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Aktuell Europa

Varoufakis-Fälschung war gefälscht

Die Behauptung, das Mittelfinger-Video mit Griechenlands Finanzminister sei gefälscht, ist offenbar falsch. Der Moderator Jan Böhmermann hatte für einigen Wirbel gesorgt - und für hunderttausende Video-Abrufe.

Am Ende wurde es dem ZDF offenbar zu brenzlig: In einer Meldung auf dem Kurznachrichtendienst Twitter wies der öffentlich-rechtliche Sender indirekt darauf hin, dass die Geschichte vom gefälschten Mittelfinger des griechischen Finanzministers frei erfunden und als Satire gedacht ist. "Wir erwägen, künftig bei allen @neomagazin-Ausstrahlungen den Warnhinweis 'Vorsicht Satire!' zu platzieren", hieß es. Die Website der Boulevardzeitung "Bild" berichtete, der für die Fälschungsgeschichte verantwortliche Moderator Jan Böhmermann selbst habe die Verwirrung um das Video erst heute Abend auflösen wollen.

"Unser Video ist zu einhundert Prozent echt", erklärte Böhmermann in einer Video-Stellungnahme. Wer das Gegenteil behaupte, sei ein Lügner. "Die Unterstellung, dass das Video ein von uns manipulierter Fake-Fake-Fake-Fake-Fake-Fake sei, ist absolut haltlos", sagte Böhmermann weiter. "Niemals würden wir die notwendige journalistische Debatte über einen zwei Jahre alten, aus dem Zusammenhang gerissenen Stinkefinger und all diejenigen, die diese Debatte ernsthaft öffentlich führen, derart skrupellos der Lächerlichkeit preisgeben."

Der Mittelfinger von Yanis Varoufakis hatte die deutschen Medien stark bewegt. Der griechische Finanzminister war am Sonntagabend in der Sendung "Günther Jauch" mit einem Video konfrontiert worden, in dem zu sehen ist, wie Varoufakis über die Eurokrise referiert und dabei in Zusammenhang mit Deutschland die obszöne Geste macht.

Gestern ließ Jan Böhmermann, Moderator der Satiresendung "Neo Magazin Royale" eine vermeintliche Bombe platzen: Seine Redaktion habe das zwei Jahre alte Video manipuliert und den Finger hineingeschnitten. "Lieber Günther Jauch, liebe ARD, liebe 'Bild'-Redaktion, einmal bitte tief durchatmen, vielleicht nehmen Sie sich mal einen Stuhl und setzen sich hin. Sie müssen jetzt ganz, ganz stark sein", sagt Böhmermann in einem von ihm auf der Videoplattform Youtube verbreiteten Video.

In dem Beitrag erklärt Böhmermann, seine Redaktion habe die umstrittene Varoufakis-Sequenz manipuliert, weil im Februar Material für einen

Spott-Song über den griechischen Finanzminister

gefehlt habe. Eine Redakteurin habe ihre Kontakte nach Kroatien genutzt, um sich das Video von einer Konferenz in Zagreb zu besorgen, auf der Varoufakis unter anderem gesagt hatte: "Mein Vorschlag war, Griechenland sollte einfach bekanntgeben, dass es zahlungsunfähig ist - so wie es Argentinien tat -, innerhalb des Euro, im Januar 2010, und Deutschland den Finger zeigen und sagen: Ihr könnt das Problem jetzt alleine lösen." An dieser Stelle habe sein Team die umstrittene Geste eingefügt.

Varoufakis hatte während des Interviews am Sonntag empört auf den Vorhalt reagiert, er habe Deutschland den Stinkefinger gezeigt. Das Video sei ein Fake, der ausgestreckte Mittelfinger hineinmontiert worden. "Das ist getürkt. Das hat es nicht gegeben." Die Redaktion der Talksendung verteidigte sich anschließend: Das Video sei echt, es gebe keine Anzeichen von Manipulation. Allerdings räumte der NDR-Chefredakteur Andreas Cichowitz über den Kurznachrichtendienst Twitter ein, dass der Zusammenhang nicht hinreichend deutlich gemacht worden sei.

Ungeachtet des Wahrheitsgehaltes ist Böhmermanns Fälschungsgeschichte ein voller Erfolg. Das angebliche Enthüllungs-Video hatte bereits Stunden nach seiner Veröffentlichung auf Youtube mehr als 300.000 Zugriffe. Vor drei Wochen hatte Griechenlands Finanzminister dem Moderator schon einmal Aufmerksamkeit beschert: Das satirische Musikvideo "V for Varoufakis" , in dem unter anderem der Mittelfinger auftaucht, wurde bislang 1,8 Millionen mal angeklickt.

stu/sp (afp, dpa, DW)

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