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Politik

Vatikan fordert Widerruf von Holocaust-Leugner Williamson

Nach weltweiter Empörung und Protesten auch von Bundeskanzlerin Merkel hat der Vatikan den britischen Bischof und Holocaust-Leugner Williamson zum Widerruf aufgefordet.

Papst Benedikt (Bild :AP)

Papst Benedikt bei einer Generalaudienz im Vatikan

Um als katholischer Bischof vollständig rehabilitiert zu werden, "muss Williamson in unmissverständlicher Weise öffentlich von seinen Erklärungen zur Shoah Abstand nehmen", heißt es in einer am Mittwoch (04.02.2009) veröffentlichten Erklärung des Vatikans.

Vatikan nimmt Papst in Schutz

Papst Benedikt XVI. habe von der Holocaust-Leugnung Williamsons nichts gewusst. Wie schon am 28. Januar vom Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche bekräftigt, seien "die Äußerungen Williamsons absolut inakzeptabel und werden vom Papst abgelehnt". Am Vormittag hatte sich der Papst auf seiner wöchentlichen Generalaudienz nicht zum Fall Williamson geäußert.

Ermittllungen gegen Williamson

Holocaust-Leugner Williamson (Bild:dpa)

Holocaust-Leugner Williamson

Der Bischof hatte zuletzt in einem Interview mit dem schwedischen Fernsehen behauptet, den Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden durch Nazi-Deutschland habe es nicht gegeben. Da das TV-Gespräch in Bayern stattfand, ermittelt die Staatsanwaltschaft Regensburg gegen Williamson wegen des Verdachts der Volksverhetzung. Auf die Aufforderung des Vatikan reagierte Williamson bislang nicht.

Am 24. Januar hatte Benedikt die Rücknahme der Exkommunikation von Williamson und drei weiteren Bischöfen der ultrakonservativen "Piusbruderschaft" bekanntgegeben. Die Teilrehabilitierung der Traditionalisten, so jetzt der Vatikan, habe den vier Bischöfen nicht ihre Funktionen innerhalb der Kirche zurückgegeben. "Um eine vollständige Rehabilitierung zu erlangen, ist eine eindeutige Anerkennung des II. Vatikanischen Konzils und der Päpste Johannes XXIII., Paul VI., Johannes Paul II. und Benedikts XVI. selbst unabdinglich", betonte der Vatikan. Bisher hätten die Traditionalisten kein Recht, ihre Bischofsämter auszuführen.

Merkel verlangte Klarstellungen

Bundeskanzlerin Merkel, Papst Benedikt und Bundespräsident Köhler (Bild: AP)

Bundeskanzlerin Merkel und Bundespräsident Köhler begrüßen den Papst zum Auftakt seines Deutschlandbesuchs im September 2006

Der Vatikan äußerte sich einen Tag nachdem Bundeskanzlerin Angela Merkel von Benedikt XVI. eine eindeutige Erklärung verlangt hatte, wonach es keine Leugnung des Holocaust geben dürfe. Am Mittwoch ließ Merkel die Kritik einiger Bischöfe und von CSU-Politikern zurückweisen, sie habe sich damit in kirchliche Belange eingemischt. Die Kanzlerin habe sich zu einer "politischen Grundsatzfrage" geäußert, sagte Regierungssprecher Ulrich Wilhelm.

Die Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, begrüßte die Erklärung des Vatikan als ersten Schritt zur Wiederaufnahme des katholisch-jüdischen Dialogs.

Zentralrat und Bischofskonferenz erfreut

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland (Bild: dpa)

Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrats der Juden in Deutschland (Archivbild)

Die deutliche Aufforderung des Papstes an Bischof Williamson sei ein positives Signal, auf das die Öffentlichkeit schon lange gewartet habe, erklärte Knobloch. Der Präsident des Jüdischen Weltkongresses, Ronald S. Lauder, nannte den Appell des Vatikan ein entscheidendes Zeichen.

Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, erklärte, der Vatikan habe mit der Aufforderung an Willianson zum Widerruf klargestellt, dass für Leugner des Holocausts kein Platz in der katholischen Kirche sei und jede Form von Antisemitismus verurteilt werde. (wl)

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