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Kultur

Vatikankenner: Aufräumer hat seinen Job getan

Ernst von Freyberg verlässt seinen Posten als Präsident der Vatikanbank. In seiner Amtszeit hat er gründlich aufgeräumt, sagt der Vatikankenner Klaus Müller.

DW: Herr Prof. Müller, von Freyberg kam als Aufräumer zum skandalumwitterten Istituto per le Opere di Religione. Hat er seinen Job gemacht, Gottes schwarze Kasse zu säubern?

Klaus Müller: Ich denke schon. Von Freyberg hat sämtliche Konten prüfen und mehr als tausend Konten schließen lassen, die ihm nicht sauber erschienen. Insofern hat er seinen Job gut gemacht. Warum er jetzt weggeht, dazu gibt es ganz verschiedene Ideen. Die einen sagen, er möchte aus privaten Gründen zu seiner Familie zurückgehen. Andere sagen, er geht, weil er mit einem Vertrauten des Papstes nicht klar kommt. Was genau dahinter steckt, kann man nicht wissen.

Was ist Ihre Vermutung?

Ich vermute, dass er sehr streng und scharf sein Programm durchzog - und möglicherweise mit Leuten aneinander geriet, die noch zur alten Garde des früheren Staatssekretärs Bertone gehörten. Das könnte gut sein.

Das heißt, von Freyberg hat sich Feinde gemacht?

Könnte ich mir vorstellen.

Wer sind diese Feinde?

Ich kann keine Namen nennen. Aber es gibt Leute, die mit dem ganzen Programm von Papst Franziskus nicht einverstanden sind, der auf Klarheit dringt und auf Verschlankung der Verwaltung. Es könnten Leute sein, die sich dem entgegenstellen.

Es gibt das Gerücht, von Freyberg lässt seine Familie aus Sicherheitsgründen in Deutschland?

Das habe ich auch gehört. Was daran ist, weiß ich nicht.

Steckt hinter der Rücktrittsspekulation, die der Vatikan ja mittlerweile indirekt bestätigt hat, auch ein Streit um die Ausrichtung des Vatikans? Also Zentralisierung unter einem Finanzminister hier und mehr Unabhängigkeit der Vatikanbank nach von Freybergs Lesart dort?

Ja, das könnte sein. Denn Papst Franziskus hat ja den Kardinal Pell aus Sydney/Australien nach Rom geholt, um eine neue Struktur für die Finanzverwaltung zu schaffen. Es könnte sein, dass sie weniger bedeutsam wird, als sie bisher war - und in diesem Kontext auch die ganzen Besetzungen verändert werden.

Es geht also um die Frage: Legt der Papst seine Finanzverwaltung in die Hände eines Finanzministers?

Genau. Man versucht derzeit, die Strukturen in der Vatikanverwaltung und -administration zu verschlanken. Und es könnte sein, dass sich daraus viele Veränderungen ergeben, die eben jetzt auch die Vatikanbank betreffen.

Was sagt dieser Konflikt um die Vatikanbank über die Reform der Kurie, die Papst Franziskus vorantreibt?

Ich hoffe nur, dass er die Kraft hat und genügend Helfer, die Veränderungen durchzusetzen. Denn so viel Zeit bleibt ihm nicht, schon vom Alter her.

Klaus Müller, Jahrgang 1955, ist römisch-katholischer Priester und Professor für Fundamentaltheologie und Religionsphilosophie sowie Direktor des Seminars für Philosophische Grundfragen der Theologie an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster. Auch zählt er zum Excellenzcluster "Religion und Politik" der Uni Münster.

Das Interview führte Stefan Dege

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