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Aktuell Amerika

Vater von getötetem US-Teenager bittet vor Beisetzung um Ruhe

Bitte keine Proteste! Die Eltern des erschossenen schwarzen Teenagers Michael Brown aus Ferguson wollen ihren Sohn in Frieden beerdigen. Sie wünschen sich, dass die Trauerfeier in St. Louis würdevoll bleibt.

Der Vater des erschossenen US-Teenagers Michael Brown appellierte an die Bevölkerung in der Kleinstadt Ferguson im Bundesstaat Missouri, Proteste zu unterlassen, wie der Nachrichtensender CNN meldet. "Bitte, bitte, schweigt für einen Tag, damit ich, damit wir unseren Sohn zu Grabe tragen können. Das ist alles, was ich von Euch will", sagte Michael Brown senior (Artikelbild) bei einer Kundgebung in Ferguson. Am Tag der Beerdigung wünsche er sich einfach nur "Frieden".

Der unbewaffnete Michael Brown Teenager war am 9. August unter ungeklärten Umständen von einem weißen Polizisten erschossen worden. Der Tod des 18-Jährigen löste eine Serie von schweren Ausschreitungen aus. Es gibt immer noch täglich Demonstrationen, die inzwischen aber meist friedlich bleiben. Am Wochenende blieben Zusammenstöße aus.

Am Sonntag versammelten sich in Ferguson rund 400 überwiegend schwarze Demonstranten, um an Brown zu erinnern. Neben dessen Eltern nahmen an der Kundgebung auch die Eltern des schwarzen Teenagers Trayvon Martin teil, der im Februar 2012 in der Stadt Sanford in Florida von einem weißen Mitglied einer Nachbarschaftswache erschossen worden war.

Tausende Trauergäste

Für die Trauerfeier in einer Baptistenkirche in St. Louis werden an diesem Montag mehr als 5000 Menschen erwartet. Die Feier soll um 10 Uhr Ortszeit (17 Uhr MESZ) beginnen. Der schwarze Bürgerrechtler Al Sharpton wird zu den Trauernden sprechen. Auch er bat um einen friedlichen Ablauf. "Wir wollen nicht, dass irgendetwas passiert, das den Namen von Michael Brown entehrt", sagte Sharpton. Die Polizei hat sich nach Medienberichten sorgfältig auf den Ansturm von Menschen vorbereitet, will sich aber völlig im Hintergrund halten.

Auch US-Präsident Barack Obama schickt eine Delegation. Einer der drei Delegationsmitglieder hatte die High School mit der Mutter des getöteten Teenagers besucht. Brown soll noch am selben Tag auf einem Friedhof in St. Louis County beigesetzt werden. Am Montag beginnt auch das neue Schuljahr in der Region. Wegen der Proteste war der Schulbeginn um einige Tage verschoben worden.

Eine Grand Jury prüft derzeit, ob gegen den Todesschützen Anklage erhoben werden soll. Dieses Verfahren könnte nach Angaben der zuständigen Staatsanwaltschaft bis Mitte Oktober dauern. Die Bundesbehörden ermitteln ebenfalls. Am Wochenende fand in St. Louis eine Unterstützungskundgebung für den Schützen statt. Bisher seien nach Angaben der Veranstalter für den Polizisten mehr als 400.000 Dollar (rund 300.000 Euro) an Spenden gesammelt worden, berichtete CNN. Der Polizist hat nach dem Vorfall mehrere Todesdrohungen erhalten und hält sich an einem unbekannten Ort auf. Er ist vorläufig vom Dienst befreit und bezieht weiter sein Gehalt.

kle/ml (afp, dpa, rtre)