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Schöpfer der Pinyin-Umschrift für Schriftzeichen

Vater der chinesischen Linguistik gestorben

Chinas Schulkinder und alle, die chinesisch lernen, werden Zhou Youguang ewig dankbar sein: Er schuf ein Transkriptionssystem für die chinesische Schrift. Jetzt ist Zhou einen Tag nach seinem 111. Geburtstag gestorben.

Die Zeitung der kommunistischen Partei in der Volksrepublik China, "People's Daily", schrieb in einem Nachruf, Zhou Youguang habe zur "Erleuchtung einfacher Leute" beigetragen. Der Linguist hatte in den 1950er Jahren wesentlich an der Entwicklung der bis heute geläufigen Pinyin-Umschrift für die chinesischen Schriftzeichen auf der Basis des lateinischen Alphabets mitgewirkt.

Insgesamt gibt es im Chinesischen rund 87.000 Schriftzeichen. 3000 bis 5000 muss man für den Alltag beherrschen. Die Pinyin-Umschrift ist da eine elementare Erleichterung. Die Schüler in China lernen heute alle auf der Basis von Pinyin.

 Vertrauter von Premier Zhou Enlai

Zhou wurde in der Endphase der chinesischen Kaiserzeit in eine aristokratische Familie geboren. Den Bürgerkrieg erlebte er nicht aus der Nähe mit, weil er damals für eine chinesische Bank an der New Yorker Wall Street arbeitete. Nach dem Sieg der Kommunisten 1949 war Zhou zeitweise ein enger Vertrauter des langjährigen Regierungschefs Zhou Enlai.

Chinesische Schriftzeichen Made in China (picture-alliance/blickwinkel/K. Thomas)

"Made in China" in chinesischen Schriftzeichen

1955 wurde er in einen Ausschuss berufen, der die Alphabetisierung der chinesischen Bevölkerung voranbringen sollte. Dazu wurde die Pinyin-Umschrift genutzt.  Seit den 1950er Jahren stieg die Alphabetisierungsrate in China von rund 20 auf mehr als 90 Prozent.

Verbannt während der Kulturrevolution

Während der Kulturrevolution entfremdete sich der Sprachkundler zunehmend von den Kommunisten. In den 60er Jahren wurde er für zwei Jahre in das Arbeitslager Ningxia verbannt, getrennt von seiner Frau und seinem Sohn. Im Nachhinein beschrieb er die Jahrzehnte von 1960 bis 1980 als "verlorene" Zeit. "Ich habe über Mao Tse-tung nichts Gutes zu sagen", lautete Zhous Urteil über den Kommunistenführer.

 

In zahlreichen Büchern setzte sich Zhou mit den marktwirtschaftlichen Reformen von Mao-Nachfolger Deng Xiaoping auseinander. Dabei monierte Zhou, es sei "nicht wichtig", dass sich die Menschen bereichern. "Menschlicher Fortschritt ist letztlich Fortschritt in Richtung Demokratie", betonte der Linguist. 2015 sagte Zhou der Nachrichtenagentur AFP, China müsse noch immer "den Weg der Demokratie beschreiten". Dies sei "der einzige Weg".

wl/kle (afp)