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Politik

Vatikan fordert Widerruf von Holocaust-Leugner Williamson

Einen Tag nach der Forderung von Bundeskanzlerin Merkel an den Papst nach Klarstellungen zum "Fall Williamson" hat der Vatikan den britischen Bischof aufgefordert, seine Leugnung des Holocaust zu widerrufen.

Der Petersdom im Vatikan-Staat in Rom (Bild AP)

Der Petersdom im Vatikan-Staat in Rom

Richard Williamson solle sich "eindeutig und öffentlich" von seiner Äußerung, den Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden habe es nicht gegeben, distanzieren, hieß es in einer am Mittwoch (04.02.2009) veröffentlichten Erklärung des Vatikan. Der Papst habe von den Ansichten Williamsons zum Holocaust nichts gewusst, als er dessen Exkommunikation aufgehoben habe.

Zuvor war Benedikt XVI. auf seiner wöchentlichen Generalaudienz mit keinem Wort auf den aktuellen Streit um Williamson eingegangen. Zur Forderung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nach einer Klarstellung gab das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche keinen Kommentar ab.

Vatikan weist Merkels Forderungen zurück

Bereits am Dienstagabend hatte Vatikansprecher Federico Lombardi erklärt, die Verurteilung jeder Leugnung des Holocaust durch den Papst könne "klarer nicht sein". Weitere Erklärungen seien daher nicht nötig und unangebracht.

Budneskanzlerin Merkel und Papst Benedikt (Bild AP)

Bundeskanzlerin Merkel beim Papst im Sommer 2006 (Bild: Archiv)

Merkel hatte zur Begründung ihrer Forderungen an den Papst erklärt, beim Fall Williamson gehe es um grundsätzliche Fragen bis hin zu einem "positiven Umgang mit dem Judentum insgesamt". Die zur Leugnung des Holocaustes durch Williamson erforderlichen Klarstellungen des Papstes seien aus ihrer Sicht noch nicht erfolgt, so Merkel am Dienstag in Berlin.

Erzkonservative Bruderschaft rehabilitiert

Williamson ist einer von vier Bischöfen der erzkonservativen "Piusbruderschaft", dessen Exkommunikation der Vatikan vor knapp zwei Wochen aufgehoben hatte.

In Deutschland erhielt die Bundeskanzlerin für ihre Haltung Zustimmung quer durch die Parteien, es gab aber auch kritische Stimmen.

Breite Zustimmung für Merkel in Berlin

Der britische Bischof Williamson (Bold: dpa)

Der britische Bischof Williamson

SPD-Chef Franz Müntefering forderte den Vatikan auf, die Rehabilitierung Williamsons rückgängig zu machen. "Ich halte die Rehabilitierung eines Bischofs, der den Holocaust leugnet, für inakzeptabel. Das ist ein schwerer, historischer Fehler, den die Kirche so schnell wie möglich korrigieren muss", sagte Müntefering der "Berliner Zeitung".

Der SPD-Chef kritisierte den Papst auch persönlich. Auf die Frage, ob Benedikt dabei sei, seine Rolle als moralische Instanz zu verlieren, sagte Müntefering: "Er hat gerade deutlich demonstriert, dass auch ein Papst hier nicht unfehlbar ist".

Auch die Kirchenbeauftragten der Bundestagsfraktionen von Union, SPD, Linkspartei und Grünen äußerten Unverständnis über die Haltung des Vatikans. Die CDU-Abgeordnete Ingrid Fischbach sagte im Deutschlandfunk, in der Bundesrepublik sei das Leugnen der Judenvernichtung ein Straftatbestand. Daher sei es angebracht, dass die Kanzlerin Position beziehe. Es gehe auch um das Ansehen Deutschlands.

Der Berliner Erzbischof Kardinal Georg Sterzinsky forderte ebenfalls eine Korrektur der Papst-Entscheidung. Es müsse "sofort angekündigt werden", dass eine Überprüfung stattfinde, sagte Sterzinsky im Fernsehen der Deutschen Welle (DW-TV).

Bischöfe kritisieren Kanzlerin

Aus den Reihen der katholischen Bischöfe sowie aus der CSU kam aber auch Kritik an den Äußerungen Merkels. Der Eichstätter Bischof Gregor Maria Hanke nannte es "unbegreiflich und empörend", wie die Integrität Benedikts XVI. derzeit sogar von staatlicher und politischer Seite infrage gestellt werde.

Auch der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller wies Kritik an Benedikt XVI. scharf zurück. Im ARD-Morgenmagazin sagte er, der Streit um die Wiederaufnahme des Holocaust-Leugners Williamson sei eine gegen den Papst gerichtete Kampagne. Der Papst habe keine Fehler gemacht, er müsse sich daher nicht entschuldigen.

Der Vorsitzende der CSU-Grundsatzkommission, Alois Glück, sagte der 'Financial Times Deutschland', er halte die Äußerungen der Kanzlerin für "unglücklich und unangemessen". Es sei nicht die Aufgabe politischer Mandatsträger, sich zum Papst zu äußern.

Der CSU-Politiker Norbert Geis nahm Benedikt XVI. in Schutz. "Der Papst hat die Sache bereits klargestellt", sagte Geis, Mitglied im Kuratorium des Forums deutscher Katholiken, der "Stuttgarter Zeitung". Merkel hätte sich vor einer solchen Einlassung genauer informieren müssen.

Unterstützung vom Zentralrat

Dagegen begrüßte der Zentralrat der Juden Merkels Äußerung ausdrücklich. "Hochachtung und Anerkennung für die Bundeskanzlerin, dass sie sich in dieser diffizilen Angelegenheit zu Wort meldet", sagte der Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung". Dies zeige, welche Umsicht und welches Verantwortungsgefühl sie habe.

Als Ausweg aus der Krise sieht Kramer ein Gespräch zwischen Zentralrat, Bischöfen und dem Papst. "Ich werde meinen Gremien vorschlagen, mit der Bischofskonferenz zusammen ein Gespräch mit dem Papst zu führen", sagte Kramer. Es könne nicht im Interesse des Zentralrats sein, die Kirche zu schwächen. "Gerade in der heutigen Zeit brauchen wir eine starke Kirche. Die Religionsgemeinschaften haben eine große Verantwortung." (wl)

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