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Kultur

Veedelszüge Alaaf

Köln ist bekannt für seinen Karneval. Im Allgemeinen gilt der Rosenmontagszug als Höhepunkt. Tatsächlich aber schätzen viele etwas anderes an den tollen Tagen: Den Kneipenkarneval vor der Haustür und die Stadtteilumzüge.

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Karneval für den Nachwuchs

Die Musikband "Bläck Föss" gehört zum Herzen des Kölner Karnevals. Die Jecken lieben es, ihre Lieder voller Inbrunst mitzusingen, und das gilt insbesondere für "In unserem Veedel" - auf hochdeutsch: "In unserem Viertel". Viele Kölner feiern Karneval nämlich am liebsten in ihren Eckkneipen und auf "Veedelszügen". So gibt es zwischen Weiberfastnacht und Veilchendienstag in Köln bis zu 50 Stadtteilumzüge.

Höhepunkt ist der gemeinsame Schull- un Veedelszoch am Karnevalssonntag. Vereine, Stammtische, Sportgruppen, Schulen, ja selbst große Familien, laufen dann im Zug mit und werfen Kamelle und Strüßjer - Bonbons und Blumensträuße.

Schull- und Veedelszöch

Die 53 "Veedelsvereine" und 38 Schulen ziehen über den gleichen Kurs wie der große Rosenmontagszug

Mit dem Schull- un Veedelszoch kann es nicht einmal der Rosenmontagszug aufnehmen, meinen zumindest viele Jecken:

"Das Enkelchen mit der Schulklasse geht mit. Und dadurch ist für mich der Sonntagszug schöner, weil noch naturgetreuer, weil jeder was selbst macht."

"Die Sonntagszüge sind ein bisschen ursprünglicher und ein bisschen schöner. Macht mehr Spaß. Ist nicht so professionell."

Fast dörfliches Treiben

Einen der größten Veedelszüge mit bis zu 300.000 Zuschauern gibt es in Ehrenfeld. Der Stadtteil liegt im Kölner Westen und war früher ein Industrievorort. Heute leben hier Junge und Alte, Yuppies, Studenten und ausländische Familien Tür an Tür. Die einen schätzen die Nähe zur Innenstadt und die bunte Kneipenvielfalt, die anderen die relativ niedrigen Mieten.

Wer beim Veedelszoch im Februar mitgeht, beginnt häufig schon im Oktober mit den Vorbereitungen, wie zum Beispiel die Schüler des Albertus-Magnus-Gymnasiums. Die Schule hat einen Theater- und Medienzweig, der in diesem Jahr sein fünfjähriges Jubiläum feiert. Die Verkleidung soll daran anknüpfen. Die Schüler wollen als "laufende Theater" gehen und sich dafür Pappkartons umschnallen, die wie ein Puppentheater aussehen.

Auf den letzten Drücker

Während die Schüler ihre Kostüme in einem strengen Zeitkorsett pünktlich fertig gestellt haben, wird es für den ein oder anderen Lehrer plötzlich knapp. "Ich hatte bisher noch keine Zeit, habe mir jetzt endlich den Termin geben lassen. Irgendwie bin ich spätberufen. Als ich als Student nach Köln kam, fand ich Karneval ganz furchtbar, so ein Ventil für Spießer. Und dann habe ich erlebt, wie viel Spaß die Leute hatten."

Karnevalsdreikäsehoch

So mühsam kann Kamelle-Fangen sein

Den Spätberufenen begeistert, dass die meisten Leute einfach aus Freude wochenlang Sachen machen, sich drauf vorbereiten, dann fünf Tage nicht mehr ansprechbar sind, und das aber mit einer archaischen Freude tun. "Das einzige, was mir nicht gefällt, ist der Rosenmontag, da geht es nur ums Geschäft. Aber alles andere ist toll."

Erst recht wenn es beim Veedelszug dann wieder heißt: "Kamelle, Kamelle, Kamelle"!

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