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Filme

Vater des populären politischen Films: Der Regisseur Costa-Gavras

Er hat das Genre wie kein anderer geprägt: Der in Griechenland geborene französische Regisseur Costa-Gavras. Jetzt ist er Gast beim Festival "Hellas Filmbox" in Berlin. Ein Rückblick auf sein Oeuvre.

Seine Heimat hat er nicht vergessen. Und so dürfte es dem Regisseur Costa-Gavras eine Freude und Ehre sein, als Stargast der zweiten Ausgabe des Festivals "Hellas Filmbox" (18.1.-22.1.) zu agieren. Das Festival widmet sich dem aktuellen griechischen Filmgeschehen. Für genügend Diskussionsstoff dürfte gesorgt sein. Das Land befindet sich seit Jahren in einer wirtschaftlichen Krise und ist gesellschaftlich gespalten.

Geboren in Arkadien, richtet Costa-Gavras den Blick aufs Weltgeschehen

Costa-Gavras wurde im Februar 1933 in Griechenland geboren, in der Provinz Arkadien im Zentrum der Peloponnes. Ein mythischer Landstrich, der irgendwann in Europa als Synonym für ein Leben jenseits aller Nöte und Sorgen galt. Costa-Gavras hat sich in seinem späteren Werk dann ganz besonders mit dem Leid der Völker unter Militärdiktaturen und den Folgen auseinandergesetzt, die diese für den Einzelnen nach sich ziehen. Das sorgenlose Leben Arkadiens wurde nicht zu seinem bevorzugten Thema.

1965 nahm er die französische Staatsbürgerschaft an

Sein Vater, ein Kommunist, hatte sich schon gegen die deutschen Besatzer Griechenlands während des Zweiten Weltkriegs zur Wehr gesetzt. Im Nachkriegs-Griechenland sah er sich Repressalien des griechischen Staates ausgesetzt. Das hatte schließlich auch Auswirkungen auf das Leben des Sohnes. Konstantínos Gavrás verließ 1954 seine Heimat und ging nach Paris, nannte sich von da an Costa-Gavras. Nach Literatur- und Filmstudium assistierte er bei einer Reihe berühmter Regisseure des französischen Kinos. Zwei Jahre später nahm er die Staatsbürgerschaft der "Grande Nation" an und debütierte 1965 als Regisseur.

Flash-Galerie Yves Montand (AP)

Der junge Regisseur an der Seite seiner Stars Irene Papas und Yves Montand bei der US-Premiere von "Z"

In der Folge drehte er zahlreiche Politthriller über die jeweils aktuellen Krisenherde der Welt, nahm Militärdiktaturen in Südamerika und Europa in den Blick, den Nahost-Konflikt, Gegenwart und Holocaust-Vergangenheit, aber auch Verwerfungen innerhalb moderner Demokratien inklusive Rassismus und Antisemitismus. Auch in seinen letzten Filmen, gedreht in hohem Alter, ließ das Engagement nicht nach. Costa-Gavras Alterswerke behandelten Sujets wie die globale Finanzkrise oder widmeten sich der Flüchtlingsproblematik.

Ehrengast beim Festival "Hellas Filmbox"

Nach Berlin ist Costa-Gavras nun gekommen als Ehrengast des Festivals "Hellas Filmbox", das sich dem aktuellen Filmgeschehen seines von gleich mehreren Krisen durchgeschüttelten Heimatlandes widmet. Das Image des auf Politthrillers spezialisierten Regisseurs mag er nicht: "Was heißt das: Politthriller?" fragt Costa-Gavras im Gespräch mit der Deutschen Welle: "Ich fühle mich nicht dafür verantwortlich, dass man mir zuschreibt, ich würde Politthriller bzw. politisches Kino machen. Meine Filme sind zuallererst Spektakel mit guten Schauspielern, einem Rhythmus, einem guten Drehbuch, mit guten Dialogen und ab und zu mit etwas Leichtigkeit, mit etwas das die Zuschauer zum Lachen bringt."

Costa-Gavras bezog das große Publikum stets mit ein

Dennoch: Costa-Gavras ist seit jeher ein dezidiert politischer Filmemacher. Immer aber auf eine Art und Weise, die ein großes Publikum mit einbeziehen will. Besonders interessiert ihn dabei ein Thema: "Das was mich in allen meinen Filmen umtreibt, ist die Frage der Macht ganz unten bis an die Spitze der Macht-Pyramide. Ich habe Macht über meine Kinder, über mein Filmset und über mich gibt es welche, die Macht über mich haben. Die Art, wie jemand die Macht, die ihm zur Verfügung steht, ausübt, macht seine Umgebung glücklich oder unglücklich." 

Der Regisseur, der meist mit Stars des internationalen Films arbeitet, nutzt die dramaturgischen Tricks und die Ästhetik des Spannungskinos. Das ist ihm von verschiedener Seite auch immer wieder vorgeworfen worden.

Costa-Gavras (Hellas Filmbox)

Regisseur Costa-Gavras in seinem Metier

Costa-Gavras opfere seine Sujets einer konventionellen Hollywood-Ästhetik, lautete ein nicht selten erhobener Vorwurf. Der Regisseur schleppte so schon früh den von einigen linken Aktivisten als Makel empfundenen Ruf eines populären Filmemachers mit sich. Politisch engagierte Spielfilm-Regisseure wie Jean-Luc Godard standen in den späten 1960er und 1970er Jahren am anderen Ende des filmischen Kosmos. Das Publikum aber folgte dem mit vielen Preisen ausgezeichneten Costa-Gavras, sodass viele seiner Filme auch an den Kinokassen erfolgreich waren.

Auch als Film-Vermittler engagierte sich der gebürtige Grieche, leitete bereits in den '80er Jahren für einige Zeit die legendäre "Cinémathèque française" in Paris, der er auch seit 2017 wieder vorsteht.

Fragen an das politische Kino

"Brauchen wir das große politische Kino eigentlich noch, bzw. was kann Kino in der heutigen Zeit bewegen?" Diese Frage will das Festival "Hellas Filmbox" beantworten. Costa-Gavras ist skeptisch: "Jemand der sagt, er drehe Filme um die Welt zu verändern, muss doch etwas verrückt sein," so der Regisseur gegenüber DW. "Ich mache Filme mit Geschichten, die mich persönlich stark interessieren. Ich habe in 40 Jahren rund 20 Filme gedreht. Nicht gerade viel. Aber jedes Mal ist es für mich eine Angelegenheit von Liebe und Leidenschaft."

Das Festival "Hellas Filmbox" findet vom 18.1. bis 22.1. in Berlin statt. Gezeigt werden 56 Filme, Spiel- und Kurzfilme sowie Dokumentationen. Ein Wettbewerb vergibt Preise, Nebensektionen beschäftigen sich mit Themen wie "Holocaust der griechischen Juden/Griechenland unter deutscher Besatzung". Eine Foto-Ausstellung, die dem 2012 verstorbenen großen griechischen Regisseur Theo Angelopoulos gewidmet ist, flankiert das Programm. Festivalleiterin ist die deutsche Schauspielerin Sandra von Ruffin. Die Deutsche Welle ist Medienpartner von "Hellas Filmbox", das in diesem Jahr mit der "Aristoteles Universität in Thessaloniki" und dem "Filmfestival Athen" kooperiert. - Panagiotis Kouparanis traf sich mit dem Regisseur am Rande des Festivals und stellte die Fragen.

 

 

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