regierung vor, die Demokratie in dem wirtschaftlich schwer gebeutelten Ölstaat abzuschaffen und eine Diktatur zu errichten. Mindestens 125 Menschen wurden bei den politischen Unruhen seit Anfang April getötet.

stu/pab (afp, dpa)

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