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Sprachbar

Vegetarischer Sprachmarktplatz

Der Sprachmarktplatz bietet viel an Vegetarischem: Tomaten auf den Augen. Oder Äpfel, die nicht weit vom Stamm fallen. Vergleiche mit Obst und Gemüse sind nicht immer vorteilhaft – aber stets anschaulich.

Es gibt sie immer noch – die Spitztüte aus braunem Papier mit dem Aufdruck in grüner Schrägschrift: "Esst mehr Obst." Auf den Wochenmärkten wird Obst – und Gemüse – in solche Tüten gefüllt. Zum Beispiel Rosenkohl oder Bohnen. Kraut und Rüben sind auch in der Sprache zu finden. Noch nie was von 'Tomaten auf den Augen' gehört? Eben. Der Ausdruck rührt wohl daher, dass nach zu wenig Schlaf über einen längeren Zeitraum die Augen gerötet sind.

Antikes Ohropax

Mit der Petersilie in den Ohren verhält es sich anders. Angeblich soll Odysseus seinen Ruderern das grüne Kraut in die Ohren gestopft haben, damit sie den Gesang der Sirenen nicht hören konnten. Seltsam ist es schon, dass der antike Held ausgerechnet Petersilie zur Hand gehabt haben soll. Aber letztlich interessiert das nicht die Bohne. Eine nette, aber völlig unwichtige Geschichte.

Machen wir einen kleinen Spaziergang über den Sprachmarktplatz, der viel an Vegetarischem bereithält. Was das Obst angeht, stehen die Standards wie Äpfel und Birnen, die man angeblich nicht miteinander vergleichen kann, an erster Stelle.

Fruchtige Symbolträger

Dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt, ist eine altbekannte Redensart. Man könnte auch sagen: wie der Vater, so der Sohn. Seit der Geschichte aus dem Paradies ist der Apfel in Sprache und bildender Kunst ein Symbolträger erster Güte. Rote Bäckchen und insbesondere der weiblichen Anatomie zugehörige Körperbereiche werden gern mit der prallen Frucht verglichen, die Eva ihrem Adam einst zum Genusse bot.

Mit dem Apfel ist das so eine Sache. 1966 warnte die norwegische Sängerin Wencke Myhre: "Beiß nicht gleich in jeden Apfel, er könnte sauer sein!" Also merkt auf Männer: Lasst euch nicht gleich den Kopf verdrehen. Apropos Kopf: Er wird mitunter mit der Birne verglichen, und eine Stufe weiter mutiert er gar zur 'weichen Birne', was in etwa bedeutet 'nicht ganz normal sein'. Wer eine weiche Birne hat, kann auch 'Banane sein' oder einfach 'gaga'.

Schwerreich oder fettarm

Aber weiter zum nächsten Marktstand. Da gibt es noch Kirschen, allerdings zu einem Preis, der einem die Sprache verschlägt. Kirschen waren schon immer teuer. Im 18. Jahrhundert waren sie nur in den Gärten der Klöster und den Anlagen reicher Adliger zu finden. "Mit hohen Herren ist nicht gut Kirschen essen, sie spucken einem die Kerne ins Gesicht." So hieß es – und ein Teil dieser Redensart hat sich bis heute erhalten.

Ein paar Schritte weiter liegen Kohlköpfe. Kohl macht schlank. Die Kinostars Kate Winslet und Sean Connery haben angeblich mit Kohlsuppen mächtig abgenommen. Die Vermutung liegt nahe, dass diese Suppen fettarm zubereitet wurden. Normalerweise kommt an Kohl viel Fett dran. Nicht nur ein Klacks Butter oder ein Löffelchen Schmalz. 'Das macht den Kohl nicht fett' heißt es dann. So wenig ist nicht entscheidend, unbedeutend sogar.

Kohlohr und Kartoffelnase

Der Blumenkohl, schneeweiß und einer üppigen Blüte nicht unähnlich, muss für einen garstigen Vergleich herhalten. Nämlich für die 'Blumenkohlohren' der Boxer. Wer jahrelang was auf die Nuss kriegt, bis er eine weiche Birne bekommt, der hat am Ende eben 'Blumenkohlohren' und zu allem Überfluss noch die berühmte 'Kartoffelnase'.

Nun hätten wir beinahe das Kraut und die Rüben vergessen. 'Wie Kraut und Rüben', das bedeutet in der Umgangssprache so viel wie 'heilloses Durcheinander'. Wenn auf den Feldern Rüben geerntet werden und auf einem großen Haufen liegen, mag das so aussehen. Aber ein Durcheinander ist es nicht.

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