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Nahost

Vatikan baut in Bahrain

Der König von Bahrain hat der katholischen Kirche ein 9000 Quadratmeter großes Grundstück für den Bau einer Kathedrale geschenkt. Vor allem radikale Muslime protestieren.

Ein katholisches Gotteshaus gibt es in Bahrein bereits seit 1939: die Herz-Jesu-Kirche in der Landeshauptstadt Manama, die älteste katholische Kirche am Persischen Golf. Eine zweite steht in Awali, einer ehemaligen Ölstadt im Zentrum des Landes. Diese teilen sich die Katholiken mit der Anglikanischen Kirche. Jetzt soll eine weitere Kirche hinzukommen, größer als die vorhandenen, mit mehr Platz für Gläubige. Neben dem Gotteshaus sollen außerdem Einrichtungen entstehen, die den Mitarbeitern des zukünftigen Bischofssitzes dort dienen.

Christin in Bahrain Foto: Hasan Jamali (AP)

Christin in Bahrain: Kathedrale für eine große Minderheit

Die Gründe für den Neubau sind denkbar einfach: Von den 1,3 Millionen Einwohnern Bahreins sind etwa 850.000 Muslime und 450.000 Menschen anderen Glaubens, das hat eine Volkszählung im Jahr 2010 ergeben. Die Zahl der Christen wird auf 80.000 bis 120.000 geschätzt. Den Bischofssitz der arabischen Halbinsel vom bisherigen Standort in Kuwait nach Bahrain zu verlegen begründet die Katholische Kirche damit, dass dort leichter Visa für Treffen von Kirchenoberen zu bekommen seien.

Bahrains König im Vatikan

Den Plan eine neue Kirche in Bahrain zu bauen, gibt es schon länger. Konkret wurde die Sache nach einer Neuordnung der Kirchenorganisation und der damit verbundenen Zuständigkeiten auf der arabischen Halbinsel im Mai 2011. "Danach gab es einen Besuch des Königs von Bahrain, Hamad bin Issa bin Salman al-Khalifa, im Vatikan", sagt Harald Suermann, Direktor des missionswissenschaftlichen Institutes Missio in Aachen. "Dort wurde der Wunsch nach einer neuen Kirche in Bahrain geäußert. Diesen Wunsch hat der König wohl erfüllt. Insofern gibt es da neue Beziehungen zwischen Vatikan und Bahrain und man versucht, dort einen neuen Amtssitz zu errichten", so Suermann im Gespräch mit der Deutschen Welle.

Politische Imagepolitur

Der König von Bahrain, Hamad bin Issa bin Salman al-Khalifa Foto: Hasan Jamali (AP)

Gute Kontakte zum Vatikan: König Hamad al-Khalifa

Die großzügige Geste des Königs ist jedoch keineswegs nur möglicher religiöser Toleranz des Herrschers zu verdanken oder der pragmatischen Entscheidung, den Christen im Land einen weiteren Ort zu bieten, um ihren Glauben zu leben. Katja Niethammer, Islamwissenschaftlerin an der Uni Hamburg sieht den Grund in einem politischen Schachzug. Das Hauptinteresse des Königs sei, für bessere Presse zu sorgen im Westen und die Beziehungen symbolisch zu verbessern: "Denn Bahrain war ja extrem repressiv bei den Aufständischen im Arabischen Frühling. Und nicht nur da. Wir haben dort ja eine schiitische Bevölkerungsmehrheit, die seit vielen Jahren mehr Demokratie fordert, mehr Mitsprache und politische Partizipation. Und diese Protestbewegung wurde durch das Königshaus niedergeschlagen und unterdrückt."

Im Grunde ein inner-islamischer Streit

Vor allem radikale islamische Gruppen in Bahrain haben in den vergangenen Monaten heftig gegen den geplanten Kirchenbau protestiert. Dass sich die Gemüter beruhigen, ist nicht abzusehen, meint Harald Suermann vom Aachener Missio-Institut: "Es sind ja radikalere Tendenzen nicht nur in Bahrain, sondern überall auf der arabischen Halbinsel zu hören, die ja auch eine Tradition haben. Denn es darf ja keine Kirche dort entstehen oder dort wiedererrichtet werden, wo der Islam geboren wurde. Das gilt für viele Muslime als heiliger Boden, wo eine andere Religion nichts zu suchen hat." Doch gebe es auch andere Tendenzen unter den Muslimen, betont Suermann, die für eine viel größere Toleranz sprechen. Er hält den Konflikt für eine im Wesentlichen inner-islamische Auseinandersetzung, von der die Christen jetzt betroffen sind.

Konkurrenz schürt den Konflikt

Katja Niethammer Foto: DW-Archiv

Katja Niethammer: Geste des Königs ist Imagepolitur

Ganz ähnlich sieht Islamwissenschaftlerin Niethammer die Situation: "Die Lage ist sehr angespannt. Es gibt viele politische Häftlinge. Und es gibt eine ganz starke konfessionelle Aufladung dieses Konfliktes, aber es ist kein echter religiöser Konflikt." so Niethammer im DW-Interview. Die Bevölkerungsmehrheit, die Schiiten, seien überwiegend gegen das Herrscherhaus. Die Sunniten hingegen seien die Gruppe, die das Herrscherhaus stützt. "Es ist vereinfacht so, dass unter den Sunniten eher Radikale zu finden sind, die im Grunde keine anderen Religionen dort tolerieren. Aus diesen Kreisen gab es die ersten Proteste gegen den Kirchenneubau."

Weil die Lage so angespannt ist, schaukle sich der Konflikt nun ganz schnell hoch. Die verfeindeten islamischen Gruppen stünden im Konkurrenzkampf miteinander nach dem Motto: 'Wer setzt sich am meisten für den Islam und das arabische Land ein': "Und das in einer Situation, die ohnehin einem Pulverfass gleicht. Ansonsten müsste diese Kirche in der Wüste die Bahrainer nicht besonders berühren", analysiert Katja Niethammer. Der Konflikt zwischen Muslimen und Christen wird sich also genauso wie der zwischen Sunniten und Schiiten in Bahrain sicher eher noch verschärfen statt beruhigen.