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Politik

"Vater des Kampfes" tot?

Hartnäckig halten sich Gerüchte über den Tod von Abu Nidal. Der weltweit als Terrorist gesuchte Palästinenser ist nach arabischen Medienberichten unter mysteriösen Umständen in Bagdad ums Leben gekommen.

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Endete Abu Nidals Kampf in Bagdad?

Allerdings wurden diese Berichte bislang weder von palästinensischer noch von irakischer Seite offiziell bestätigt. Widersprüchlich sind auch die Angaben über die Umstände seines Todes. Die Leiche soll in einer Wohnung in Bagdad gefunden worden sein. Nach Zeitungsangaben hat sich der Führer des Fatah-Revolutionsrates umgebracht.

Der arabische TV-Sender El Dschasira berichtet dagegen unter Berufung auf palästinensische Quellen, der Top-Terrorist sei erschossen worden. Ein irakisches Kommando habe Abu Nidals Wohnung in Bagdad gestürmt. Wieder andere Quellen behaupten, Abu Nidal sei seit zehn Jahren nicht mehr in Bagdad gewesen. Sogar ein natürlicher Tod wird nicht ausgeschlossen: Abu Nidal sei an Leukämie erkrankt, heißt es.


Sein Name bedeutet "Vater des Kampfes"

Abu Nidal wurde 65 Jahre alt. Sein Name bedeutet in das Deutsche übertragen so viel wie "Vater des Kampfes". Er stammte aus Jaffa im heutigen Israel, von wo seine Familie 1948, während des Krieges um die Entstehung Israels, ins Westjordanland vertrieben wurde.

Nach der Gründung Israels floh seine Familie nach Gaza, wo Abu Nidal in den 60er Jahren seine erste Terrorgruppe gründete. Von dem später ins Leben gerufenen Dachverband "Palästinensische Befreiungsorganisation" (PLO) unter Leitung von Jassir Arafat distanzierte Abu Nidal sich frühzeitig. Folgerichtig überwarf er sich 1974 mit dem heutigen Palästinenser-Präsidenten. Er warf ihm vor, Israel nicht länger als Teil Palästinas zu betrachten.

Durch die Fatah zum Tode verurteilt

Abu Nidal nannte seine Gruppe –in Abgrenzung zu Arafats Fatah - Fatah-Revolutionskommando. Und er drohte nicht nur Arafat mit Ermordung. Wegen einer Serie von Anschlägen auf PLO-Funktionäre in London, Paris, Rom, Madrid, Brüssel, Kuwait und Islamabad wurde er von Arafats Fatah in Abwesenheit zum Tode verurteilt.

Einer der spektakulärsten Anschläge von Abu Nidals Gruppe war 1982 die versuchte Ermordung des israelischen Botschafters in London, Schlomo Argov. Das Attentat war letzter Auslöser für die israelische Invasion gegen die PLO-Zentren in Libanon - obwohl Abu Nidal längst nicht mehr zur PLO gehörte.

Zahlreiche Opfer in Europa und Nahost

Flugzeugentführung durch Abu Nidal Gruppe

Flugzeug-Entführung nach Malta (1985).

Im November 1985 entführt die Abu-Nidal-Gruppe eine ägyptische Passagiermaschine nach Malta. Beim Befreiungsversuch sterben 66 Menschen. Es folgen im Dezember 1985 Anschläge auf die Flughäfen in Rom und Wien. Mindestens 20 Menschen sterben. Weitere 20 Menschen sterben im September 1986 bei der Erstürmung einer in Karachi (Pakistan) gekaperten amerikanischen Boeing.

Im gleichen Monat werden in einer Istanbuler Synagoge 24 betende Menschen ermordet. Weitere elf Opfer fordert bei Athen im Jahr 1986 ein Anschlag auf das mit israelischen Touristen besetzte Ausflugsschiff "City of Poros". Die Gruppe des palästinensischen Teroristen Abu Nidal wird insgesamt für mehr als 100 Anschläge mit mindestens 280 Toten in Europa und Nahost verantwortlich gemacht.