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Aktuell Europa

Vatikanbank bekommt neuen Chef

Nach den Skandalen um Korruption und Geldwäsche bei der Vatikanbank räumt Papst Franziskus in dem Institut weiter auf. Jetzt startet eine neue Reformphase mit einem neuen Manager an der Spitze.

Der französische Finanzfachmann Jean-Baptiste de Franssu wird neuer Leiter der Vatikanbank. Das teilte der Vatikan am Mittwoch mit. Franssu wird damit Nachfolger des deutschen Unternehmers Ernst von Freyberg. Wegen anderer Verpflichtungen stehe von Freyberg nicht in Vollzeit für die Bank zur Verfügung.

Nach dem Willen der vatikanischen Gremien soll die neue Spitze unter Leitung des Franzosen die nächsten Reformschritte des Geldinstituts umsetzen, das wegen Korruptions- und Geldwäsche-Vorwürfen in die Schlagzeilen geraten war. Zugleich wurden weitere Strukturreformen für die Güterverwaltung, den Pensionsfonds und die Medien des Vatikan angekündigt. Der 51-jährige Franssu leitete bisher das auf Fusionen spezialisierte Beratungsunternehmen Incipit in Brüssel.

Berufung neuer Verwaltungsratsmitglieder

Außerdem wurden fünf weitere Verwaltungsratsmitglieder für die Bank berufen, darunter der deutsche Banker und ehemalige Aufsichtsratschef der Deutschen Bank, Clemens Boersig, und die US-amerikanische Juristin Mary Ann Glendon. Sie war kurzzeitig Botschafterin ihres Landes beim Heiligen Stuhl.

Franssus Vorgänger von Freyberg sagte der Wochenzeitung "Die Zeit", er werde noch zwei Monate bei der Bank bleiben, "um den Übergang zum neuen Management zu begleiten". Er halte es für "vollkommen verständlich", dass Papst Franziskus den Posten "mit einem Vertrauten" besetzen wolle. Von Freyberg war im Februar 2013 noch von Benedikt XVI. berufen worden, um die von Skandalen geplagte Bank zu leiten.

Jean-Baptiste de Franssu (Foto: AP)

Der neue Chef der Vatikanbank: Jean-Baptiste de Franssu

Massiver Verlust

Aus dem für das Jahr 2013 vorgelegten Jahresbericht geht hervor, dass der Gewinn der Vatikanbank, die offiziell "Istituto per le Opere di Religione" heißt, auf 2,9 Millionen Euro geschrumpft ist. 2012 hatte der Gewinn noch bei 86,6 Millionen Euro gelegen. Trotz des massiven Gewinneinbruchs werde die Vatikanbank auch in diesem Jahr wieder rund 50 Millionen Euro an den Papst überweisen, kündigte von Freyberg an. "Das Geld nehmen wir aus unseren Reserven, die insgesamt etwa 400 bis 450 Millionen Euro groß sind."

Die Bank teilte mit, dass sämtliche Konten "kontrolliert" und etwa 3000 von ihnen gelöscht worden seien. Etwa 2600 dieser Konten seien lange Zeit nicht genutzt worden. Künftig sei es nur noch katholischen Institutionen, Mitgliedern des Klerus, Angestellten des Vatikan sowie Diplomaten und Botschaftern am Sitz des Heiligen Stuhls möglich, ein Konto bei der Vatikanbank zu unterhalten.

Gründung eines Schatzamtes beschlossen

Das vatikanische Wirtschaftssekretariat beschloss zudem die Einrichtung eines Schatzamtes für den Heiligen Stuhl. Die entsprechenden Kompetenzen werden demnach künftig von der Güterverwaltung des Apostolischen Stuhls (APSA) ausgeübt. Diese solle die Beziehungen zu allen wichtigen Zentralbanken pflegen. Die APSA werde damit für die Liquidität und finanzielle Stabilität des Heiligen Stuhls sorgen, sagte der Präfekt des vatikanischen Wirtschaftssekretariats, der australische Kurienkardinal George Pell. Die Abteilung der APSA für Liquidität und Immobilienverwaltung wird auf das Wirtschaftssekretariat übergehen, um zu einer effektiven Kontrolle des vatikanischen Finanzwesens beizutragen.

cr/SC (epd, kna, dpa, afp)